Christian Schindler ist zu ganzen 100 Prozent Landratskandidat der Freien Wähler

Von Mittelbayerische Zeitung · 16. November 2025 um 14:49

„Ich will, dass unser Landkreis Cham zeigt, wie moderne Politik aussehen kann“, sagte Christian Schindler in seiner Antrittsrede, nachdem er bei der Nominierungsversammlung der zwei Frei-Wähler-Kreisverbände Freie Wähler Bayern, Kreisvereinigung Cham, und Freie Wähler (FW) Kreisverband Cham am Freitagabend im Chamer Kinocenter als Kandidat für das Amt des Landrats im Landkreis Cham vorgeschlagen worden war. „Wir hören zu, wir packen an – wir reden nicht nur“, sagte er. Seine Unterstützer honorierten sein Auftreten mit einer hundertprozentigen Nominierung.

Gut gefüllt war der Kinosaal acht der Cine-World Cham, als Freie-Wähler Kreisvorsitzender Christian Schindler unter den Mitgliedern und Anhängern besonders Ex-Landtagsabgeordneter Karl Vetter und Landtagsabgeordneten Julian Preidl, aber auch eine ganze Reihe Bürgermeister und -Kandidaten sowie Ehrenkreisvorsitzenden Hans Kraus und Ehrenmitglied Paul Schrauf begrüßte. Auch der Vorsitzende der Jungen Freien Wähler, Josef Schmaderer, war gekommen.

Schulen als Thema

Als möglicher Landratskandidat wurde allein Christian Schindler vorgeschlagen, der von sich zur Vorstellung seiner Person ein kurzes Video abspielen ließ. Wobei er betonte: „I bin koa Schauspieler, des kann i net.“ Er erzählte in seinem adventlich geschmückten Wohnzimmer, dass er mit seiner Frau Laura ein Haus renoviert habe, in dem sie nun lebten. Er sei zur Verwaltungsfachkraft ausgebildet worden, habe nach der Beschäftigung im Chamer Rathaus im vergangenen Jahr als neue Herausforderung und zur persönlichen Weiterentwicklung eine Stelle am Landratsamt Regensburg als Leiter der Verkehrsabteilung angenommen. Trotzdem sei er im Herzen immer ein Chamer und dem Landkreis Cham verbunden.

Ein guter Landrat könne seiner Meinung nach nur jemand werden, der die Abläufe in einem Rathaus kenne, aber auch die in einem Landratsamt. Für den Landkreis Cham sehe er die Aufgabe, die Ganztagsbetreuung an den Schulen, die ja gesetzlich eingeführt werden müsse, zu stärken, indem noch mehr Vereine mit eingebunden würden.

Die könnten so auch Nachwuchs für sich gewinnen, andererseits würden sie wichtige Impulse aus der Gesellschaft einbringen. Wichtig dafür sei eine weitere Dreifachturnhalle im Landkreis, meinte Schindler, denn die freien Hallenzeiten seien für die Nachfrage zu gering.

Das Landratsamt ist kein reiner Regulator, sondern ein Dienstleister für die Bürger.Christian Schindler über sein Verständnis der Verwaltung

Schon als Jugendlicher habe er sich sein eigenes Geld verdient: Erst beim Zeitungsaustragen, später als Barkeeper. Daher wisse er um die Probleme der Gastronomie, da müsse der Landkreis unterstützend tätig werden, indem die Sperrzeiten flexibler gestaltet würden.

„Wer mich kennt, der weiß: Ich bin aus dem Landkreis Cham nicht wegzubekommen“, leitete Christian Schindler seine offizielle Bewerbungsrede ein. Man müsse hier nicht weit reisen, um etwas zu erleben. Dies belegte er mit kulturellen Höhepunkten im Landkreis wie den Festspielen, aber auch Orten wie dem Konzerthaus Blaibach. Diese Hotspots seien vor allem dem Engagement der Bürger zu verdanken, die ehrenamtlich oder politisch den Landkreis gestalteten. „Gemeinsam können wir noch so viel mehr. Denn gemeinsam sind wir besser!“, zeigt sich Schindler optimistisch.

