Leerstands-Problematik in Schwandorf: Das sagen die OB-Kandidaten

Von Selina Schaefer · 9. Dezember 2025 um 05:00

Die festlich geschmückten Tannenbäumchen in der Friedrich-Ebert-Straße können nur spärlich kaschieren, dass in der Schwandorfer Innenstadt nicht gerade ein vorweihnachtlicher Kaufrausch grassiert. Nach H&M, Mode Linda und Gerry Weber schließen bald auch die Denim Lounge sowie Haushaltswaren Schreiner. Das Thema dürfte auch im Wahlkampf eine gewichtige Rolle spielen. So beurteilen die Schwandorfer OB-Kandidaten die Situation.

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OB Andreas Feller (CSU) sieht in den Leerständen ein allgemeines Phänomen

Oberbürgermeister Andreas Feller hat wenig Freude, wenn er dieser Tage durch die Stadt läuft. „Ich bedaure den Rückzug jedes einzelnen Geschäftes in der Schwandorfer Innenstadt sehr“, sagt er. „Leider können wir nicht so schnell nachbesetzen, wie wir uns das wünschen.“

Dass Läden in der Innenstadt aufgegeben werden, sei kein reines „Schwandorfer Phänomen“. Vielmehr würden Entwicklungen widergespiegelt, die bundesweit zu beobachten sind: mehr Online-Käufe, hohe Mieten, Fachkräftemangel oder fehlende Nachfolger für Betriebe. Nur wenn alle Beteiligten zusammenarbeiteten, könne die Stadt aktiv belebt und zukunftsfähig gestaltet werden, sagt der OB.

Zwischennutzungen wie Pop-up-Läden, Ateliers oder Co-Working seien ein gutes Mittel, um baulichen Verfall zu vermeiden und gleichzeitig frische Akzente zu setzen. Beim Thema Fußgängerzone bleibt Feller vage und fordert „einen ganz neuen Ansatz“. Es müsse ein „Entscheidungsprozess“ herbeigeführt werden, „was wir eigentlich wollen“ – man müsse dabei langfristig denken. „Eine breite Bürgerbeteiligung ist nötig, die Stadt gehört uns allen“, sagt der OB.

OB-Kandidat Andreas Wopperer (CSU) will eine Fußgängerzone testen

Seine Wahrnehmung: „Unsere Innenstadt stirbt nicht, sie verändert sich weg von dem, was wir über Jahrzehnte gewohnt waren, insbesondere was den Handel betrifft.“ Mehr innerstädtisches Wohnen würde nach den Worten Wopperers auch zu mehr Belebung führen – und damit auch zu mehr Handel. Die Aufenthaltsqualität müsse nicht nur durch eine ansprechende Gestaltung der Straßen, sondern auch durch weniger unerwünschten Durchgangsverkehr gesteigert werden, so Wopperer. Er setzt auf die bereits beschlossene Testphase für die Fußgängerzone, um herauszufinden, welchen Effekt diese hätte. Wopperer will das Thema Innenstadt im Falle eines Wahlsieges zur „absoluten Chefsache“ erklären. „Das heißt: permanentes persönliches Nachhaken, Anschieben und Unterstützen bei Immobilieneigentümern, potenziellen Investoren und Nutzern (Handel, Gastro, etc.). Da passiert viel zu wenig“, erklärte der OB-Kandidat.

Andreas Weinmann (SPD) verspricht sich Lösungen an einem Runden Tisch

„Leider verschärft sich die ohnehin schon kritische Entwicklung neuerdings noch einmal“, sagt Weinmann (SPD). Er befürchtet, dass die Stadt in einen Teufelskreis gerät und schlägt als Sofortmaßnahmen einen „Runden Tisch“ mit Handel, Gastronomie und Immobilienbesitzern sowie ein „konzentriertes Vorgehen aller Beteiligten“ vor. Zudem müsse das subjektive Sicherheitsgefühl durch verstärkte Streifen von Polizei und dem Außendienst Ordnungsamt (ADO), die Beseitigung dunkler Ecken und die Einführung von Streetworkern gesteigert werden.

Langfristig hält Weinmann auch Überlegungen für alternative Nutzungen der Leerstände für wichtig. Auch weitere Sanierungen am Bahnhofsareal, Beschattungen und Begrünungen, Attraktionen wie ein Stadtstrand an der Naab oder die Inbetriebnahme der Wasserräder würden seiner Meinung nach das Zentrum aufwerten. Besonders wichtig sei eine zügige Umsetzung der Pläne für das Schmidtbräu-Gelände.

