Hunderte Freiwillige suchen bei Kelheim nach dem vermissten Vitalij Holstein (39)

Von Kristina Heselhaus, Martin Rutrecht · 5. Dezember 2025 um 14:26

Die Hoffnung schwindet, aber sie wird nicht aufgegeben. Seit einer Woche wird ein 39-Jähriger Kelheimer vermisst. Nachdem sich zunächst Einsatzkräfte auf die Suche nach ihm machten, sind seit Tagen Freiwillige unterwegs und durchkämmen die Region.

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„Wir sind auf eure Unterstützung angewiesen. Bitte helft uns beim Suchen!“ Mit diesem Aufruf wandte sich Marina Witte, die Schwester des vermissten Vitalij Holstein, über Soziale Netzwerke an die Bevölkerung. Vitalij Holstein ist geistig und körperlich behindert. Bei einem Spaziergang mit seinen Eltern vergangenen Samstag in Kelheim verschwand er. Gesehen wurde er danach noch im Bereich der Kreuzung Hallstattstraße/Kelheimwinzerstraße – seither nicht mehr.

Fotos vom Vermissten hängen vor Supermärkten und Geschäften aus. - Foto: Sophie Knorr

Die Schwester organisierte eine Suche mit Treffpunkt bei der Schleuse in Kelheim. Trupps mit Warnwesten suchten auch nahe des Einkaufszentrums. Fotos von Vitalij sind an Lebensmittelmärkten und Geschäften angebracht. Im Internet wird der Suchaufruf immer wieder geteilt.

Familie teilt die Routen ein

Über eine Nachrichtengruppe halten sich aktuell knapp 200 Mitglieder auf dem Laufenden. Minütlich ploppen Nachrichten auf. Die ganze Woche über organisierte die Familie des Vermissten eine systematische Suche, erstellte Karten mit Routen für jeweils bis zu 20 Suchende. Praktisch Tag und Nacht sind Menschen auf der Suche nach Vitalij unterwegs. Manche nehmen von der Arbeit frei.

„Da lassen sich Menschen von wildfremden Leuten in Suchtrupps einteilen, schlüpfen in die Warnweste und ziehen mit der Taschenlampe los. Diese Anteilnahme ist doch einfach unglaublich", berichtet ein Freiwilliger aus Ihrlerstein. Eine Frau kam am Donnerstagabend mit ihrem Mann eigens aus Beratzhausen. „Wenn wir spazieren gehen, können wir das auch in Kelheim machen und die Augen aufhalten“, findet sie. Die Familie des Vermissten als auch die Polizei rufen auf, in Gartenlauben und möglichen Verstecken auf dem Grundstück nachzusehen.

Das sind seine Lieblingsplätze

Vor allem in der Bauersiedlung bis hin zu den Landshuter Werkstätten sei Vitalij Holstein häufig spazieren gewesen. Außerdem kenne er sich in der Altstadt und ums Einkaufszentrum sehr gut aus, hieß es. Eine Brille mit dicken Gläsern, eine schwarze Mütze, schwarze Fäustlinge und einen grau-schwarz gestreiften Schal trug der Vermisste zuletzt.

Bei der Polizei waren bis Freitag über 40 Hinweise eingegangen. „Alle Dienstgruppen sind angehalten, jedem Hinweis nachzugehen“, so Günther Tomaschko von der Pressestelle im Polizeipräsidium Niederbayern, „leider bisher ohne Erfolg“. Die Familie ist der Verzweiflung nahe. „Wir wissen nicht mehr weiter.“