Warum Maxi Pongratz zu Recht das Passauer Scharfrichterbeil 2025 gewonnen hat

Von Raimund Meisenberger · 5. Dezember 2025 um 13:45

Offen und substanziell Dinge zu benennen ist seine Spezialität: Maxi Pongratz (38) aus Oberammergau hat als Musiker das Passauer Scharfrichterbeil gewonnen. Zu Recht.

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Selbstverständlich kann Satire die Welt verändern – findet Walter Landshuter, Gründer der renommierten Passauer Kabarettbühne Scharfrichterhaus, die 2027 ihr 50. Jubiläum feiert. In Wackersdorf sei auch dank der Satiriker eine Wiederaufbereitungsanlage verhindert worden, in Passau habe das Scharfrichterhaus im Kleinen eine Stadt verändert.

„Wir träumen hier immer noch vom Kabarett, das einen Inhalt halt, und von Leuten, die was zu sagen haben.“ Um Mitternacht in der Nacht auf Donnerstag stand fest beim Wettbewerb ums Passauer Scharfrichterbeil: Landshuters Hoffnung ist nicht vergebens.

Moderierte den Abend: Matthias Egersdörfer. - Foto: Sebastian Ambrosius

Der Gewinner ist längst ein Star der Musikszene

Offen und substanziell Dinge zu benennen ist die Spezialität des Preisträgers 2025: Maxi Pongratz (38) aus Oberammergau ist in der unabhängigen bayerischen Musikszene längst ein Star. Zuletzt trat er mit seiner seit 2018 ruhenden Band Kofelgschroa beim Konzert der Hip-Hop-Band Dicht und Ergreifend vor 15.000 Menschen in der Münchner Olympiahalle auf, und im Januar erscheint bereits sein fünftes Soloalbum.

Der Liedermacher, Sänger und Texter, der sich selbst auf dem Akkordeon und auf der Gitarre begleitet, setzte sich im Finale im Passauer Scharfrichterhaus gegen vier weitere Kandidaten durch. Pongratz präsentierte Lieder wie den Titelsong seines 2022er Albums „Meine Ängste“ sowie den des kommenden Albums „rum und num“, sprach und sang über sich als Stotterer, über eine Schlafstörung, über die Liebe und über das Aufwachsen inmitten der Passionsspiele Oberammergau.

Authentisch, existenziell und poetisch in die Tiefe gehend

Der Gewinner zeigte sich nahbar, verletzlich und am Akkordeon wie in seinem Sprechgesang eigenwillig und hochmusikalisch. Die Jury lobte seinen Auftritt als authentisch, existenziell und poetisch in die Tiefe gehend. Pongratz biedere sich nicht an den Zeitgeist an – man könnte auch sagen, der Zeitgeist ist überhaupt nicht sein Thema.

„Ich bin a bissl sprachlos, es is a bissl a unangenehmes Gefühl“, sagte der Geehrte, der sich selbst als introvertiert beschreibt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Dass er überhaupt teilgenommen hat, ist auch dem sanften Druck seiner Künstleragentur zu veranken. Übrigens: Jury und Publikum waren sich einig: Auch die Zuschauer im Saal wählten Maxi Pongratz auf Platz eins.

Maxi Pongratz wechselt zwischen Akkordeon und Gitarre. - Foto: Sebastian Ambrosius

Manchmal geht es auch ohne viel Inhalt

Der zweite Platz ging an die in Berlin lebende Wienerin Annphie Fritz für ihr feministisch-gesellschaftspolitisches Kabarett. Mit der Professionalität der ausgebildeten Schauspielerin analysiert und kritisiert sie Rollenbilder, wobei das Publikum in Passau spürbar fremdelt bei Themen wie der Schlager-Nackt-Party im Schwulenclub in Berlin und bei in der jüngeren Generation üblichen Begriffen wie „Catcalling“ – das sexuell-anzügliche Hinterherrufen von Männern Frauen gegenüber.

Zweiter Platz: Meinungsstark und kämpferisch kritisiert Annphie Fritz gesellschaftliche Verhältnisse. - Foto:

Das drittplatzierte Clown-Duo Burloni riss den Saal zu Lachsalven hin etwa mit einem Krippenspiel mit Espressokannen – am Ende singt Maria Madonnas Hit „Like a Virgin“. Was zeigt: Manchmal macht es überhaupt nichts, wenn jemand nichts Wichtiges zu sagen hat. Solange es nur so lustig ist.

Dritter Platz: Das Duo Burloni mit Timm Schaller (links) und Valter Rado bringt ein Krippenspiel auf die Bühne. Rechts die heilige Famile und links die Könige in verschiedenen „Hauttönen“ in Form von Espressokochern. - Foto:

Nächstes Scharfrichterbeil am 23. Oktober 2026

Der Wettbewerb ist Thema auf Bayern 2 in den „Radiospitzen“ am Samstag, 6. Dezember, um 15 und 20 Uhr. Das Scharfrichterbeil 2026 wird am Mittwoch, 2.12.2026 zum 43. Mal verliehen, Bewerbungsschluss ist der 23. Oktober 2026.