Sparsame Kunden, schwierige Personalsuche: Huhnholz aus Saal will zwei Filialen schließen

Von Martina Hutzler · 17. November 2025 um 14:45

Die Saaler Textilpflege-Firma Huhnholz will ihre Filialen in Kelheim und Abensberg (Landkreis Kelheim) schließen: eine Folge von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und personellen Trends. An einem der betroffenen Standorte gibt es aber noch Hoffnung.

Video ansehen

In mittlerweile dritter Generation führt Alexander Huhnholz den gleichnamigen Textilpflege-Betrieb, der seinen Stammsitz im Saaler Gewerbegebiet Donaufeld hat. Nun wird er wohl sein Filialnetz von fünf auf drei ausdünnen; drei Beschäftigte wären davon betroffen.

Schon besiegelt ist das Aus für den Standort in der Kelheimer Schäfflerstraße, wo Huhnholz schweren Herzens seinen Mietvertrag bei 2-Rad Jessen gekündigt hat: Am 12. Dezember wird hier Schluss sein. Bereits der 28. November ist der letzte Tag der Abensberger Dependance in der Weinbergerstraße – eigentlich. Hier gibt es vielleicht doch noch eine Zukunftsoption, hofft Alexander Huhnholz.

Erhalten bleiben, neben dem Stammsitz in Saal, die Filiale in Mainburg beim Edeka und vor allem die beiden im Regensburger „Speckgürtel“: beim V-Markt in Pentling und im Alex-Center im Stadtnorden. Nicht ohne Grund läuft hier das Geschäft besser.

Gelockerte Dresscodes

„Schauen Sie sich mal um: Wer braucht heute noch Kleidung, die man in die Reinigung gibt?!“, nennt der Textilreinigungsmeister einen Grund, warum die Stückzahlen seit Jahren sinken – nicht nur in seinem Betrieb, sondern branchenweit.

Seit Jahren, besonders seit Corona, haben viele Unternehmen, etwa im Finanz- und Dienstleistungssektor, ihren Dresscode gelockert und bestehen beispielsweise bei männlichen Mitarbeitern nicht mehr auf Hemd und Anzug. „Bei Hemden und Hosen haben die Auftragszahlen nur noch etwa ein Drittel vom früheren Niveau.“ Noch am besten ist es in und um Großstädte wie Regensburg, wo nicht zuletzt viele Firmenzentralen sitzen.

Geld- und Zeitersparnis sind weitere Gründe, warum Firmen auf Textilreinigung zunehmend verzichten, beobachtet Alexander Huhnholz, der als Obermeister der Textilreiniger-Innung Niederbayern-Oberpfalz die ostbayerische Lage gut überblickt. Als ein Beispiel nennt er die Gastronomie.

Feine weiße Tischdecken und Stuhl-Hussen waren früher unverzichtbar für Hochzeiten, Firmen-Feste und Co.. Heute ist all das längst nicht mehr üblich. „Wir haben zudem etliche Groß-Aufträge der Industrie verloren“: Um zu sparen, lassen Firmen die Arbeitskleidung ihrer Beschäftigten nicht mehr reinigen, sondern stellen dem Personal bloß noch eine Waschmaschine im Betrieb zur Verfügung. Ähnliches beobachtet Huhnholz bei Behörden und sogar Feuerwehren.

Mietwäsche würde boomen

Manch anderer bisheriger Auftraggeber stellt um auf Mietwäsche. „Dieser Markt boomt“ und wäre auch für den Saaler Textilpflege-Betrieb ein interessantes Geschäftsfeld. Aber es sei eben hart umkämpft sowie mit hohen Vorab-Investitionen verbunden, samt hohem Ausfallrisiko, falls ein Kunde insolvent geht. Und das Investitionsklima war in der Branche schon mal besser…

Der Anstieg des Mindestlohns – von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 zum 1. Januar und auf 14,60 Euro zum 1.1.2027 – sei ein großes Problem, schildert Alexander Huhnholz: Lege man dies auf die Kunden um, sinke sofort die Zahl der Aufträge und damit der Umsatz. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es unrentabel wird.“

Zumal es schwierig sei, überhaupt motiviertes Personal zu finden. Hohe Fluktuation, die nicht zuletzt auch zu überdurchschnittlich vielen Reklamationen führte, waren gerade auch am Standort Kelheim ein Grund mehr für den Geschäftsführer, nun aufzuhören. „Wir bündeln in Saal unsere Fachkompetenz“, für die langjährige Beschäftigte sowie eine Betriebsleiterin und eine angestellte Meisterin sorgen.

Hoffnung für Abensberg

In der Kreisstadt und auch in Abensberg versucht Alexander Huhnholz unterdessen nach wie vor, zumindest eine Annahmestelle einzurichten, wie es sie an etwa zwei Dutzend anderen Standorten schon gibt. In Abensberg führt er nach eigenen Angaben aber immer noch Gespräche, um vielleicht doch noch eine eigene Filiale zu erhalten.

Langfristig indes werde sich das Netz der Betriebsstandorte landesweit ausdünnen, so der Obermeister der Innung, die in Ostbayern gerade mal noch 15 Betriebe vertritt. „Der Trend geht aktuell dahin, dass es nur noch in den Ballungsräumen Regensburg und München Textilreinigungen gibt, und dazwischen: nichts mehr“.

Hürden für Azubis

Textilreiniger/in ist ein dreijähriger Ausbildungsberuf. Problematisch für ostbayerische Betriebe: Die nächstgelegene Berufsschule, an der Azubis den Blockunterricht absolvieren können, befindet sich in Frankfurt/Main. Kein Wunder, dass in ganz Bayern nur noch ein Betrieb in größerem Stil ausbildet, berichtet Alexander Huhnholz – und dieser Betrieb suche Azubis mittlerweile auch in Vietnam.