Störungsanfälliger Übergang bringt Klardorfer auf die Palme: „Fahren bestimmt nicht mehr Bahn!“

Von Martin Kellermeier · 26. November 2025 um 21:41

Nichts Neues im Schwandorfer Ortsteil Klardorf: Auch am Mittwochabend war der Bahnübergang wieder einmal gestört. Dorfbewohner fürchten um ihr Leben und sind auf 180. Sie fragen sich, wie lange das Theater noch gehen soll – und richten mehrere Forderungen an die Bahn. Das Unternehmen hat derweil gehandelt.

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Wie berichtet, lässt die Zuverlässigkeit des Bahnübergangs in Klardorf seit geraumer Zeit zu wünschen übrig. Immer wieder sorgen Störungen für Verkehrsbehinderungen auf Schiene und Straße. Der Fehler ist immer derselbe: Das Signal steht auf Dauerrot, während nur eine Fußgängerschranke geschlossen ist. Sobald sich ein Zug nähert, senken sich dann die restlichen Schranken. Die Bahn spricht stets von einer Störung des Schrankenantriebs.

Brandgefährlich: Weil die Störungen mittlerweile in Klardorf fast zur Tagesordnung gehören, ignorieren manche Autofahrer das Rotsignal. Ein Video vom Mittwochabend, das der MZ vorliegt, zeigt mehrere Autos, die trotz Rotlicht den Bahnübergang passieren. Der Bahnübergang ist wegen der Sperrung der Kreisstraße SAD 2 derzeit besonders stark frequentiert.

Auch am Mittwochabend war wieder der Schrankenantrieb der Auslöser für die Störung. Wie eine Bahn-Sprecherin mitteilte, sei die Störung etwa gegen 17.20 Uhr aufgetreten. Ein Techniker sei dann von 18 bis 18.40 Uhr vor Ort gewesen, um das Problem zu beheben. „Danach wurden keine Unregelmäßigkeiten des Bahnübergangs mehr gemeldet“, so die Sprecherin.

Am Donnerstag sei dann ein Antriebsmotor ausgetauscht worden. Auch zwei Schütze, die für die Steuerung des Antriebs zuständig sind, seien erneuert worden. „Unser Anlagen- und Instandhaltungsmanagement forciert die Erneuerung der Antriebe am Bahnübergang Klardorf mit dem Ziel, diese präventiv möglichst noch vor April 2026 sukzessive sämtlich auszutauschen“, teilte die Sprecherin weiter mit. Man gehe davon aus, „dass wir durch den Austausch der Antriebe und eine engmaschige Überwachung der Technik die Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Bahnübergangs sicherstellen“.

Im Störungsfall: Triebfahrzeugführer müssen akustisches Warnsignal abgeben

Der Bahnübergang in Klardorf ist laut Bahn auch im Störungsfall weiter gesichert. Die Triebfahrzeugführer würden sich dann nur mit besonderem Sicherungsauftrag nähern. „Sie halten vor dem Übergang, setzen ein akustisches Warnsignal ab und queren den Bahnübergang nur auf Sicht und in Schrittgeschwindigkeit“, teilte eine Bahnsprecherin dazu mit.

Die Bahn hat mich als Kunden gesehen.Dominik Schmid, Kommandant der FF Klardorf

Mehrere Klardorfer Bürger stimmen die Reparaturmaßnahmen der Bahn nicht zufrieden. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, stellte beispielsweise der örtliche Feuerwehrkommandant Dominik Schmid fest. Der Klardorfer ist alarmiert: „Das Sicherheitsgefühl aller, die den Bahnübergang überqueren, ist dahin. Das Vertrauen in die Deutsche Bahn ist ebenfalls dahin.“ Er selbst würde nicht mehr auf die Idee kommen, in einen Zug zu steigen. Schmid: „Die Bahn hat mich als Kunden gesehen.“

Weil es seit 20 Jahren immer wieder Probleme mit dem Bahnübergang gebe, komme nun nur noch ein Neubau „mit funktionierender Technik“ in Frage. „Und bis gebaut wird, muss dieser Bahnübergang mit einem Sicherungsposten besetzt sein“, konstatierte Schmid. Nur so könnten die Ängste der Bürger genommen werden.

Klardorfs Pfarrer spricht von Lebensgefahr am Bahnübergang

Dass den Klardorfern nicht mehr wohl ist, zeigen weitere Reaktionen. So kommentierte beispielsweise der örtliche Pfarrer Markus Meier, als er von der erneuten Störung erfuhr: „Lebensgefahr! Politik und Deutsche Bahn, Hilfe!“. Ähnlich äußerte sich Florian Mulzer, als er am Bahnübergang auf den MZ-Reporter trifft. „Man hat kein gutes Gefühl mehr. Das ist eine Gefahrenstelle geworden, das ist brutal“, sagte er. Und auch Marco Scheibinger zeigte sich beunruhigt. „Manche Bürger legen jetzt aus Angst vor dem Bahnübergang eine Vollbremsung hin. Das ist gefährlich und kann zu Auffahrunfällen führen“, lautete seine Beobachtung.

Funktioniert er, oder nicht? Der Bahnübergang in Klardorf bei Schwandorf ist weiter störungsanfällig. - Foto: Johannes Hartl, Archiv

Thomas Schmid, der Bruder des Feuerwehrkommandanten, fasste zusammen: „Die Klardorfer sind alle nicht mehr damit einverstanden, wie die Politik und die Deutsche Bahn das hier handhaben. Das sind Hinhaltetaktiken.“ Er sieht einen Zusammenhang zwischen der erst kürzlich abgeschlossenen Erneuerung der Bahnstrecke Schwandorf-Regensburg und den Störungen am örtlichen Bahnübergang. „Seitdem läuft es nicht rund“, beobachtete der Klardorfer. Die Bahn widerspricht dem. „Wir sehen keinen Zusammenhang der Störungen mit der Sanierung Regenburg-Schwandorf. Es handelt sich um Störungen der Antriebe“, so eine Sprecherin.

Auch Schwandorfs Oberbürgermeister ist genervt

Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) hatte sich bereits vor Wochen an die Bahn gewandt und die zuverlässige Beseitigung der Probleme gefordert. Am Mittwochabend stand er kurz nach der erneuten Störung mit mehreren Klardorfern zusammen und konnte ebenso nur noch mit dem Kopf schütteln. „Das ist schon mehr als lästig. Wir können es nur alle miteinander probieren“, sagte Feller.

Auch die parlamentarische Staatssekretärin und Schwandorfer Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) hat sich des Themas unlängst angenommen. Sie hat bereits bei der Störung am Dienstag das Gespräch mit dem bayerischen Bahn-Chef gesucht. Nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen bei der DB InfraGO wurden die Reparaturen veranlasst. Nach der erneuten Störung am Mittwochabend wurde Englhardt-Kopf erneut aktiv und drängte nochmals auf eine schnelle Reparatur. Zwischenzeitlich hat die Bahn mit dem Tausch eines Antriebsmotors Tatsachen geschaffen.