Mehr als 100 Stellen stehen im Feuer: Benteler in Schwandorf plant Personalabbau

Hiobsbotschaft für hunderte Mitarbeiter am Benteler-Standort in Schwandorf: Der Autozulieferer will zeitnah bis zu 122 Stellen abbauen, am kommenden Montag soll weiter verhandelt werden. Im Werk an der Bellstraße ist derweil die Frustration groß.
Eine E-Mail des Betriebsrats an das Benteler-Team in Schwandorf, die auch der MZ-Redaktion zugespielt wurde, macht die prekäre Situation deutlich. Die Geschäftsführung will demnach künftig auf 122 Mitarbeiter verzichten. Die Stellen sollen vor allem über Fluktuation, Renteneintritte, Versetzungen, Ringtausch sowie Aufhebungsverträge wegfallen. Kündigungen sollen so verhindert werden.
Auf Nachfrage der MZ äußerte sich ein Unternehmenssprecher zu den Gründen für den Stellenabbau. „Die Auslastung unseres Werks in Schwandorf liegt seit längerem unter den Erwartungen“, teilte er schriftlich mit. In den Benteler-Hallen in der Großen Kreisstadt würden vor allem Komponenten für E-Fahrzeuge, beispielsweise Batteriewannen, produziert. „Diese werden aktuell aufgrund der bestehenden Unsicherheit und der langsameren Entwicklung der E-Mobilität in geringeren Volumina abgerufen als geplant“, erklärte der Mann aus der Paderborner Konzernzentrale.
Unternehmensführung strebt zügige Einigung an
Offen teilte der Unternehmenssprecher ferner mit, dass man sich „aktuell im Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern zu notwendigen Personalanpassungen“ befinde. Man wolle diesen Gesprächen nicht vorgreifen und bitte daher um Verständnis, dass aktuell keine weiteren Informationen hierzu genannte werden können. „Um die Zeit der Unsicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst gering zu halten, ist es unser Ziel, möglichst zügig eine Einigung zu erreichen“, hieß es vonseiten der Konzernführung. „Wir sind davon überzeugt, dass Lösungen im Dialog entstehen“, erklärte der Unternehmenssprecher.
Unser Werk in Schwandorf ist einer der modernsten Benteler-Produktionsstandorte in Deutschland und hat eine hohe Bedeutung für unseren globalen Footprint.Ein Sprecher der Benteler-Gruppe
Ferner versicherte er, dass das Werk in Schwandorf einer der modernsten Benteler-Produktionsstandorte in Deutschland sei. Es habe „eine hohe Bedeutung für unseren globalen Footprint“. Man setze sich daher mit voller Kraft dafür ein, die Auslastung im Werk wieder zu erhöhen. Der Benteler-Standort in Schwandorf wurde 1989 gegründet, ein Jahr später war Produktionsstart.
IG Metall Regensburg in Gesprächen mit Betriebsrat und Geschäftsführung
Die IG Metall Regensburg wollte sich zunächst nicht detailliert zu dem geplanten Stellenabbau bei Benteler äußern. Auf MZ-Anfrage bestätigte Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, dass sich seine Gewerkschaft und der Betriebsrat derzeit in intensiven Gesprächen mit dem Unternehmen befinden. Aus Respekt vor dem laufenden Prozess werde man aktuell keine Details zu Zahlen oder weiteren Schritten kommunizieren, hieß es von der Gewerkschaft.

Klar ist jedoch: Sollte Benteler nicht zu einer sozialverträglichen und zukunftsorientierten Lösung bereit sein, schließen IG Metall und Betriebsrat Proteste und Aktionen nicht aus. „Unser Ziel ist und bleibt, gemeinsam mit der Belegschaft für den Erhalt der Arbeitsplätze und die Zukunft des Standorts zu kämpfen“, bekräftigte Irmischer. Schließlich stehe man geschlossen hinter den Beschäftigten und werde daher alle notwendigen Schritte gehen, um deren Interessen zu vertreten.
Fehlende Auslastung machte sich auch bei Mitarbeitern bemerkbar
Eine langjährige Benteler-Mitarbeiterin gab einen Einblick in die Stimmung der Belegschaft, nachdem die geplanten Stellenkürzungen bekannt geworden waren. „Die Frustration ist groß“, sagte die Frau. Schon seit geraumer Zeit fehle es an ausreichend Arbeit für die rund 600 Mitarbeiter am Standort. „Wir sind nicht ausgelastet“, bilanzierte sie. Und bedeutende Nachfolgeaufträge seien auch nicht in der Pipeline.
Ein weiterer Mitarbeiter nahm den angekündigten Stellenabbau überrascht zur Kenntnis. Er habe dazu nur einen Aushang am Schwarzen Brett gesehen. „Was genau los ist, wissen wir nicht. Das ist aber offenbar keine lustige Geschichte“, sagte der Mann. Er habe nicht gedacht, dass die Situation so ernst ist. Nun wurde er eines Besseren belehrt.