Etliche Anlieger fassungslos: Warum der Pfahl-Radweg bei Cham derartige Dimensionen annimmt

Von Johannes Schiedermeier · 14. Dezember 2025 um 05:00

Muss der Pfahl-Radweg bei Cham wirklich so breit sein? Und wieso wird da 60 Zentimeter tief ausgekoffert? Warum kommt da Asphalt drauf? Trotz Anliegerversammlung sind offensichtlich Fragen offen bei den Spaziergängern am Pfahl. Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer und die Untere Umweltschutzbehörde haben sie beantwortet.

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„Die Eichen waren garantiert 200 Jahre alt. Das tut schon weh, wenn man sieht, wie so etwas gefällt wird…“ Solche Sätze hört man häufig, wenn man auf der künftigen Trasse des Radwegs geht, der bald den Pfahl entlang führen wird und mit den Anliegern spricht. Es sieht auch recht großzügig aus, was da gerade in den drei Gemeinden Cham, Schorndorf und Traitsching aus dem Boden gestampft wird.

Vier Meter breit ist die Schneise dort, wo es die Landschaft hergibt. Drei Meter davon sollen asphaltiert werden. Dazu kommen zwei Mal ein halber Meter Bankett. Kilometerweit am Pfahl entlang soll der neue Radweg durch eine wunderschöne landschaftliche Kulisse führen.

Feldweg mit Radbedeutung

Das freut die Radfahrer und bringt die Anlieger in Wallung. „Muss man einen Radweg unbedingt asphaltieren?“, fragen sich drei Bewohner der Siedlung Pfahlhäuser, an deren Haus der Weg vorbeiführen wird. Sie fahren selbst Rad und auch gerne auf Schotter. Und dann ist da noch der Mann aus Stadl, der von 60 Zentimetern Unterbau spricht: „Wofür das denn?“

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Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer ist wegen der Länge, auf dem der Weg durch seine Gemeinde führt, der federführende Bürgermeister, was die Planung betrifft. Neben ihm sind die Gemeinden des Chamer Bürgermeisters Martin Stoiber und dessen Traitschinger Amtskollegen Sepp Marchl von der Wegführung berührt.

Warum gefällt werden muss

Schmaderer begründet den Umfang des Ausbaus: „Deswegen heißt das Projekt auch Ausbau von Feld- und Waldwegen mit Fahrradbedeutung.“ Deswegen, so der Schorndorfer Bürgermeister, auch die Asphaltierung und das tiefe Auskoffern der Trasse. Allerdings sagt er auch, dass sich der Ausbau auf der Bestandstrasse bewegt. „Wir haben keinen Grund gebraucht, oder nur ganz wenig.“

Er bestätigt aber auch, dass es ein paar Probleme gegeben hat. „Ja, einer hat gemeint, er muss das nachmessen. Das hat sich dann aber als richtig geplant rausgestellt. Wir brauchen von dem nichts.“

Nach Recherchen unserer Zeitung handelt es sich um einen Weg entlang des Waldrandes zwischen Radling und der Ortsdurchfahrt Brunn. Dort sind auch etliche Bäume am Waldrand rot für eine Fällung gekennzeichnet. Auch das ist laut Schmaderer normal: „Wir müssen das Lichtraumprofil über dem Weg freihalten. Dazu gehört auch die Fällung von Bäumen.“

Auch zwischen Radling und Brunn werden Bäume fallen. Sie sind bereits deutlich mit einem roten Punkt markiert. Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer argumentiert mit der Freihaltung der Lichtprofile über dem Weg, räumt aber auch Probleme bei der Grundstücksbeschaffung ein. Der Weg laufe aber auf der Bestandstrasse. Johannes Schiedermeier - Foto:

Deswegen hat Schmaderer auch für die Anlieger-Kritik an der Fällung alter Eichen eine klare Antwort: „Das ist alles Schmarrn. Wir haben jede Fällung mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen und schaffen dafür den vorgesehenen Ausgleich.“ Es gebe einen landespflegerischen Begleitplan für die Trasse.

Die Kritik in den Sozialen Medien am Umfang der Aktion steckt er weg: „Man kann heutzutage nichts mehr machen, ohne öffentlich dafür kritisiert zu werden. Das vergeht. Wir haben das gewusst und uns deswegen auch ganz genau an die Vorgaben gehalten.“

Was sagt der Naturschutz?

Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt bestätigt das auf Anfrage unseres Medienhauses: „Für das Vorhaben wurde ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt, welcher der unteren Naturschutzbehörde zur Prüfung vorgelegt worden ist. In diesem Plan wurden die naturschutzfachlichen Belange insbesondere die Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierung, Schutzgebiete und Artenschutz schlüssig und nachvollziehbar abgearbeitet. Der Kompensationsumfang wurde nach der Bayerischen Kompensationsverordnung ermittelt. Für die Gemeinde Schorndorf wird der ermittelte Ausgleichsbedarf vom Ökokonto der Gemeinde abgebucht.“

Grundsätzlich seien, so der Pressesprecher des Landratsamtes, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft (und dazu gehört auch das Beseitigen von Bäumen) zu unterlassen. Ist eine Beeinträchtigung nicht vermeidbar, so Fabian Koller, besteht die Verpflichtung zum Ausgleich. Dass auch 200-jährige Eichen betroffen waren, bestätigt die Untere Naturschutzbehörde nicht.Es sei natürlich von Vorteil, dass für den Bau des Radwegs weitestgehend auf bestehende Wald- und Feldwege zurückgegriffen werden kann. Vom geplanten Verlauf der Trasse sei nach aktuellem Sachstand nicht abgewichen worden.

Wo der Pfahlradweg entsteht

Ein hoher Zuschuss des Freistaates Bayern macht Ausbau des öffentlichen Feldweges mit Bedeutung für den Fuß- und Radverkehr am Pfahl möglich. Der Weg wird im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit der Stadt Cham und der Gemeinden Traitsching und Schorndorf seit Herbst ausgebaut.

Der Streckenverlauf des nördlich am Pfahl liegenden Weges beginnt in Wilting (Einmündung in die Straße Pfahlhöhe), verläuft in Richtung zur Staatsstraße nach Radling, nach deren Querung zur Verbindungsstraße Radling-Brunn und von dort über die Siedlung in Radling am Pfahl nach Pfahlhäuser und vom Drachenspielplatz in Pfahlhäuser bis zum Ausbauende an der Gemeindeverbindungsstraße Penting – Ried am Pfahl.