Die Glücksrezeptur: „Charlie und die Schokoladenfabrik“ hat in Regensburg Premiere

Von Marianne Sperb · 3. Dezember 2025 um 17:08

Der Kinderbuchklassiker kommt erstmals auf Deutsch auf die Bühne, mit viel neuer Musik und ausgestattet mit allem Pipapo: ein Familienvergügen zum Mitfühlen und Mitfiebern.

Wahres Glück liegt nicht im Geld, nicht mal in Schokolade, sondern in den Menschen und den Erfahrungen, die man teilt: Die herzerwärmende Botschaft aus dem Kinderbuchklassiker von Roald Dahl von 1964 passt zur Weihnachtszeit wie der Bommel auf die Strickmütze und der Engel auf den Christbaum.

„Charlie und die Schokoladenfabrik“ machte Karriere beim Film (2005, mit Johnny Depp) und als Musical (2013 in London uraufgeführt). Jetzt schnappt sich das Theater Regensburg „Charlie“ als Familienmusical mit allem Pipapo: neuer Musik von Marc Shaiman, vielen Filmsongs und erstmals auf Deutsch. Aufgeboten wird ziemlich alles, was das Haus hergibt: 20 Solisten, darunter etliche Publikumslieblinge und Gäste, Philharmoniker und Cantemus- und Opernchor richten ein pralles Vergnügen zum Mitfiebern und Mitfühlen an, samt ohrwurmverdächtiger Songs und Tanz.

Felix Rabas als Charlie (links) und Tom Zahner als knorrig-lieber Opa Joe: Etliche Publikumslieblinge und eine Reihe von Gästen stehen beim Musical auf der Bühne. - Foto: Marie Liebig

Einen Eindruck vom wunderbaren Cast konnte man bei der Matinee im Neuhaussaal erleben. Wer sonst bitteschön als der zierliche, hellwache Felix Rabas mit der warmen Stimme sollte Klein-Charlie verkörpern, der in einer bitterarmen, aber herzensguten Familie lebt und so dringend in die sagenhafte Schokofabrik von Willy Wonka möchte? Den exzentrischen, aber auch verletzlichen Süßwarenhersteller spielt Alejandro Nicolás Firlei Fernández. Und Tom Zahner ächzte sich als knorrig-lieber, tattriger Opa Joe so erbarmungswürdig aus seinem Sessel, dass man den Impuls zügeln musste, auf die Bühne zu springen, um ihm aufzuhelfen.

Alle scharfen Kanten abgepolstert

Kristopher Kempf entwarf für Bühne und Kostüme zwei kontrastierende Welten: hier das Heim von Charly in Braun-Grau, vollgestopft mit Abgeliebtem und Ausgedientem, dort das knallbunte Schoko-Dorado in explodierenden Farben. Yvonne Braschke ersann für die Kinderfiguren typenspezifische Choreografien, für Augustus etwa, der so gern isst, Lederbux trägt und schuhplattelt, oder für Veruca mit dem vielsagenden Namen Snob, die auf Zehenspitzen ihrem Daddy auf der Nase herumtanzt. Lucia Birzer muss als musikalische Leiterin einen aufregenden Stilmix von schrill bis zart bändigen, der die Figuren charakterisiert, auch karikiert.

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Roald Dahl schrieb äußerst beliebte Kinderbücher, hatte aber auch einen bösen Humor am Leib, konnte eine rechte Giftspritze sein und provozierte mit antisemitischen Aussagen. An „Charlie“ wurden sadistische, kolonialistische und rassistische Züge kritisiert. Das Regensburger Team hat alle Kanten, an denen sich vor allem das junge Publikum verletzen könnte, abgepolstert und rund geschliffen, wird bei der Matinee deutlich. Die Umpa-Lumpas in der Fabrik etwa, bei Dahl ursprünglich versklavte Pygmäen, mutieren in Regensburg zu kleinen Robotern.

Die Kinder sind hier Antihelden, alle vermissen sie etwas Elementares. Regisseur Ulrich Wiggers legt Wert darauf, Ursachen zu ergründen und Defizite der Eltern frei zu legen. „Alle lernen etwas in dieser Geschichte, das ist mir wichtig“, sagt er. Er schätzt am Stoff die Mischung aus Musical-Magie und Menschlichkeit und die Botschaft: Halt an deinen Träumen fest!

„Charlie und die Schokoladenfabrik“ hat Premiere am 6. Dezember (18 Uhr) im Theater am Bismarckplatz in Regensburg.