Verlust eines Dorflebens: Ausstellung „50 Jahre Stausee Eixendorf“ eröffnet

Mit seiner Sonderausstellung „50 Jahre Eixendorfer Stausee“ hat das Schwarzachtaler Heimatmuseum einen wichtigen Abschnitt aus der jüngeren Geschichte der Pfalzgrafenstadt in den Fokus gerückt. Wie groß das Interesse an der Thematik ist, wurde an der Zahl der Teilnehmer bei der offiziellen Eröffnung vor Kurzem deutlich.
Stadtrat Walter Drexler (FW) als Anlieger und Zeitzeuge des Geschehens, trug einige Informationen und Anekdoten aus der, für die Bewohner des versunkenen Dorfes Eixendorf, schweren Zeiten vor. Zudem äußerte er eine Bitte an das Wasserwirtschaftsamt Weiden: „Wenn wir schon unsere Heimat aufgeben mussten, wünschen wir uns wenigstens einen sauberen Stausee.“
Bürgermeister Martin Birner (CSU) hatte keine leichte Aufgabe, da die Liste der namentlich zu begrüßenden Gäste sehr lang war. Am Beginn stellte er fest, dass der Stausee, seit einem halben Jahrhundert Teil der eigenen Geschichte sei. Darüber dürfe nicht vergessen werden, welch tiefen Einschnitt seine Entstehung für die Menschen vor Ort bedeutet habe. Ganze Dörfer, Höfe und Häuser mussten aufgegeben werden. Familien, die über Generationen an der Stelle verwurzelt waren, mussten ihre Heimat verlassen.
Ein letztes Mal umdrehen
Er versuchte die Gefühle jener nachzuempfinden, die den Schlüssel zum eigenen Haus ein letztes Mal umdrehen mussten, wohl wissend, dass sie diesen Ort nie wieder betreten würden. Andere blickten über die Felder, auf denen sie ihre Kindheit, Arbeit, Freude und Mühen erlebt hätten. Nur Erinnerungen blieben zurück auf einem Gebiet, das heute unter Wasser liege.
All jenen, die damit auch ein Stück eigener Identität verloren hätten, müsse heute tiefer Respekt und Anerkennung gelten. Die Opfer hätten jedoch den Weg für den Schutz der Region vor dem Hochwasser und einer Zukunft eröffnet, die ohne den Stausee nicht möglich gewesen wäre. Er habe die Stadt und die umliegenden Gemeinden vor großen Schäden bewahrt. Heute sei er zugleich ein Ort der Erholung und so ein Gewinn für den Tourismus.
Die Ausstellung lade dazu ein, alle Facetten des Stausees zu betrachten, sowohl die Erinnerung an die Menschen dort, als auch die technische Leistung für den Hochwasserschutz.
Johannes Steidl, der neue Leiter des Museums, erinnerte an die Gründe für den Bau als erstmals wirksames Instrument, das Hochwasser der Schwarzach zu regulieren und das Leben der Menschen flussabwärts nachhaltig sicherer zu machen. Nicht unerwähnt ließ er den Bau des Kraftwerkes, das Strom für rund 800 Haushalte liefere, vorbildlich aus heutiger Sicht.

Dem stellte er die menschliche und kulturhistorische Seite gegenüber. Aus dem Grund sei eine Ausstellung immer auch eine Erzählung über versunkene Orte des Lebens und der Arbeit. Daran solle mit den Fotografien und Relikten aus der Zeit erinnert werden. Besonderer Dank galt denen, die persönliche Erinnerungen und Objekte dazu zur Verfügung gestellt hätten. „Sie leisten einen Beitrag dazu, dass die Geschichte des alten Eixendorfes und Seebarnhammers und den Menschen von dort, nicht verloren geht“, sagte er.
An Kindheit erinnert
Christian Götz, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamts für den Landkreis, beleuchtete den Bau aus Sicht der Wasserwirtschaft und dem hinzugekommenen Aspekt der Freizeitgestaltung. Er ließ das Algenproblem nicht unerwähnt und hoffte, das mit dem Bau des Entnahmeturmes Abhilfe geschaffen werden könne. Für 2026 kündigte er eine Veranstaltungsreihe vor Ort an.

Walter Drexler erinnerte sich an seine Kindheit, insbesondere, wenn der Eisenbahnzug aus Rötz, mit Panzern beladen vorbeizog und „Menschen mit dunkler Hautfarbe uns Kaugummis zuwarfen“. Den schweren Unfall, bei dem ein Teil der Schalung für den Bau der Brücke in die Tiefe stürzte, habe er mit seiner Oma als Augenzeuge erlebt.
Zusammenfassend sah er den Verlust eines Dorflebens mit sehr großen Zusammenhalt, an dem manche auch zerbrochen seien. Die Ausstellung ist jeweils Sonntags, von 14 bis 17 Uhr, und nach Vereinbarung, geöffnet ebenso, wie zum Romantischen Burgadvent.