Eilsbrunnerin sucht verzweifelt ihren Bruder aus Kelheim – Er könnte im Kreis Regensburg sein

Seit vier Tagen wird nun schon ein 39-Jähriger aus Kelheim vermisst. Seine Schwester Marina Witte wohnt in Eilsbrunn im Landkreis Regensburg. Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern appelliert sie weiter an alle Menschen, die möglicherweise einen Hinweis geben können, sich zu melden.
Der vermisste Vitalij Holstein ist geistig und körperlich behindert. Unter anderem leidet er an Autismus. Er lebt regulär in einer betreuten Wohngruppe in Reichenbach. Alle zwei Wochen besucht er aber seine Eltern zu Hause in Kelheim. Hier werden dann immer gemeinsame Spaziergänge unternommen. „Morgens und abends, immer auf derselben Strecke“, erzählt seine Schwester.
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Auch am vergangenen Samstag sei der 39-Jährige nun mit einem Familienangehörigen unterwegs gewesen – und in einem kurzen Moment ohne Blickkontakt verschwunden. Zuletzt gesehen wurde er im Bereich der Kreuzung Hallstattstraße und Kelheimwinzerstraße.

„Was passiert ist, ist völlig ungewöhnlich, weil er normalerweise auf der Strecke bleibt“, sagt Witte. Etwas müsse ihn abgelenkt haben. Sie könne aber natürlich auch nur spekulieren. Seit Samstag läuft die Suche auf Hochtouren. Am Sonntag wurde auch die Öffentlichkeit informiert.
Person von Überwachungskamera gefilmt
Auf einer Überwachungskamera eines Kelheimer Geschäfts ist kurz nach dem Verschwinden eine männliche Person auf der Straße zu sehen. „Ich bin mir sicher, dass er es ist“, sagt Witte. Dies wäre auch ein Indiz dafür, dass ihr Bruder nicht überfallen oder entführt wurde. „Und warum sollte das auch jemand tun, er hat ja auch keine Wertsachen dabei.“ Da ihr Bruder einen hohen Bewegungsdrang hat, könne er sehr weit gehen. Hier wären wohl Dutzende an Kilometern pro Tag möglich. Somit könnte er auch durchaus bis in den Landkreis Regensburg gelangt sein. Beim Marschieren halte er meist den Kopf gesenkt und achte wenig auf die Umwelt.
Sie spricht eine traurige Möglichkeit auch offen aus: Ein denkbares Szenario sei, dass ihr Bruder angefahren wurde. Er könne Gefahren im Straßenverkehr nämlich kaum realistisch einschätzen und sei zudem dunkel gekleidet. „Und außerdem hätte er ja andernfalls jemanden auffallen müssen, da er ständig in Bewegung ist.“
Marina Witte klingt am Telefon einigermaßen gefasst. Sie funktioniere derzeit halt einfach irgendwie, sagt sie. Die Suche müsse koordiniert werden. Es bleibe deswegen quasi überhaupt keine Zeit, um groß nachzudenken. Ihren Eltern gehe es derweil wie zu erwarten sehr schlecht. Zumindest sorge ihre kleine, dreijährige Tochter, auf die die Großeltern in diesen Tagen aufpassen, für etwas Ablenkung.
„Die Hoffnung schwindet langsam etwas“
„Man muss natürlich auch sagen: Die Hoffnung schwindet langsam etwas“, sagt sie. Vier Nächte ist ihr Bruder jetzt schon verschwunden. Er hat nichts zum Essen oder Trinken dabei. Auch keine Medikamente gegen die epileptischen Anfälle, an denen er leidet. Zuletzt gab es einen Hinweis, dass er möglicherweise bei Riedenburg gesehen wurde. Ein Großaufgebot, unter anderem mit Hubschraubern, suchte dann dort. Am Ende stellte sich aber heraus, dass die gesehene Person nicht Vitalij Holstein sondern ein Anwohner war.
Nach wie vor versucht die Familie aber alles. Unzählige Menschen hätten sich an der Suche auch schon beteiligt, sagt Witte. „Da sind wir unglaublich dankbar dafür.“ Tag für Tag werde der Kreis, der Menschen, die noch suchen könnten, aber jetzt wieder kleiner. Die Familie hat derweil noch in Eigeninitiative – aber mit der Polizei abgestimmt – ein Suchhunde-Team beauftragt. Dieses wird jetzt erneut vom letzten Ort, an dem Vitalij Holstein gesehen wurde, mit der Suche beginnen. „Aber uns ist natürlich bewusst, dass es nach mehreren Tagen schwierig sein kann, dass die Hunde eine Spur finden.“
Nach Angaben der Familie könne sich der Vermisste nur schwer verständigen und bleibe zu anderen Menschen auf Abstand. Als er zuletzt gesehen wurde, trug er eine schwarze Strickmütze, eine schwarze Daunenjacke mit Fellrand an der Kapuze sowie dunkle Jeans. Er ist gut 1,70 Meter groß, schlank und Brillenträger. Nach Angaben der Familie hält er den Kopf meist gesenkt und hat die Kapuze der Jacke oft übers Gesicht gezogen. Wer Hinweise geben kann, soll den Notruf 110 wählen oder sich an die Kelheimer Polizei unter der Telefonnummer 09441/50420 wenden.