Jagdschloss-Brand bei Donaustauf: Polizei schließt einen Anschlag aus

Es war ein unglücklicher Unfall, kein Anschlag der Antifa: Der Brand des historischen Jagdschlosses der Familie Thurn und Taxis in der Nacht von 5. auf 6. Oktober geht auf einen technischen Defekt zurück. Das bestätigte jetzt die Kriminalpolizei Regensburg.
Erleichterung beim Golf- und Landclub, aber auch im Fürstenhaus: Der Brand des historischen Jagdschlosses zwischen Donaustauf und Altenthann im Landkreis Regensburg war nicht Folge eines Anschlags. „Die Kriminalpolizei hat uns heute informiert: Es besteht kein Verdacht mehr auf Brandstiftung, es wurden keine Brandbeschleuniger gefunden. Alle an der Brandstelle entnommenen Inhaltsproben waren negativ“, teilte der Golfclub am Donnerstag mit.
Verdacht erhärtete sich nicht
Das bestätigte die Kriminalpolizei wenig später in einer Pressemitteilung. „Es gibt nach aktuellem Stand der Ermittlungen keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung“, teilte Polizeisprecherin Melanie Bäumler mit. Vor wenigen Wochen hatte das noch anders geklungen: Damals hatten sich im Verlauf der Untersuchungen Hinweise ergeben, die unter anderem auch eine vorsätzliche Verursachung des Feuers als möglich erscheinen ließen. Neben den Brandspezialisten der Kriminalpolizei Regensburg wurde auch das Bayerische Landeskriminalamt in die Ermittlungen miteingebunden.
Nach Auskunft der Sprecherin haben die Analyse der Proben und des Spurenmaterials den Verdacht auf eine vorsätzliche Brandstiftung nicht erhärtet. Die Ermittlungen bezüglich einer fahrlässigen Brandstiftung oder eines technischen Defekts dauern jedoch weiter an. Derzeit werden unter anderem auch Hinweise aus Zeugenvernehmungen überprüft.
Kein Zusammenhang mit Bekennerschreiben
Nach ersten Erkenntnissen der Kripo gibt es bislang keinen Zusammenhang zu dem Bekennerschreiben, das am 9. Oktober veröffentlicht worden war. In einem Beitrag auf einem Internetportal hatte sich eine anonyme und nach eigenen Angaben antifaschistische Gruppe dazu bekannt , das Feuer in dem Jagdschloss gelegt zu haben. Die Polizei zweifelte von Anfang an an der Echtheit des Schreibens. Diese Zweifel haben sich jetzt bestätigt. Dennoch werde auch hier weiter ermittelt, wer das Schreiben verfasst hat.
Bereits im Oktober hatte sich ein Feuerwehrmann, der vor Ort war und den Brand zusammen mit den vielen weiteren Helfern zu löschen versuchte, gegenüber der MZ geäußert. Er sagte, für ihn sei ein technischer Defekt wahrscheinlicher als eine Brandstiftung. Dies hat sich nun bewahrheitet.
Orban spricht von Anschlag der Antifa
Seit dem Brand kam es zu Spekulationen vor allem in rechtsgerichteten Internet-Blogs. Doch sogar der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hatte ein Bekennerschreiben kommentiert, das auf einer linksextremen Plattform veröffentlicht wurde. In dem war die Rede von einem Anschlag der Antifa. Orban tat so, als würde das zutreffen, obwohl die Polizei von Anfang an betonte, in alle Richtungen zu ermitteln.
„Wir stehen an der Seite von Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis. Ihr historisches Jagdschloss wurde tragischerweise von der Antifa am 6. Oktober zerstört, nachdem in dem Gebäude Feuer gelegt wurde“, hatte der ungarische Staatschef behauptet. Das ist nun widerlegt: „Somit schenkt die Polizei auch den angeblichen Bekennerschreiben keinen Glauben“, teilt der Golfclub mit.
So geht es jetzt beim Golfclub weiter
Beim Golfclub im Thiergarten herrscht große Erleichterung: „Damit ist die Untersuchung abgeschlossen und wir können die Gespräche mit der Versicherung forcieren“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. Derzeit mache man sich mit Experten und Mitgliedern Gedanken über eine Übergangslösung. Noch vor Weihnachten soll es eine außerordentliche Mitgliederversammlung geben.
Bis zum Saisonstart im Frühjahr soll es eine Lösung unter anderem bezüglich Gastronomie und Umkleiden geben. Unmittelbar nach dem Brand hatte der Vorstand schon eine Containerlösung ins Auge gefasst, wollte dazu aber erst Gespräche mit dem Haus Thurn und Taxis abwarten. Wichtig sei es, möglichst keine Mitglieder wegen der Brandkatastrophe zu verlieren.
Viele Solidaritätskundgebungen mit dem Fürstenhaus
Bislang gibt es noch keine Stellungnahme des Fürstenhauses. Früher hatte Gloria von Thurn und Taxis sich zu Victor Orbans Post geäußert. „Ich habe Solidaritätsbekundungen aus aller Herren Länder erhalten“, sagte Gloria von Thurn und Taxis auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Sie vermutet, dass auch internationale Medien über den Brand berichteten. Sie sagt aber auch: „Ich bin mit dem Unglück nicht hausieren gegangen.“