Einsatzkräfte proben den Ernstfall: Amoklauf an der Mittelschule Furth im Wald

Die Horrormeldung schlechthin: Amoklauf an der Mittelschule Furth im Wald (Landkreis Cham). Gottlob nur eine Übung, welche die Polizei dort zwei Tage während der Ferien durchführt. Einen Täter im Gebäude finden, stellen und unschädlich machen lautete der Einsatzbefehl. So lief das ab.
Mit Blick auf die schrecklichen Taten, die immer wieder auch in Deutschland geschehen, kommen bei dem Übungsszenario beklemmende Gefühle auf. Nicht nur beim Beobachter, sondern auch bei den Polizeibeamten, die im Ernstfall ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um das der Bürger zu retten. „Da ist man ganz schnell in der Situation gefangen“, sagt Polizeirat Philipp Rammrath, Chef der Polizeiinspektion (PI) Furth im Wald.
Zwei Tage, 80 Einsatzkräfte
Sein Stellvertreter, Erster Polizeihauptkommissar Josef Weindl, erklärt Hintergründe, Aufgabenstellung und Vorgehensweise. Geübt wird derzeit an mehreren Schule in Bayern. Die Polizei nutzt dafür praktischerweise die Herbstferien. Weindl bedankt sich in diesem Zusammenhang bei Rektorin Barbara Aumann, die ihre Bildungseinrichtung zur Verfügung gestellt hat. Zwei Tage lang haben insgesamt rund 80 Polizeikräfte den Ernstfall geprobt. Der lautete: An der Schule sind Schüsse gefallen, man weiß nicht ob es ein oder mehrere Täter sind und ob sie sich noch vor Ort befinden. Weindl betont, dass die Schule beispielhaft für ganz verschiedene Situationen beispielsweise auch am Arbeitsplatz sein kann.
Die Übung beschränkt sich, wie anfangs erwähnt, an diesen beiden Tagen darauf, den Täter auszuschalten. Deswegen war es auch eine reine Polizeiübung. Federführend organisiert wurde sie von der PI Waldmünchen, natürlich war die PI Furth im Wald vor Ort, weitere Dienststellen wie Bad Kötzting, aber auch die Bundespolizei und andere Einsatzkräfte. Der Leiter der Polizei für Stadt und Region Domazlice, Vladimir Beranek, hat sich ebenfalls über den Ablauf informiert. Im tatsächlichen Ernstfall würde es weit mehr Aufgabenbereiche geben: Der Tatort muss weiträumig abgesperrt, heraneilende, besorgte Eltern betreut werden und vieles mehr.

Zum Ablauf sagt Weindl: Wenn ein Notruf dieser Qualität eingeht, spricht man von einer lebensbedrohlichen Einsatzlage. Lebensbedrohlich für die Bevölkerung, lebensbedrohlich aber auch für die Polizei. Gleiches gilt für Geiselnahmen, Terroranschläge oder ähnlich schwere Verbrechen. Polizeibeamte eilen zum Ort des Geschehens, bleiben ein wenig abseits des Tatorts stehen und ziehen sich eine spezielle Schutzausrüstung an, die besser gegen Kugeln schützt. Am Ort des Geschehens angekommen, herrscht erst einmal Chaos, weil niemand weiß, wie die Sachlage genau ist. Die ersten Beamten, die eintreffen, müssen entscheiden, ob sie sich sofort auf die Suche des Täters machen oder auf Verstärkung warten. Geschwindigkeit ist ein klarer Vorteil, gerade wegen des Überraschungsmoments. Die ersten Teams, die ankommen haben ganz klar den Auftrag, den Täter zu finden und auszuschalten. Alle weiteren Aufgaben ergeben sich aus der Ankunftszeit am Tatort. Jeder Polizeibeamte muss alle Aufgabenbereiche beherrschen. Auch deswegen sind Übungen dieser Art wertvoll.
Grundsätzlich hat der Polizeibeamte ein erhöhtes Risiko auf sich zu nehmen“, sagt Weindl und ergänzt: „dessen muss sich jeder bewusst sein.“ Er weiß aber auch, dass immer Angst im Spiel ist. Das sei normal und auch nicht verkehrt. „Angst lässt einen vorsichtig sein.“ Nach und nach rückt Verstärkung an, ein Einsatzleiter vor Ort entscheidet, wie viel nachgefordert werden muss. Rammrath erläutert, das werden am Anfang Dienststellen aus dem Landkreis Cham sein. Je nach Gefahrenlage wird weiteralarmiert: Verstärkung aus der Oberpfalz, Bayern und ganz Deutschland, kann angefordert werden.

Während einer der Übungen an der Further Mittelschule rücken Viererteams in Richtung Eingang vor. Kommunikation durch die Funkgeräte ist zu hören, die uniformierten Frauen und Männer sichern einzelne Bereiche, schützen sich gegenseitig in alle Himmelsrichtungen.
Hochachtung für den Einsatz
Plötzlich außerhalb des Sichtfelds: Stimmen überschlagen sich es ertönt ein Schuss, dann ein Schrei. Schließlich die erlösende Nachricht: Der Täter ist dingfest gemacht, hat einen Beinschuss abbekommen. Er wird erstversorgt und abtransportiert. Auf dem Rückweg zum Auto stellt sich mir die Frage, ob uns allen immer bewusst ist, was jeder einzelne Beamte für unsere Sicherheit leistet? Nicht nur in Extremsituationen, wie bei Amokläufen, sondern auch bei Fällen häuslicher Gewalt, im Straßenverkehr, überall dort, wo es zu Konflikten kommt.
