Adventsmärkte im Landkreis Kelheim: Zwischen Absperrpollern und Zivilfahndern

Denken mag keiner dran, aber die Sicherheit bei Menschenansammlungen ist nach Anschlägen ein brisantes Thema. Im Landkreis Kelheim nahen die Adventsmärkte. Veranstalter treffen teils neue Vorkehrungen, die Polizei hat auch andere Strafttaten am Radar.
Allein bis zu 300.000 Besucher wird die Kuchlbauer Turmweihnacht ab 26. November 2025 anziehen, schätzt Brauerei-Chef Jakob Horsch. „Die Sicherheitsfrage beschäftigt mich sehr“, sagt er unserer Zeitung. Nach Anschlägen, unter anderem in Magdeburg, „haben wir die Zahl der Security-Kräfte dauerhaft erhöht“.
Seit Jahren schon werden laut Horsch an den Zufahrten zum Kunsthaus bzw. Parkplatz Poller eingesetzt, der Hundertwasserturm ist ohnehin von einer Mauer umsäumt. „Wir haben einiges Geld in die Hand genommen, um etwas zu tun.“ Ein „mulmiges Gefühl“ bleibt beim Kuchlbauer-Inhaber dennoch. „Man wird nie alles ausschließen können.“ Die vorweihnachtliche Stimmung lasse sich aber niemand vermiesen, ist sein Eindruck.
Mobile Sperren in Kelheim für 140.000 Euro
In der Kreisstadt Kelheim öffnet der Christkindlmarkt am 5. Dezember seine Pforten. „Wir haben heuer mobile Zufahrtssperren angeschafft, die um den Ludwigsplatz aufgestellt werden“, erklärt Fabian Gruner, Leiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Rathaus. Die zehn aufklappbaren Metallkonstruktionen kosteten 140.000 Euro. Beim Kreisstadtfest und beim Race24 waren sie schon aufgebaut.
Die Reaktionen seien positiv gewesen. „Ich habe von einigen Seiten gehört, dass sie die Absperrungen gut finden“, so Gruner. Freilich sei die Anschaffung teuer gewesen, „aber Sicherheit lässt sich nicht mit Geld aufwiegen“. Durch den Verleih der Sperren an andere Gemeinden oder Veranstalter würden Gebühren eingenommen. Auch Gruner findet, dass die Bürger trotz aller Debatten die Adventszeit genießen.

Den Reigen der Budenzauber im Landkreis leitet am Donnerstag (20. November) der Adventsmarkt im Klosterbiergarten Biburg ein. „Unsere Größenordnung ist überschaubar“, sagt Martin Radspieler, der Betreiber der Gastwirtschaft. Ginge es nach der Sicherheit von Menschenmengen, „hätten wir eigentlich schon bei den vielen Gäste zur Biergartenzeit ein Problem“.
Auch die Polizeiinspektionen Kelheim und Mainburg haben die Adventsmärkte im Blick. „Eine hundertprozentige Sicherheit vor Straftaten lässt sich nie garantieren“, sagt Sprecher Steffen Heppenheimer. Es gebe aber „überhaupt keinen Grund, Christkindlmärkte in Bayern aus Sicherheitssorgen zu meiden. Bayern ist das mit Abstand sicherste Bundesland.“ Wichtig für Besucher sei, sich an Regeln zu halten, beispielsweise an das neue Messerverbot.
Rohr wappnet sich erstmals
Auf ein „bewährtes Sicherheitskonzept“ vertraut Neustadt a. d. Donau beim Andreasmarkt (22./23. November), erklärt Stadtsprecherin Monika Hummel. „Wie im vergangenen Jahr gehören dazu unter anderem Betonblöcke mit Ketten als Fahrzeugsperren und ein Security-Dienst.“ Bislang sei bei keiner Veranstaltung ein Rückgang der Besucherzahlen festgestellt worden.
In Rohr in Niederbayern werden beim Christkindlmarkt (14. Dezember) erstmals „mobile Fahrzeugsperren“ eingesetzt, sagt Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer. „Wichtig ist, eine Balance zu finden: Sicherheit auf der einen Seite und auf der anderen Seite Brauchtum ohne große Einschränkungen.“ Der Förderverein für Brauchtum und Kulturpflege als Veranstalter hofft die Mehrkosten durch viele Besucher ausgleichen zu können, so dessen Vereinsvorsitzende Steinsdorfer.
Abbachs Bürgermeister spricht mit Innenministerium
Der Weihnachtsmarkt im Bad Abbacher Kurpark wird durch seine Lage abgeschirmt. „Dieser Bereich ist nicht ohne weiteres anfahrbar, weshalb wir weiterhin davon ausgehen, dass keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen erforderlich sind“, antwortet Bürgermeister Benedikt Grünewald auf Anfrage. Dennoch führte er jüngst ein Gespräch mit dem Bayerischen Innenministerium. „Dort wurde mir bestätigt, dass nicht alle Veranstaltungen in gleicher, umfassender Weise geschützt werden sollen und können und auch nicht geschützt werden müssen.“ Die Vorfreude auf den Budenzauber sei ungetrübt.
Polizeikommissar Heppenheimer legt Besuchern von Christkindlmärkten auch grundsätzliche Sicherheitstipps nahe. Dazu gehöre, es Taschendieben so schwer wie nur möglich zu machen. „Gerade in größerem Gedränge können Diebe auf der Opfersuche sein.“ Selbstverständlich habe die Polizei auch das vor allem mit Zivilfahndern im Blick, „kann aber nicht überall gleichzeitig präsent sein“.
Auftakt und Überblick
Beginn: Der Adventsmarkt im Klosterbiergarten Biburg (20. bis 23.11.), der Christkönigsmarkt im Schloss Offenstetten (21./22.11.) und der Weihnachtsmarkt in Neustadt (22./ 23.11.) stehen am Anfang.
Budenzauber: Insgesamt 22 Weihnachtsmärkte finden heuer im Landkreis Kelheim statt. Ihrlerstein setzt einen Wintermarkt (17.1.) drauf. Eine Übersicht finden Sie hier.