Nach der Schließung der Kulturfabrik: Vereine in Berching brauchen Geduld

Wegen Sicherheitsmängeln ist das Gebäude der Kulturfabrik in Berching (Landkreis Neumarkt) seit gut zwei Wochen gesperrt. Bis die Stadt die Probleme in den Griff bekommt, dauert es noch, vermutet die Verwaltung selbst. Dennoch gibt es Lichtblicke für Berchinger.
Gut zweieinhalb Wochen ist es her, dass die Stadt die Kulturfabrik für Gruppen und Vereine gesperrt hat. Es bestehe „Gefahr für Leib und Leben“, weil es Probleme mit der Stromverteilung gebe. Ein Experte soll nach Lösungen suchen. Doch dafür gibt es noch nicht einmal einen Termin.
Leidtragende sind die Gruppen, die das alte Gebäude als Treffpunkt, Lager oder Probenraum nutzen, wie zum Beispiel Jugendliche. „Es ist sehr schlecht, dass der Jugendtreff nun zu ist, weil ich dort mit Freunden gerne Billard spiele“, sagt eine 14-Jährige, die quasi Stammgast im Jugendtreff ist. Ein-, zweimal die Woche trifft sie sich dort mit Jugendlichen – sofern das Gebäude nicht gesperrt ist.

Und nun? „Jetzt treffen wir uns entweder davor oder bei jemandem zuhause“, sagt die 14-Jährige. Beide Optionen sind nicht optimal, gerade nicht in der kalten Jahreszeit. Und unter Aufsicht von Eltern wollen Jugendliche in diesem Alter auch nicht unbedingt sein.
Stadtbühne Berching führt „Wunschpunsch“ auf
Die Jugendlichen werden ebenso kreativ wie die Stadtbühne Berching und das Symphonische Blasorchester Berching (SBO). Die gute Nachricht: Sowohl die Laienschauspieler als auch die Hobbymusiker können ihre Auftritte wie geplant stattfinden lassen.
Die Stadtbühne feiert am Samstag mit dem Stück „Wunschpunsch“ Premiere. Regisseurin Lena Wölki hatte zunächst Bedenken, ob der erste Auftritt überhaupt stattfinden kann, nachdem die Stadt über die Schließung der Kulturfabrik informiert hatte. „Im ersten Moment habe ich gedacht, dass das schwieriger wird, aber die Stadt war sehr kooperativ“, sagt Wölki.
Theaterpremiere und Adventskonzerte finden statt
Die Schauspieler konnten die Schranne und die Kulturhalle nutzen. „Wir sind super dankbar, dass die Stadt das möglich gemacht hat und uns sehr entgegengekommen ist“, so Wölki.
Auch das SBO hat Unterschlupf gefunden, um für die anstehenden Konzerte zu proben. „Die Adventsserenaden können stattfinden“, sagt Vorsitzende Carolin Luber.
Statt in der Kulturfabrik proben die Musiker übergangsweise im Haus der Musik in Breitenbrunn. Dieses Gebäude nutzt die Blaskapelle Breitenbrunn. Vor den Konzerten dürfen die Berchinger Musiker in diesem Raum auch proben. Zudem übt das SBO in einer Halle einer Berchinger Firma.
Symphonisches Blasorechester Berching gibt Konzerte
„Das sind aber nur vorübergehende Lösungen“, sagt Luber, die dafür sehr dankbar ist. So können die Adventsserenaden am Samstag, 6. Dezember, um 19 Uhr in der Klosterkirche Plankstetten und am Sonntag, 14. Dezember, um 15 Uhr in der Lorenzkirche in Berching über die Bühne gehen.
Wie es mit der Kulturfabrik weitergeht, weiß Luber allerdings nicht. Und auch die Stadtverwaltung ist nach eigenen Angaben nicht viel weiter gekommen. „Es gibt derzeit noch keine weiteren Erkenntnisse“, teilt sie auf Nachfrage unserer Zeitung mit.
Zur Erinnerung: Nachdem ein Nutzer der Stadt einen Defekt bei der Beleuchtung in der Kulturfabrik rückgemeldet hatte, wurde die Stromverteilung in Augenschein genommen.
Dabei sei festgestellt worden, dass die Stromverteilung ohne Absicherung durch Fehlerstromschutzschalter aufgebaut ist. Bei den regelmäßigen TÜV-Prüfungen (alle vier, fünf Jahre) sei dieses Manko allerdings nicht festgestellt worden.
Kurzfristig ist mit keiner Öffnung zu rechnen.Stadt Berching
Fehlt der Fehlerstromschutzschalter, fließt der Strom bei einem defekten Gerät/Kabel oder einer beschädigten Leitung nicht sicher zur Erde ab. Wenn eine Person dann das kaputte Teil berührt, kann lebensgefährlicher Strom durch den Körper fließen. Deshalb habe eine Firma von „Lebensgefahr“ gesprochen, wie die Stadt Ende Oktober mitgeteilt hat. Man wolle einen Termin mit einem Prüfer finden.

Dies gestaltet sich aber zäh: Der Kontakt mit dem sachverständigen Prüfer sei zwar hergestellt, aber die Terminfindung mit dem Prüfer, der die Prüfungen bis dato immer durchgeführt habe, „ist dieses Jahr schwer bis kaum möglich“, schreibt die Stadt. Sie arbeite an einer anderen Lösung, um gegebenenfalls früher weitere Erkenntnisse zu gewinnen und darauf aufbauend die nächsten Schritte zu planen.
Wenn die Kulturfabrik dauerhaft wegfällt, sieht es für alle Nutzer ganz düster aus.Lena Wölki (Stadtbühne Berching)
Doch was heißt das konkret für die Nutzer? „Kurzfristig ist mit keiner Öffnung zu rechnen“, schreibt die Stadt. Es hänge zudem davon ab, welchen Aufwand und welche Kosten eine noch zu definierende Maßnahme verursache, um die Kulturfabrik wieder in Betrieb zu nehmen.
Wie es mit dem alten Gebäude weitergeht, ist also unklar. „Wenn die Kulturfabrik dauerhaft wegfällt, sieht es für alle Nutzer ganz düster aus“, sagt Regisseurin Lena Wölki.