Aufs Dach der Oberpfalzhalle geklettert, um Sterne zu genießen: Drei Freunde müssen zahlen

Von Martin Kellermeier · 3. Dezember 2025 um 17:00

Wollten sie den Großen Wagen oder das Sternbild Kassiopeia sehen? Drei junge Männer fühlten sich im vergangenen Juni jedenfalls vom sternenklaren Nachthimmel magisch angezogen und kletterten aufs Dach der Oberpfalzhalle in Schwandorf. Doch aus besonderen Momenten in Dreisamkeit wurde nicht viel. Stattdessen holte die Drehleiter der Feuerwehr die Nachtschwärmer auf den Boden der Tatsachen zurück. Nun mussten sich die drei „Sterndeuter“ wegen Hausfriedensbruchs vor Gericht verantworten.

Die drei Burschen, die am Dienstagvormittag im Gang des Amtsgerichts auf ihren Prozess warten, ist die Sache sichtlich unangenehm. „Eigentlich wollten wir ja zu McDonald's. Aber der hatte, warum auch immer, schon zu“, sagt einer der drei Angeklagten im Gespräch mit der MZ. Dann geht die Tür zum Sitzungssaal drei auch schon auf.

Wenig später sitzen die Freunde wie Lämmer auf der Anklagebank. Einer vergisst, seine Cap abzunehmen. Amtsgerichtsdirektorin Michaela Frauendorfer korrigiert das schnell. Hat der junge Mann eine Kopfverletzung?, will sie wissen. „Ansonsten nimmt man bei Gericht die Mütze ab“, stellt sie fest.

Angeklagte hatten sich vor den Einsatzkräften versteckt

So schnell die Cap ab war, so schnell war auch die Anklageschrift verlesen. Staatsanwältin Nadine Sand legte den drei jungen Männern im Alter zwischen 19 und 20 Jahren zu Last, am 9. Juni gegen 1.30 Uhr auf das Dach der Oberpfalzhalle gestiegen zu sein und einen größeren Einsatz von Polizei und Feuerwehr ausgelöst zu haben. Die Einsatzkräfte hatten damals nach einem Zeugenhinweis das Flachdach abgesucht und die drei Kumpels schließlich liegend gefunden. Weil sie wohl schon mit Konsequenzen rechneten, hatten sie sich versteckt.

Wir haben in den Himmel geschaut und der sah so schön aus.Einer der Angeklagten

Nachdem sie mittels Drehleiter zurück auf den Boden befördert worden waren, hatten die drei Angeklagten schon damals gegenüber der Polizei reinen Tisch gemacht. Auch vor Gericht zeigten sie sich geständig und bereuten ihr Verhalten doch sehr. „Wir hatten keine bösen Absichten“, versicherte einer der jungen Männer. Und er ergänzte: „Wir haben in den Himmel geschaut und der sah so schön aus.“ Kurzerhand habe man gemeinsam den Entschluss gefasst, auf das Dach der Oberpfalzhalle zu steigen, um eine gute Sicht zu haben.

Mittels Stuhl und Box auf das Dach geklettert

Amtsgerichtsdirektorin Frauendorfer konnte sich bei der Schilderung ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Guter Gedanke, schlechte Ausführung“, resümierte sie. Die Richterin hakte nach, wie man denn überhaupt auf das Dach der Halle gekommen sei? Per Klimmzug? „Nein“, sagte einer der Angeklagten. Im Bereich der Terrasse sei man über eine Box und einen Stuhl auf das Flachdach gelangt.

Ihre offene und einsichtige Art bewahrte die jungen Männer, die alle einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, am Mittwoch vor einem Urteil. Amtsgerichtsdirektorin Frauendorfer kündigte an, das Verfahren gegen alle drei Angeklagten einzustellen, sobald diese jeweils eine Geldauflage zwischen 500 und 2000 Euro gezahlt haben. Ferner könnte auf die drei „Sterndeuter“, die außer einem noch gar nicht in Konflikt mit dem Gesetz geraten waren, noch eine Rechnung für den Feuerwehreinsatz zukommen.