Er wolle ein Landrat für alle sein, der zuhöre und dann anpacke. „Denn nur wer zuhört, kann verstehen. Und nur wer versteht, kann gestalten“, hat der Kandidat eingesehen. Eine seiner Herzensangelegenheiten sei die Inklusion. In Gesprächen mit Eltern sei die Idee eines Inklusionsspielplatzes entstanden: „Mehr als ein Spielplatz, das ist gelebte Gemeinschaft, das ist Integration.“ Die Integration wolle er auch durch die Kooperation von Vereinen mit den Schulen fördern, die dort Werte, Zusammenhalt und Verantwortung vermitteln könnten.

I bin koa Schauspieler, des kann i net.Christian Schinderl über seine Einstellung zum Am als Landrat

„Das Landratsamt ist kein reiner Regulator, sondern ein Dienstleister für die Bürger“, weiß Schindler und fordert daher noch mehr Bürgernähe. Etwa bei der Müllumladestation in Wackerling, die meist nur während der Arbeitszeit geöffnet ist, und nur an gerade mal sieben Samstagen im Jahr. Mehr Flexibilität wäre hier „Dienst am Bürger“.

Im Landkreis Cham würden immer mehr aus dem Ausland stammende Menschen arbeiten und studieren. Gerade die Studenten sollten zum Teil hier bleiben und helfen, den Landkreis in die Zukunft zu führen. Aber dafür brauche es geeigneten Wohnraum, etwa im frei werdenden Gebäude der ehemaligen Gerhardinger-Realschule. Auch als Wohnraum für Pflegekräfte oder als Kultur- und Begegnungsstätte könne er sich die Räume vorstellen.

Der Landkreis müsse die vorhandenen Mittel gezielt einsetzen und auch Projekte überprüfen. Beispiel Rufbus: Der sei eine eigentlich „super Idee“, werde aber zu wenig genutzt, und sei daher auf Dauer zu teuer. Auf Hauptrouten könnte der Bus aber weiter sinnvoll sein. Um den ÖPNV trotzdem weiter zu stärken, sehe er in einem Beitritt zum Regensburger Verkehrsverbund, wie es der Landkreis Schwandorf plant, eine Option. Gerade weil es immer weniger Busfahrer gebe.

Denn nur wer zuhört, kann verstehen. Und nur wer versteht, kann gestalten.Christian Schindler über Zusammenarbeit

„Klimaschutz ja, aber mit den Bürgerinnen und Bürgern, nicht über ihre Köpfe hinweg“, sprach Schindler ein weiteres Thema an. Gerade bei der Windkraft sei da wohl etwas falsch gelaufen. Eine „offene Diskussion, ehrliche Information und echte Beteiligung“ forderte er daher. Der Landkreis solle die öffentlichen Parkplätze mit PV-Anlagen versehen und so mit gutem Beispiel vorangehen. So könne Solarstrom erzeugt werden, „wenn er gebraucht wird ... untertags, mit hohem Eigenverbrauch in den Behörden“.

Technik soll entlasten

Im Landratsamt solle moderne Technik die Mitarbeitenden entlasten. Möglich seien etwa Chatbots bei der Zulassung oder im Baurecht, die die allgemeinen Fragen der Bürger am Telefon beantworten. Dann seien die Angestellten frei für den persönlichen Kontakt und die individuelle Beratung. „Wir haben den Anschluss an die Weltspitze verloren“, findet Christian Schindler mit Blick auf die Wirtschaft. Doch könne der Aufschwung mit weniger Bürokratie, gerade auf dem Bausektor, und auch mit weiteren Gewerbeflächen gelingen. Start-ups und digitale Dörfer sehe er als Zukunftschance für den Landkreis.

Langanhaltenden Applaus bekam Christian Schindler für seine Rede. Und wurde prompt mit 100 Prozent Zustimmung als Landratskandidat der Freien Wähler von seinen Anhängern in schriftlicher Abstimmung gewählt. (chi)