Nicht nur KI: Infineon setzt auch auf zweite Technologie, die die Welt verändern könnte

Infineon hat ein schwieriges Geschäftsjahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang abgeschlossen. Für die Zukunft setzt der Konzern aber auf starke Wachstumsimpulse durch Künstliche Intelligenz – und blickt gleichzeitig schon auf die laut Vorstandschef Jochen Hanebeck „nächste disruptive Technologie“. Anteil an der Entwicklung von Produkten für beide Bereiche hat auch der Standort Regensburg.
KI sei eine von zwei Schlüsseltechnologien der Zukunft, sagte Hanebeck bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens am Mittwoch am Firmensitz in Neubiberg im Kreis München. Als zweite bahnbrechende Neuerung nannte er Quantencomputing. Der Begriff beschreibt eine neue Art des Rechnens, bei der Informationen nicht in klassischen Bits, sondern in Quantenbits verarbeitet werden. Diese können mehrere Zustände gleichzeitig annehmen – dadurch sind extrem schnelle und komplexe Berechnungen möglich.
Infineon beliefert bereits jetzt Unternehmen, die Quantencomputer entwickeln – unter anderem mit Prozessoren. Die Technologie sei „keine ferne Vision mehr“, sondern „rücke in greifbare Nähe“, sagte Hanebeck am Freitag. Auch der Standort Regensburg hat daran offenbar seinen Anteil: Dort gebe es ein großes Zentrum für Prototypenbau, teilte das Unternehmen am Mittwoch auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. „Dieser spielt für die Entwicklung von Quantencomputern eine Rolle.“
Stromversorgung für KI-Rechenzentren: Infineon will Umsatz verdoppeln
Bis die schnellen Rechner Alltag werden, dauert es aber wohl noch eine ganze Weile. Längst zur Realität im Leben vieler geworden ist hingegen das Thema Künstliche Intelligenz. Generative KI – bekanntestes Beispiel ist wohl das Sprachmodell ChatGPT – sei dabei aber nur der Anfang, so der Infineon-Chef. Es gebe schließlich auch die sogenannte agentive KI, die nicht nur Inhalte erzeugen oder analysieren, sondern eigenständig Aufgaben übernehmen und Entscheidungen treffen kann – etwa Produktionsprozesse steuern oder Geräte vernetzen. Noch weiter geht die physische KI. Sie verleiht Maschinen und Robotern eine Art Körper, sodass sie nicht nur denken, sondern auch handeln können – etwa in Fabriken, Fahrzeugen oder in der Pflege.
Für all das brauche es „enorme Rechenleistung“, erklärte Hanebeck. Infineon rechne deshalb „mit einer deutlich anziehenden Nachfrage“ im eigenen Geschäft mit Stromversogungslösungen für Rechenzentren. Im Geschäftsjahr 2025, das im September endete, hat der Bereich mehr als 700 Millionen Euro zum Umsatz des Konzerns beigetragen. Ursprünglich hatte Infineon geplant, dass dieser Wert 2026 auf eine Milliarde Euro anwachsen wird. Nun erwarte man sogar 1,5 Milliarden Euro, verkündete Hanebeck am Mittwoch.
Seinen Teil dazu beitragen wird dem Unternehmen zufolge auch das Regensburger Werk. Entwicklungsingenieurinnen und -ingenieure sind dort der Sprecherin zufolge im Bereich der Gehäuseentwicklung und somit in der Vormontage für entsprechende KI-Produkte tätig.
2800 Mitarbeiter im Regensburger Infineon-Werk: Stellenabbau läuft
Insgesamt erzielte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 14,7 Milliarden Euro – ein Minus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unter dem Strich blieb Infineon davon ein Nettogewinn von etwa einer Milliarde Euro übrig. Damit verdiente der Konzern etwa 22 Prozent weniger als im Vorjahr.
Hanebeck sprach angesichts der „anhaltenden Schwäche in einer Mehrzahl der Zielmärkte“ des Unternehmens dennoch von einem „respektablen Ergebnis“.
Schlecht lief es vor allem im Geschäft mit Halbleitern für erneuerbare Energien, aber auch der größte und lange Zeit starke Bereich Automotive schwächelte – hier bekommt Infineon die Krise der Automobilindustrie zu spüren. Zudem drückte der schwache Dollar auf die Geschäfte.
Aktuell läuft bei dem Unternehmen noch das Effizienz- und Sparprogramm „Step up“, das auch mit einem Stellenabbau einhergegangen ist. Unter anderem wurde im Mai 2024 angekündigt, dass in Regensburg eine mittlere dreistellige Zahl an Jobs wegfallen werde. Daran habe sich nichts verändert, heißt es vom Unternehmen. Der laut der Sprecherin sozialverträgliche Stellenabbau laufe aktuell. Man stehe in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat. Aktuell sind demnach 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Regensburger Infineon-Werk beschäftigt.