Europas größter Hosenhersteller: MAC Jeans gräbt der Fast Fashion das Wasser ab

Europas größter Hosenproduzent sitzt nicht in den Modemetropolen Mailand, Paris oder Düsseldorf, sondern im Landkreis Cham. Bei einem Besuch in dem mit Preisen überhäuften Gebäude von MAC Jeans wird schnell klar, dass Innovation hier groß geschrieben wird. Jetzt gab es einen Preis für die Verarbeitung von Brennnesseln.
Wer ins Epizentrum der Modewelt Europas fahren möchte, der fährt durch Orte mit Namen wie „Stall“. Roßbach liegt an der Landkreis-Grenze zwischen Regensburg und Cham. Doch mit MAC Jeans sitzt hier der europaweit größte Hersteller von Hosen – in einer mehrfach ausgezeichneten architektonischen Offenbarung aus Glas und Holz. Geschäftsführerin Evelyn Schönleber sagt: „Wir haben 2012 damit begonnen, die erste große Serie Jeans aus recycelter Baumwolle herauszugeben. Wir haben damals 250 000 Stück verkauft, da hat noch kein Mensch an Nachhaltigkeit gedacht“, sagt Schönleber.
Jetzt gewann MAC Jeans den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Ressourcen. Die „MAC Circular Nettle Denim“ ist wegweisend für den Einsatz von ressourcenschonender Rohstoffe in der Bekleidungsindustrie. „Früher wurden Brennnesseln auch bei uns angebaut, heute macht das leider niemand mehr“, sagt Schönleber.
Sie betreibt auch Lobby-Arbeit – etwa, als sie bei der Veranstaltung zum Thema Landwirtschaft bei MENSCHEN in EUROPA in Passau dafür warb, dass auch heimische Bauern dankbare Abnehmer für den Rohstoff finden würden. Man muss nicht Schönleber selbst hören, um die Vorzüge dieses Materials für die Bekleidunggsindustrie – und die Umwelt – zusammenzufassen.
Vorteil gegenüber Baumwolle: Kein zusätzliches Wasser
In der Mitteilung des deutschen Nachhaltigkeitspreises hieß es nämlich wörtlich: „Die Brennnessel als Rohstoff bietet entscheidende ökologische Vorteile gegenüber konventioneller Baumwolle: Die Pflanze benötigt kein zusätzliches Wasser, keine Pestizide oder synthetischen Düngemittel, wächst robust in unterschiedlichsten Klimazonen und hierzulande und ermöglicht – anders als Baumwolle – dadurch kurze Transportwege und einen deutlichen besseren CO2-Abdruck.“ Das Preiskomitee würdigte MAC Jeans „für seinen Mut und seinen Innovationswillen aus, mit der Brennnessel einen bislang kaum genutzten Naturrohstoff zu skalieren und als einsatzfähige Denim-Faser aufzubereiten“.
Der Einsatz für neue Rohstoffe in der Mode ist auch ein Kampf gegen Fast Fashion und einem unglaublich hohen Ressourcenverbrauch. Man sagt, die Produktion einer Jeans verschlinge 7000 Liter Wasser. „Unglücklicherweise wird Baumwolle dort angebaut, wo Wasser sehr rar ist.“ Brennnesseln hingegen brauchen kein zusätzliches Wasser. Allerdings entspricht der Stoff, den man aus Brennnesselfasern weben kann, nicht den Gewohnheiten des modernen Menschen. Das zeigt auch das Muster, das Simon Khasani, Kreativdirektor für Herrenmode bei MAC, präsentiert. Der Designer hat Chemie studiert und ist seit Jahren dabei, neue Stoffe und Materialien zu entwickeln.
Statt Leder von Tieren lieber Labels aus Lebensmittel-Abfällen
Auch Barbara Hirt, die Leiterin des Produktmanagements bei Damen, zeigt alternative Materialien: „Dieses Label ist aus Apfeldrester, das ist ein Abfallprodukt.“ Experimentiert werde aber auch mit Olivenabfällen oder mit Teeresten. „Das ist sehr ähnlich wie Leder“, sagt Hirt. Zum einen würden diese Lebensmittelreste ansonsten weggeworfen, zum anderen erleichtere das auch das Recyceln. Überhaupt soll der Lebenszyklus einer MAC-Hose möglichst lange dauern: „Wir haben auch einen Reparatur-Service“, sagt Geschäftsführerin Schönleber. „Wir wollen, das die Hose lange hält.“

Machen Hosen glücklich?
Neben dem Einsatz alternativer Rohstoffe gibt es aber auch weitere Projekte beim Marktführer. Heuer sorgte die Marke in Mailand für Aufsehen, immerhin eine Hochburg der Modewelt. Mac Jeans mietete eine Verkehrsinsel und präsentierte dort die neuesten Entwürfe. In die Welt der Wissenschaft ging es zudem: Bei einem Besuch im Cern sah sich Schönleber mit einer kleinen Delegation den Teilchenbeschleuniger an. Doch auch beim Besuch bei einer der zehn führendsten Hochschulen der Welt hat Schönleber eines im Sinn: Hosen. „Wir kooperieren mit der ETH, die ein Team aus unterschiedlichen Disziplinen daran forschen lässt: Welche Hose macht glücklich?“ Wenn sich zu Nachhaltigkeit Glück gesellt – dann passt die Hose, das ist sicher.