Landkreis Neumarkt gibt 2026 zwei Millionen Euro mehr für die Jugend aus

Von Dagmar Fuhrmann · 25. November 2025 um 09:54

Die Kosten des Landkreises für die Jugendhilfe sind für das kommende Jahr mit 14,3 Millionen Euro angesetzt. Das sind rund zwei Millionen Euro mehr als für das Jahr 2025. Jugendamtsleiter Andre Schilay erläuterte in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses, welche Bereiche besonders kostenintensiv sind.

Die höchste Steigerung gibt es laut Schilay für das Netzwerk der frühen Kindheit. Hier werde eine Steigerung von 430.000 Euro auf 1,043 Millionen Euro erwartet. Heimerziehung sei hingegen weniger oft nötig als in der Vergangenheit. Die Kosten hierfür seien in andere Positionen verlagert.

„Wir haben nicht mehr, aber schwierigere Kinder, die Hilfen für sie sind teurer“, sagte Schilay. Als Beispiel nannte er Schulbegleitung. „Hierfür gibt es Anträge ohne Ende“, stellte er fest. Etwa 15 Prozent der ambulanten Hilfen werden „unplanmäßig beendet“, was bedeutet, dass die Klienten die Einrichtung verlassen oder Eltern ihre Kinder wieder nach Hause holen.

Landrat Willibald Gailler sagte, dass im Durchschnitt 460 Euro für jeden jungen Menschen unter 21 Jahren ausgegeben werde. „Das ist ein beträchtlicher Teil unserer Ausgaben, auch wenn wir im Vergleich zu anderen Landkreis weniger ausgeben.“

Drei Beispiele aus dem Alltag im Landkreis Neumarkt

Wofür das Geld ausgegeben wird schilderten Ute Beer, sie ist die Leiterin des Sozialdienstes, und Heike Schmidt-Neumeyer, Leiterin der Jugendhilfestation Neumarkt der Rummelsberger Diakonie anhand dreier anonymisierter Fallbeispiele.

Im ersten ging es um eine Familie mit drei kleinen Kindern, deren Mutter an Schizophrenie erkrankt ist. Beer und Schmidt-Neumeyer berichteten, dass sie ein Netzwerk aufgebaut hätten und so gewährleisteten, dass die Kinder begleitet wurden. Im zweiten Fall wurde ein Erziehungsbeistand angeordnet, um einem Mädchen zu helfen, das an Magersucht litt. „Sie brauchte eine Ansprechpartnerin und jemanden zur Klärung der Perspektive.“ Im dritten Fall wurde deutlich, wie eine Mutter-Kind-Wohngruppe zwei kleinen Jungen und ihrer alleinerziehenden Mutter helfen konnte.

Verfahrenslotsen der Jugendhilfe beraten

30 Einzelfallberatungen leisteten die Verfahrenslotsen des Kreisjugendamts seit Mai 2025. Stephanie Schütz-Schneider trug vor, dass es sich zumeist um einmalige Kontakte handelte, bei denen die Möglichkeiten der Eingliederungshilfe aufgezeigt wurde oder die Hilfesuchenden zu weiteren Ansprechpartnern weiter geleitet wurden. Bei mehr als der Hälfte aller Anfragen fand laut Bericht der Erstkontakt über eine Fachkraft statt, die durch das Kreisjugendamt in der Familie zur Unterstützung eingesetzt werden.

Auch Jugendsozialarbeiter an Schulen hätten sich an Verfahrenslotsen gewandt. In den Beratungen gehe es zumeist um die Themen Schulwahl und Schulbegleitung, Hilfen für junge Erwachsene und Möglichkeiten des Wohnens.

Um das Beratungsangebot der Verfahrenslotsen noch bekannter zu machen, will man künftig verstärkt an die Öffentlichkeit gehen. Da hier noch eine Gesetzeslücke bestehe, müsse man auf eine konkrete Gesetzesgrundlage warten, erklärte Schütz-Schneider.