BRK und Caritas schlagen Alarm: Oft landet im Kreis Kelheim nur noch Müll in Kleidercontainern

Von Sophie Knorr · 30. November 2025 um 19:00

Neue EU-Regelung, „Fast Fashion“, aber auch der „Faktor Mensch“ treiben die Sozialverbände in der Region um. Viele Bürger beschweren sich bei Caritas und Co. wegen extremer Vermüllung, manch Fahrer, der Container leeren soll, weigert sich.

„Katastrophe bei den Altkleidercontainern! Lasst uns auf unsere Orte achten“, schreibt eine Facebook-Nutzerin auf der Seite „Du bist Kelheimer, wenn...“. Sie teilte ein Foto, auf dem rings um zwei Container Altkleider auf dem Boden verteilt sind. Säcke sind aufgerissen, überall liegt Müll. Kein schöner Anblick.

Die extreme Vermüllung rund um Altkleidercontainer scheint mehr Regel als Ausnahme geworden zu sein.

So sieht es an vielen Standorten aus: vermüllter Altkleidercontainer in Bad Abbach - Foto: Markus Jakomet

Rebecca Geyer, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit von der Caritas Kelheim, und Tobias Eberl, Bereichsleiter des BRK im Landkreis Kelheim, sind sich einig: Die Gesetzeslage trägt Schuld an der Situation. Anfang des Jahres wurde die Entsorgung von Altkleidern im Hausmüll laut einer EU-Richtlinie vollständig verboten. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hielt eine Anpassung der Richtlinie für notwendig, sodass nun unbrauchbare Kleidung weiterhin im Hausmüll entsorgt werden darf.

Für die Allgemeinheit scheint jedoch offenbar unklar, was erlaubt ist.

„Das Gesetz ist für den Endverbraucher nicht durchdacht“, sagt Eberl. Man wisse einfach nicht, wohin mit der kaputten Kleidung. Mit dem Gesetz habe sich das Vermüllungsproblem deutlich verschlimmert.

„Es muss dringend ein Bewusstsein bei den Bürgern geschaffen werden, was zu tun ist“, plädiert auch Geyer.

Klarstellung ist notwendig

Eine Klarstellung sei wichtig, dass nur gut erhaltene Kleidung gespendet und kaputte Kleidung zuhause entsorgt werden solle.

„Man kann sich nicht vorstellen, was alles neben und in Altkleidercontainern zu finden ist. Es gibt nichts, was nicht in die Container eingeworfen wird“, so Eberl. Er habe unter anderem schon alte Küchenzeilen, Schränke oder Kinderwagen vorgefunden. „Wenn ich die Leute dann beim Abladen von Unrat erwische und damit konfrontiere, stoße ich meist auch noch auf Unverständnis“, sagt er. Die Entsorgungskosten müsse dann das BRK tragen.

Neben der Gesetzeslage sei auch das Konsumverhalten der Gesellschaft für die Problematik verantwortlich: Durch den Kauf von Fast Fashion – Kleidung, die in großen Mengen zu günstigen Preisen hergestellt wird – verkürze sich der Zyklus immer weiter, in dem Kleidung getragen wird. Dadurch entstehe eine ansteigende Kleidungs-Menge von minderer Qualität. Aus den Altkleidersäcken seien meist nur ein bis zwei Teile brauchbar, schildert Eberl.

„Die Qualität stimmt einfach nicht mehr“, sagt auch Geyer. Sogar für Verwertungsfirmen sei die Qualität nicht mehr ausreichend, um daraus Dämmmaterial oder Ähnliches herzustellen.

Drastische Vermüllung

„Der Kilopreis für die Abholung ist aufgrund der minderwertigen Qualität so stark gesunken, dass es sich kaum noch lohnt“, erklärt sie. Dadurch seien Altkleidercontainer kaum noch rentabel. Das Problem besteht jedoch nicht nur in Kelheim, sondern in ganz Deutschland. „Wegen der starken Vermüllung haben norddeutsche Städte wie Hannover die Kleidercontainer bereits komplett abgeschafft“, sagt Eberl.

Tobias Eberl (BRK) beklagt, dass nur noch wenige gebrauchte Kleidung brauchbar sind. - Foto: Sophie Knorr

Auch bei der Caritas ist das Vermüllungsproblem schon lange bekannt: „Immer wieder rufen uns Leute an und beschweren sich. Ich erhalte täglich etwa zwei bis drei Nachrichten zur Vermüllung“, sagt Geyer. Es wäre auch schon vorgekommen, dass sich ein Fahrer einer Verwertungsfirma weigerte, weiterhin die Kleidung an einem bestimmten Standort abzuholen. Die Vermüllung sei zu drastisch gewesen.

Auch Brandstiftung und Diebstahl habe es schon gegeben. „Eigentlich sollen die Container nur einem guten Zweck dienen. Es ist wirklich schade, was daraus geworden ist“, sagt Geyer.

Im Landkreis Kelheim gäbe es noch an 78 Standorten Container. Viele seien aber bereits abgeschafft worden. Keiner wolle den Müllberg mehr vor der Haustür haben. Die Kleidung wird aber nicht weniger: „Die Kleidermengen steigen jedes Jahr weiter an. Dieses Jahr wurden 178 Tonnen abgegeben. 2023 waren es 164 Tonnen“, erklärt Geyer. Somit müsse die gleiche Menge an Kleidung in weniger Containern untergebracht werden.

Geyer appelliert deshalb, sich eine Woche zu gedulden, wenn der Container voll ist. Jede Woche würden die Container geleert werden. Alternativ bestehe die Möglichkeit, Altkleider auf dem Wertstoffhof abzugeben.

Kaputtes kommt weiterhin in die Tonne

• EU: Seit 1. Januar 2025 gilt die Altkleiderrichtlinie. Sie verbietet die Entsorgung von Kleidung im Hausmüll.

• VKU: Die EU-Richtlinie führt in der Praxis zu Missverständnissen, sagt der Verband kommunaler Unternehmen. Kaputte, untragbare und verschmutzte Kleidung gehöre weiterhin in die Restmülltonne.