Kreismusikschule Cham: Warum mehr Geld nicht automatisch mehr Schüler bedeutet

Es war der letzte Antrag unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“, der dem Kreistag Cham seine Grenzen aufzeigte. Die Grenzen zwischen Wollen und Können. Die Frage: Wie viele Musikschüler verträgt der Kreishaushalt?
MdL Julian Preidl (FW) hatte in dem Antrag eine ausreichende Finanzierung der Landkreismusikschule gefordert. „Wir wollen alle, dass jedes Kind ein Musikinstrument lernen kann“, so Löffler. 1200 bis 1400 Musikschülern werde das alljährlich ermöglicht. 2025 werde man 750 000 Euro auf die Musikschule draufzahlen.
Der Landkreis zahlt freiwillig
„Das ist eine freiwillige Aufgabe, zu der wir verpflichtet sind. Da muss die Frage erlaubt sein, wie weit wir uns das leisten können“, stellte Löffler klar. 15 Schüler seien derzeit auf der Warteliste und sollen 2026 drankommen, so der Landrat.
Im Rahmen des Haushaltes müsse debattiert werden, ob man die Schüler noch unterbringe. „Wir hecheln hinter unseren Pflichtaufgaben her und können nicht immer und immer wieder draufzahlen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Ausgaben steigen und die Einnahmen bröckeln.“ Für die Bildung sei an sich der Freistaat Bayern zuständig.
Wo soll das Geld eingespart werden?
MdL Preidl argumentierte, dass 15,4 Millionen Euro vom Freistaat für Hochkultur bezahlt bezahlt würden. „Ein Prozent würde den Musikschulen schon helfen.“ Preidöl schulg vor, lieber eine Buslinie einzusparen, iauf der der Busfahrer heiße Luft befördert. „Die sind schon alle weg“, konterte Löffler.
Musikschule, so der Landrat, sei eine freiwillige Leistung. Er sei aber gegen ein Streichkonzert auf diesem Sektor. Er verwies auf den hohen Altersdurchschnitt zum Beispiel bei den Blaskapellen. Und an Bildung habe der Landkreis Cham noch nie gespart. „Machen Sie konstruktive Vorschläge für den Kreishaushalt“, lud er Preidl ein.
Hopp: „Die Haushalts steigen“
MdL Dr. Gerhard Hopp (CSU) stellte fest, er sehe keine Streichungen, sondern nur Erhöhungen der Haushalte. Man müsse den Menschen ehrlich sagen, welche Erwartungen der Staat oder der Landkreis schultern könne, und wann Erhöhungen nicht mehr das Mittel der Wahl seien. Der Haushalt der Musikschulen sei auf 16 Millionen Euro erhöht worden. Angesichts steigender Personalkosten und Inflation sei es aber fraglich, ob die Förderung deswegen bei Schülern und Eltern ankomme.
Kreisrätin Karin Bucher (FW) verwies auf die kostenlose Ausbildung in den verschiedenen Blasorchestern. Preidl erklärte: Erhöhungen seien erst Erhöhungen, wenn sie bei den Menschen ankämen. Das sei bei der Musikschule eben nicht der Fall. Landrat Franz Löffler erklärte dazu, dass er die Äußerungen von Preidls Landtagskollegen Hopp genau so verstanden habe.
Kommentar
von Johannes Schiedermeier
Beim Geld spielt die Musik
Es war Zufall, dass der Misston gerade bei der Musikschule erklungen ist. Es hätte auch andere Bereiche treffen können, wo derzeit im Landkreis beim Geld die Musik spielt.: Nahverkehr, Soziales, Kreisumlage...
Und das ist nur das Vorspiel: Die finanziellen Saiten sind zum Reißen gespannt. Der Landkreis versucht, aus der Not eine Tugend zu machen, und weiter in etlichen Bereichen die erste Geige zu spielen. Doch es fällt auf, dass der letzte Ton bei den Streichern verschiedenster Bereiche noch nicht verklungen ist, da liegen schon neue Partituren auf dem Tisch.
Von 22 000 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren können in der Musikschule alljährlich bis zu 1400 ein Instrument lernen. 750 000 Euro bezahlt der Landreis dafür als freiwillige Leistung. Mehr Beitrag zu den Bildungspflichten des Freistaates wäre aber angesichts der finanziellen Sachlage wohl ein Wunschkonzert. Die richtige Tonlage zu treffen bleibt die Kunst. Und da gilt: Die Musikschule muss schon angesichts ihrer positiven und präventiven gesellschaftlichen Auswirkungen beim Streichkonzert ganz hinten stehen.