Aus der Hölle von Mauthausen führt eine Spur nach Regensburg

In dem österreichischen KZ waren bis zu 7200 spanische Männer und Frauen in Haft, nur etwa 2000 überlebten. An der Universität befasst sich jetzt ein Projekt mit den verfolgten Rot-Spaniern. Auch zu Regensburg gibt es einen Bezug.
Die Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung für die NS-Verbrechen ist in den vergangenen Jahrzehnten auf verschiedenen Ebenen vorangekommen. Ablesen lässt sich das in Literatur und Kunst, bei öffentlichen Gedenkveranstaltungen und auch in teils erbittert geführten gesellschaftlichen Diskursen.
Aufgearbeitet im Sinn eines Häkchens, das man darunter setzt, wird das grausame Kapitel deutscher Geschichte niemals sein. Zu den diffus ausgeleuchteten Ecken gehört ein häufig geringes Wissen um Personengruppen, die wie Juden und andere Gruppen von den Nationalsozialisten entmenschlicht und massenweise umgebracht worden sind.
Jetzt ist in der Zentralbibliothek der Universität Regensburg eine Ausstellung zu sehen, die sich mit den sogenannten Rot-Spaniern beschäftigt, die im KZ Mauthausen-Gusen eingesperrt waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Bildtafeln und Texte geben Einblick ins Zusammenleben mit anderen Häftlingen. Im spanischen Bürgerkrieg waren sie vor Francos Schergen nach Frankreich geflüchtet, wo sie oft gegen die deutsche Wehrmacht kämpften. Nach der Besetzung wurden sie verhaftet, von Franco dem Hitler-Regime überlassen und überwiegend ins größte KZ Österreichs gebracht. Bis zu 7200 spanische Männer und Frauen waren hier in Gefangenschaft, nur etwas mehr als 2000 überlebten.
Das Schicksal vom Onkel von Pedro Alvarez
Später gingen viele Ex-Häftlinge erneut nach Frankreich ins Exil. In ihrer faschistisch regierten Heimat gab es für sie keinen Platz. Eine Spur von diesen exilierten Überlebenden führt ins heutige Regensburg: zu Pedro Alvarez, bis vor kurzem Dozent an der Uni und Gründer des Cinescultura-Festivals, das die Ausstellung mit organisiert, und seinem Onkel. Der konnte erst nach Francos Tod wieder in sein Geburtsland reisen und die Familie wiedersehen. Der Onkel, verheiratet mit einer Französin, starb 2011, ohne je über die Jahre im KZ und innere wie äußere Verwundungen erzählt zu haben.
„Mauthausen – Memorias compartidas / Shared Memories“ wurde von der spanischen Botschaft in Wien zum 79. Jahrestag der Befreiung organisiert und in einer Baracke des ehemaligen Lagers eröffnet. Um die Schau in Regensburg zu zeigen, kooperierten das Forschungszentrum Spanien, das Centro Espanol Ingolstadt und andere Institutionen. Unterstützt und präsentiert wird die Schau mit einer Reihe von Organisationen, darunter die spanische Botschaft und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Am Rahmenprogramm mit einer Lesung und Filmvorführungen beteiligen sich auch die Stadt und die Audi AG.
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In der Uni-Zentralbibliothek findet am Dienstag (17 Uhr) eine Buchpräsentation mit Lesung statt. Ausschnitte aus „Y Los Campos se Quedaron sin Flores“ (Keine Blumen auf den Feldern) lesen der Autor Unai Eguia und ein Übersetzer auf Deutsch. Der historische Roman behandelt auch den Tod des Spaniers Enric Moner, dessen Identität ein falscher Überlebender namens Enric Marco annahm und missbrauchte, um der Präsident von Amicale de Mauthausen zu werden, der spanischen Organisation von KZ-Überlebenden. Diese Geschichte, die europaweit Wellen schlug, behandelt auch der Film „Marco“, der am Dienstag (18 Uhr) in der Filmgalerie Leerer Beutel läuft. Ein Gespräch mit Professor Jörg Skriebeleit von der Gedenkstätte Flossenbürg schließt sich an, an. Die Doku „Popel / Cenizas / Ashes“ ist am 26. November (18 Uhr) zu sehen. Regisseur Oier Plaza und Autor Unai Eguia sind für ein Gespräch anwesend. Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.
Die Ausstellung in der Zentralbibliothek der Uni Regensburg läuft bis 20. Dezember.