Gscheidhaferl bringt seit zehn Jahren eigene Kaffee-Kultur nach Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 25. November 2025 um 05:00

Mit 31 Jahren sitzt Matthias Wutz in der Galerie der gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin Manuela Wühr in Bad Kötzting (Landkreis Cham). Der Ingenieur brütet über der Frage: Wie brüht man den perfekten Kaffee, und auch: Wie wird er geröstet? Diese Szene ist schon zehn Jahre her. Verändert hat sich seitdem, dass die beiden mittlerweile verheiratet sind und dass sie vom Verkauf des eigenen Kaffees leben können. Die Frage nach der Perfektion, die bleibt aber.

Gescheidhaferl heißt die Rösterei, die in der Ludwigstraße untergebracht ist. Noch bekannter dürfte das Ladengeschäft in der Herrenstraße direkt gegenüber des Rathauses sein. Die Geschichte, wie er selbst zum Kaffeerösten und es anschließend zur Gewerbeanmeldung gekommen ist, die hat Matthias Wutz wohl schon Hunderte Mal erzählt in den vergangenen Jahren. Die Kurzversion ist, dass er den industriell hergestellten Kaffee einfach nicht mehr vertragen hat und die nächsten kleinen Röster in Regenburg oder Zwiesel ihren Sitz hatten. Also, selber machen.

Am Anfang stand die Analyse

Als „Mann der Zahlen“, der sich in seinem Job im Vertrieb im Sondermaschinenbau auch nicht die nächsten Jahrzehnte gesehen hatte, begann er schnell zu rechnen. Wenn die bundesweite Statistik nicht völlig am Landkreis Cham vorbeiging, dann läge der jährliche Bedarf pro Einwohner bei acht Kilogramm Kaffee.

„Was wäre, wenn das Gscheidhaferl nur ein Prozent Marktanteil erreichen würde?“, habe seine Frage gelautet. Dann könnte das Geschäft mit dem Kaffee den Lebensunterhalt sichern. Das Wagnis sei also schon ein Stück weit berechnet gewesen, und die Rechnung ist aufgegangen.

Viele Herausforderungen

Aber natürlich ist auch das Leben eines Kaffeerösters nicht ganz so exakt zu berechnen wie der Bau eines Getriebes. Nach den guten Anfangsjahren, der Eröffnung des eigenen Ladens und dem Kauf von immer wieder größeren Röstern, kam das, was wohl alle Jungunternehmer aus der Bahn geworfen hat: Die Corona-Krise ab März 2020. „Ich dachte schon, jetzt ist alles aus“, erinnert sich Wutz. Doch was am Umsatz im Laden fehlte, das habe der Online-Handel übernommen, und 2021 steht sogar heute noch als umsatzstärkstes Jahr in den Geschäftsbüchern der Rösterei.

Seit 2016 wird in Bad Kötzting geröstet. - Foto: Tamara Fouquet

Was ihm – und auch anderen Kaffeeröstern – in den vergangenen Jahren mehr Kopfzerbrechen bereitet habe, das seien die steigenden Rohstoffpreise gewesen. Nicht etwa, weil er den Plantagen und deren Mitarbeitern die steigenden Einnahmen nicht gönnen würde, ganz im Gegenteil. Über die Jahre haben er und auch seine Mitarbeiter immer wieder „Ursprungsreisen“ gemacht und sich vor Ort umgesehen. Nur, würden die Kunden die steigenden Kosten auch mitgehen? „Wobei wir immer offen kommuniziert haben, wie sich die Preise entwickelt haben“, sagt Wutz – und die Kunden haben das offensichtlich verstanden.

Manuela Wühr und Matthias Wutz haben den Kaffee nach Bad Kötzting gebracht. - Foto: Tamara Fouquet

Was auch nach zehn Jahren noch gleich bleibt, ist, dass es kein eigenes Café gibt. Gerne beliefert Wutz die Gastronomen der Umgebung mit seinen Röstungen, aber selbst ein Café zu führen, „das stellen sich viele romantischer vor als es ist“, sagt er. Auch sei das Ziel immer gewesen, langsam zu wachsen und die Freude am Rösten und allem, was sonst damit zu tun hat, nicht zu verlieren.

Noch heute sind Wutz und Wühr ihr eigener Vertrieb, wer im Laden arbeitet, dem liegt das Produkt Kaffee ebenso sehr am Herzen wie dem Röster selbst. Dennoch ist auch das Gscheidhaferl natürlich immer wieder auf der Suche danach, wie neue Kunden angesprochen werden können. Aktuell gibt es die Tüten mit dem Bohnen-Glühbirnen-Logo etwa vermehrt auch in Supermärkten zu sehen.

Noch heute wird täglich am Produkt Kaffee gefeilt. - Foto: Tamara Fouquet

Klimawandel und die gleichzeitig steigende Nachfrage nach dem Rohstoff werden nach Wutz’ Einschätzung weiterhin große Herausforderungen bleiben. Dafür seien in den vergangenen Jahren (abgesehen von Regensburg) auch keine weiteren neuen Röstereien in der Umgebung mehr entstanden.

Der Traum, vom Kaffee leben zu können, hat sich erfüllt - Foto: Tamara Fouquet

Und die Marktanalyse vor zehn Jahren in der heimischen Wohnung? Die ist aufgegangen, zumindest, wenn die Röstmaschine nicht zu groß ist. Bei zehn Tonnen läge der rechnerische Wert, und über dem liege das Gescheidhaferl darüber, sagt Wutz nicht ohne Stolz.