Barrierefrei ins All: Umbau macht Sternwarte Neumarkt für Rollstuhlfahrer erlebbar

Die Freude war groß, als am Mittwoch der barrierefreie Erweiterungsbau der Sternwarte Neumarkt offiziell eröffnet wurde. Was 1969 als visionäres Projekt einiger astronomiebegeisterter Neumarkter begann, setzt nun ein starkes Zeichen für Inklusion. Jetzt bekommen auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen Zugang zum Universum.
Bisher führten steile und enge Treppen zu Turm und Beobachtungsplattform – für Besucher und Besucherinnen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen war die Teilnahme am Beobachtungsprogramm in der Sternwarte unmöglich. Bereits 2022 entstand deshalb die Idee, die Sternwarte um einen barrierefreien Bereich zu erweitern.
Es folgte eine intensive Planungsphase, unterstützt vom damaligen Oberbürgermeister Thomas Thumann und später Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn. Auch die Regina GmbH des Landkreises Neumarkt als Förderstelle sowie weitere regionale Unterstützer signalisierten früh ihre Hilfe.
Beobachtung der Sterne auf Augenhöhe
Nach Genehmigung des Bauantrags im September 2024 und der Förderzusage durch Leader konnte im Frühjahr 2025 der Aushub beginnen. Das Gelände im Südosten des Areals stellte die Bauprofis allerdings vor Herausforderungen: Große Kalksteinplatten mussten entfernt und das Gelände begradigt werden.
Das Aushubmaterial wurde zu einem kleinen Biotop aufgeschüttet – ein unerwarteter Gewinn für die Natur. Die neue Beobachtungshütte ist großzügig gestaltet: Fünf Meter mal 5,5 Meter bieten ausreichend Platz für Rollstühle und Begleitpersonen. Das Highlight: Ein leichtgängiges Rolldach, das sich „butterweich“ mit einer Hand nach Norden schieben lässt und den Blick in den Sternenhimmel komplett freigibt. Ursprünglich sollte ein Motor eingebaut werden – doch die Konstruktion ist so gut ausbalanciert, dass ein solcher gar nicht mehr nötig war.
Im Inneren ermöglicht eine besondere technische Lösung astronomische Beobachtungen auf Augenhöhe: Eine Hubsäule, die sich stufenlos um 70 Zentimeter heben lässt und so die Einblickhöhe ins Teleskop an die Bedürfnisse der jeweiligen Beobachter und Beobachterinnen anpasst. Nach einigen Problemen mit Software und Kommunikation im Ausland kam die Säule schließlich im November per Luftfracht – funktionsbereit und zuverlässig.
Mit dem neuen Teleskop – einem hochwertigen 20-cm-Apochromaten mit computergesteuerter Präzisionsmontierung – können jetzt Planeten, Nebel und ferne Galaxien gestochen scharf beobachtet werden. Auch Sonnenbeobachtungen werden bald möglich sein: Ein spezielles H-Alpha-Teleskop steht bereits bereit.
Inklusion ist kein theoretisches Konzept, sondern eine praktische Aufgabe. Und heute haben wir bewiesen, dass wir sie gemeinsam meistern können.Vorsitzender Hans-Werner Neumann
Neben der Hütte entstand ein barrierefreies WC, ein breiter Verbindungsweg und Behindertenparkplätze. Strom, Beleuchtung und Sanitärtechnik wurden unauffällig integriert. Zahlreiche Verschönerungsarbeiten – vom Versetzen des Zauns bis zur Gartenpflege – leisteten die Vereinsmitglieder in vielen ehrenamtlichen Stunden selbst. Dabei lief parallel der reguläre Betrieb der Sternwarte weiter: Jährlich rund 2000 Besucher und Besucherinnen nutzten die Vorträge und Beobachtungsabende in der Einrichtung.
Viel ehrenamtlicher Einsatz
Bei der feierlichen Eröffnung würdigten stellvertretender Landrat Josef Bauer, Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn, Leader-Koordinator Hans-Michael Pilz und Alois Häring von der Lebenshilfe den außergewöhnlichen Einsatz des ehrenamtlichen Teams.
Besonders die positiven Rückmeldungen von Behindertenorganisationen zeigen, wie wichtig dieses Projekt ist. „Ich freue mich, dass die Sternwarte Neumarkt sich für diesen Umbau entschieden hat“, sagte Georg Kohlmann, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung der Stadt Neumarkt. „Jetzt haben endlich alle Menschen die Möglichkeit, die Sterne aus nächster Nähe zu erleben.“
Vorsitzender Hans-Werner Neumann bedankte sich bei allen Unterstützern – von Stadt und Landkreis über Banken bis hin zu den vielen freiwilligen Helfern und Helferinnen. Sein Fazit: „Inklusion ist kein theoretisches Konzept, sondern eine praktische Aufgabe. Und heute haben wir bewiesen, dass wir sie gemeinsam meistern können.“