UW -Kandidat Kurt Mieschala nimmt auch die Kunden in die Pflicht

„Die Stadt als Kommune kann nur unterstützend mitwirken, finanziell oder organisatorisch“, sagt Kurt Mieschala (UW). Gefordert seien Händler, Stadt und Vermieter, um einem Innenstadtsterben entgegenzuwirken – und die Kunden selbst: „Ich selbst kaufe Sachen, die ich in Schwandorf bekommen kann, auch hier.“

Für eine funktionierende Fußgängerzone erfüllt die Friedrich-Ebert-Straße nach den Worten Mieschalas noch nicht die Voraussetzungen. „Man müsste zunächst ein Einkaufserlebnis schaffen mit guter Mischung aus Geschäften, Dienstleistern und Gastronomie.“ Gleichzeitig müssten Händler unterstützt werden, etwa bei der Miete. Mieschala wünscht sich, dass Vermieter mit ihren Mietvorstellungen heruntergehen oder gestaffelte Mieten anbieten würden.

Für Roland Kraus (AfD) ist die Erreichbarkeit mit dem Auto wichtig

Kraus zufolge profitieren die Gaststätten am Marktplatz, die Apotheken oder Arztpraxen in der Innenstadt sowie die Eisdielen von ihrer Erreichbarkeit mit dem Auto. „Meiner Meinung nach würde eine Fußgängerzone genau das Gegenteil bewirken.“ Um die Innenstadt attraktiver zu machen, schlägt Kraus stattdessen wöchentliche Events und Veranstaltungen vor.

Einen zusätzlichen Anreiz würden nach seinen Worten auch kostenlose Parkplätze an diesen Tagen bieten. Auch Start-ups sollten als Starthilfe in die Selbstständigkeit anfangs von ihrer Miete befreit werden: „Die Kosten hierzu halten sich in Grenzen, und langfristig profitiert man davon.“ Kraus zufolge würden sich zudem viele Bürger nicht mehr sicher in der Stadt fühlen. „Die Sicherheit und das Stadtbild“ seien ein wichtiger Faktor, sagt der AfD-Kandidat.

Für Dieter Jäger (FW) ist eine Fußgängerzone immer noch ein Muss

Sie würde die Innenstadt attraktiver machen, nicht nur wegen des Einkaufs, sondern, um Leben und Wohnen dorthin zu bringen, wo es durch Wandel mittlerweile vermehrt Essen und Trinken sowie Dienstleister gebe. „Über 6000 Autos fahren aber täglich von Osten nach Westen durch die Stadt, ohne darin verweilen zu wollen“, sagt Jäger. Er fordert, dass auch diese Pendler – ebenso die Pendler von West nach Ost – die Nordumgehung oder die Osttangente nutzen. Der Marktplatz bleibe dabei weiterhin anfahrbar. Jäger ärgert sich über den Begriff „Innenstadtsterben“, denn er findet auch Positives: Die Stadt habe mit verschiedenen Umbauten etwa in der Friedrich-Ebert-Straße oder mit der Gestaltung des Stadtparks in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht.

Tobias Mainka (Die Linke) wünscht sich mehr Grün und weniger Verkehr

Die Linke hat mit der Eröffnung eines Büros in der Breite Straße selbst einen vorübergehenden Leerstand beseitigt. Ihr Kandidat Tobias Mainka findet, dass die Innenstadt in den vergangenen Jahren durchaus positiv erneuert wurde. „Dennoch wirkt sie stellenweise wie eine Betonwüste, die sich im Sommer stark aufheizt.“ Durchgangsverkehr und Staus trügen dazu bei, dass sich Menschen ungern dort aufhielten. Eine Fußgängerzone mit Begrünung, Schatten und mehr Freisitzmöglichkeiten für die Gastronomie könne das ändern, sagt Mainka. „Allerdings nur mit einer gut geplanten Verkehrsführung.“ Dabei sei wichtig, dass Anliegern, Lieferverkehr, Rettungsdiensten sowie Menschen mit Behinderung weiterhin die Zufahrt ermöglicht werde. Außerdem brauche es günstige Parkmöglichkeiten und gute Busanbindung, um die Innenstadt zu beleben.