Zwei Elektronik-Unternehmen des Landkreises Cham wachsen zusammen

Von Martin Hladik · 24. November 2025 um 19:00

Als „historischen Moment“ bezeichnet Landrat Franz Löffler den am Montag öffentlich gemachten Inhaberwechsel bei der Firma Stoll electronic.

Das Elektronikunternehmen in Ast mit rund 90 Beschäftigten war seit 2020 bei der Karl Mayer Gruppe. Deren Anteile hat jetzt Klaus Fischer mit seiner Holding übernommen. Bekannt ist Fischer als Chef des Unternehmens Elotec in Furth im Wald. Die bisherige Stoll electronic wird ab Januar als Eloware Produktions GmbH firmieren und ein selbstständiges Unternehmen bleiben, erklärte Fischer. Künftige gemeinsame Geschäftsführer sind der bisherige Stoll electronic-Geschäftsführer Christoph Zistler und Klaus Fischer.

Auf Wachstumskurs

Fischer machte deutlich, dass die beiden Firmen gut zueinanderpassten. Ein wichtiger Grund sei gewesen, dass Elotec in Furth an seine Kapazitätsgrenzen bei der Produktion stoße und wachsen müsse. Deswegen habe man die Chance, Stoll electronic zu erwerben, genutzt. Beide Firmen würden künftig unabhängig voneinander arbeiten. Ein Produkt, das Elotec gut brauchen könne, seien beispielsweise die Kabelbäume, die Stoll herstelle. Aber ansonsten würden die Firmen unabhängig voneinander um Kunden werben. Auch von der Philosophie der Mitarbeiter passten beide Unternehmen gut zusammen, sagte Fischer. So gut, dass einer seiner Lieferanten zu ihm gesagt habe: „Das passt wie Arsch auf Eimer!“

Christoph Zistler machte deutlich, warum das Unternehmen, das er leitet, auf dem Markt war. Dazu lohnt ein Blick in die Firmengeschichte. Denn einer der Gründungsgesellschafter der Stoll electronic war die Strickmaschinengesellschaft Stoll in Reutlingen. Deswegen war ein Teil des Geschäftes in Ast seit der Gründung 1979 die Herstellung von Kabelbäumen für diese (Industrie-)Strickmaschinen. 2020 wurde Stoll insgesamt und damit auch der Betrieb in Ast Teil der Karl Mayer Group. Und diese Gruppe im Textilmaschinenbau stellt sich gerade neu auf, sagte Zistler. So wurde der Stoll-Mutterbetrieb in Reutlingen, laut Zistler, Ende Oktober geschlossen. Auf der Firmenhomepage heißt es dazu: „Im Zuge dieser strategischen Neuausrichtung wird das Flachstrickmaschinengeschäft unter der Marke Stoll eingestellt.“ Damit passte der Elektronikzulieferer in Ast auch nicht mehr zum Unternehmen und stand zum Verkauf.

Für Landrat Löffler ist der Zusammenschluss beider Unternehmen, der Elotec und der Eloware Produktionsgesellschaft, ein Zeichen für den wirtschaftlichen Erfolg des Landkreises. Der Betrieb in Ast sei 1975 gegründet worden. Ein wichtiger Grund für die Standortentscheidung sei damals „die Qualität der Mitarbeiter“ gewesen. Das sei ein Glücksfall für die Region gewesen. So habe man die leerstehende Schule in Ast mit neuem Leben füllen können. Das Unternehmen sei gewachsen und mehrfach erweitert worden. Es habe gezeigt, dass es auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig ist.

Da der Produktionsschwerpunkt „Strickmaschinen“ aber zu einseitig war, habe man den Bereich EMS (Bestückung von Leiterplatten) ausgebaut. Mit der Übernahme durch Mayer sei deutlich geworden, dass der Bereich Strickmaschinen weiter rückläufig sei und der Betrieb in Ast zu verkaufen sein werde.

Löffler machte deutlich, dass er es sehr zu schätzen gewusst habe, dass hier eine Übergangszeit möglich war. „So konnten wir Brücken bauen!“, sagte Löffler und nannte dabei namentlich Wirtschaftsreferent Klaus Schedlbauer.

Ebenso ein Gewächs der Region sei die Elotec. Die sei 1996 als Zwei-Mann-Unternehmen im Gründerzentrum Furth im Wald gestartet. Mittlerweile hat das Unternehmen rund 240 Mitarbeiter. Löffler zeigte seine Bewunderung für den Firmengründer Franz Fischer, der mit über 50 Jahren ein neues Unternehmen aufgebaut habe. „Das begeistert mich bis heute!“ Auch dass sein Sohn das Unternehmen jetzt im Sinne des Vaters weiterführe, „hat dem Landkreis gut getan“. Zwei solche Firmen „suchen sich beinahe“ und deswegen übernehme Elotec jetzt Stoll electronic.

Für Löffler ein Zeichen, dass die Firmen im Landkreis „trotz aller geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, sich sehr erfolgreich dagegen stemmen können.“ Bei diesem Erfolg spielten auch Voraussetzungen wie die Berufsschule, der Campus und die funktionierende digitale Infrastruktur eine Rolle.

Erleichterung und Freude

Mit „großer Erleichterung und Freude“ habe die Stadt Waldmünchen die Entwicklung zur Kenntnis genommen, sagte Bürgermeister Markus Ackermann. Zum einen blieben die Arbeitsplätze und damit die Attraktivität der Region erhalten. Es freue ihn, dass damit zwei Unternehmen „wie Zahnräder“ ineinander greifen und dabei beide dennoch selbstständig bleiben.