Mehr Ehrenamtliche gesucht: Polizei in Neutraubling braucht dringend freiwillige Helfer

Von Dagmar Unrecht · 7. Dezember 2025 um 05:00

Sie haben ein wachsames Auge und helfen vor Ort – auch der Polizei: die Mitglieder der Sicherheitswacht. In Neutraubling werden dafür dringend neue Ehrenamtliche gesucht. „Vor einem Jahr waren es zehn, inzwischen sind es nur noch zwei“, bedauert Thomas Kolb, Leiter der Polizeiinspektion Neutraubling.

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Aus gesundheitlichen und zeitlichen Gründen hätten mehrere Mitstreiter aufgehört. Dabei wünschen sich viele Neutraublinger eine stärkere Präsenz von Polizei und Sicherheitsleuten. Das wurde auch bei der Bürgerversammlung Mitte November mehrfach geäußert.

Im September hatte Kolb in einem öffentlichen Aufruf um neue Mitglieder für die Sicherheitswacht geworben. Die Resonanz war überschaubar: Drei Interessenten haben sich gemeldet. Der Neutraublinger Polizeichef hätte aber gern wieder zehn Unterstützer für die Polizei. „Wir tun unser Möglichstes“, sagt Kolb.

Aber es sei täglich nur eine Polizei-Streife im Einsatz. Mehr sei nicht drin wegen der angespannten „Einsatz- und Personallage“. Die Neutraublinger Wache ist demnach für einen „immens großen Bereich“ zuständig. Dieser reicht von Tegernheim bis Schierling und von Pentling bis Alteglofsheim, zwölf Kommunen insgesamt. Rund 50 Kollegen arbeiten in der Neutraublinger Wache. Eine Handvoll Stellen sei derzeit vakant, so Kolb.

Neutraublinger Einsatzgebiet laut Kriminalstatistik recht sicher

Neue Kollegen für die Sicherheitswacht wären daher willkommen. Gerald Peter ist schon seit 25 Jahren dabei – seit die Sicherheitswacht im Jahr 2000 in Neutraubling ins Leben gerufen wurde. „Damals haben sich mehr als 40 Leute beworben“, erinnert sich der gelernte Zahntechniker. Der heute 67-Jährige setzt sich gern für die Gemeinschaft ein. „Das macht Spaß und man bekommt viel positive Rückmeldung.“ Überdies sei das Streifegehen an der frischen Luft gesund.

Drei- bis viermal im Monat ist der Obertraublinger im Team mit einer Kollegin für rund drei Stunden zu Fuß in Neutraubling unterwegs. Die Routen variieren in Absprache mit der Polizei. Der Sicherheitsdienst läuft zum Beispiel zum Neutraublinger See, durch Parks, zu Spielplätzen oder auch zu Globus, „vor allem, wenn uns dort Bettler am Parkplatz gemeldet werden“, sagt Kolb. Zudem sei Globus Spitzenreiter im Landkreis bei den angezeigten Ladendiebstählen. Rund drei bis fünf täglich seien es im Schnitt.

Laut Kriminalstatistik ist das Einsatzgebiet der Neutraublinger Wache ein recht sicheres Pflaster, versichert Kolb. Allerdings beobachte er, dass Fälle von häuslicher Gewalt zunehmen. In der Bürgerversammlung hatten einige Besucher über zu viel Lärm geklagt, besonders rund um Silvester und Halloween. Auch über Jugendliche, die sich abends in den Parks aufhalten und laut Musik hören, gab es Beschwerden – verbunden mit dem Wunsch nach mehr Polizeipräsenz. Kolb hat dafür Verständnis, sagt aber: „Unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“ Er müsse Prioritäten setzen. „Ein Unfall mit Verletzten geht vor.“

Die Sicherheitswacht ist in seinen Augen unerlässlich: „Sie ist wichtig für das Sicherheitsgefühl der Bürger.“ Sei diese nicht greifbar, solle man „ruhig die 110 anrufen“, so Kolb. „Lieber einmal zu viel als zu wenig.“

Halloween: Kartonweise Eier konfisziert

Brenzlige Situationen hat Gerald Peter in den vielen Jahren auf Streife bisher nicht erlebt. An Halloween habe er aber schon mehrere Schachteln Eier bei Jugendlichen konfisziert. Er habe aber den Eindruck, dass es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden ist, so Peter. Oft werde er auf Streife angesprochen, zum Beispiel wegen Sperrmüllhaufen oder Falschparkern. „Viele Menschen kennen mich schon.“

Derzeit ist der Sicherheitsdienst nur in Neutraubling unterwegs. Kolb hätte gern auch Ehrenamtliche in Pentling, Schierling oder Thalmassing. Für ihn ist die Sicherheitswacht ein wichtiges Bindeglied zur Bevölkerung, „unser verlängerter Arm“. Ruhig, freundlich und bestimmt soll die Sicherheitswacht auftreten, so Kolb. Dazu sollen die Ehrenamtlichen gut zu Fuß und gut beleumundet sein. „Keine Rambos“, ergänzt Peter. Neumitglieder werden vorab geschult. Anfang des Jahres beginnt die neue Fortbildungsrunde. „Wer mitmacht, geht bewusster durchs Leben und engagiert sich für andere“, wirbt Kolb. Bei der Weihnachtsfeier in der Wache seien die Ehrenamtlichen auch mit dabei. „Dienstgeheimnisse dürfen aber auch sie nicht ausplaudern.“

Ehrenamt für mehr Sicherheit

• Bewerber: Mitglieder der Sicherheitswacht sollen zwischen 18 und 67 Jahre alt sein, eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung haben und rund zwei Stunden pro Woche auf Streife gehen. Es gibt eine Aufwandspauschale von acht Euro pro Stunde. Weitere Infos gibt es vor Ort bei der Polizei in Neutraubling oder unter Telefonnummer 09401/93 02 0.

• Einsatzgebiet: Die Neutraublinger Polizei ist für zwölf Kommunen mit rund 68.000 Einwohnern zuständig und damit für rund 330 Quadratkilometer im südlichen Landkreis.