Tobias Schromm aus Furth im Wald hat sich mit dem Langschwert ganz nach oben gekämpft

Von Alexander Frimberger · 6. November 2025 um 17:00

Vor zwei Jahren auf dem Cave Gladium begann der kometenhafte Aufstieg von Tobias Schromm und seinem Langschwert. Da wurde der Mann aus Furth im Wald (Landkreis Cham) Turnierzweiter. Im letzten Jahr hat er gewonnen, heuer auch. Und jetzt ist er Deutscher Meister und in der Weltrangliste um beinahe 500 Plätze nach oben gestürmt.

Video ansehen

Den Sieg gegen Paris Saint-Germain Anfang der Woche noch im Hinterkopf, erlaube ich mir den Scherz und sage: „Dann sind Sie ja so etwas wie der FC Bayern des Langschwerts.“ Der 24-Jährige macht den Spaß mit, ich sehe ihn förmlich durch das Telefon grinsen: „Naja, ich komme aus dem Süden Deutschlands und bin gerade recht erfolgreich, könnte man also schon so sagen.“

Körperliche Fitness wichtig

Aber im Ernst, was der Further derzeit mit seinem Sportgerät anstellt, ist schon beachtlich. Sechs Turniere, in denen 101 Fechter an den Start gingen, galt es zu bestreiten, ehe er den Titel in der Kategorie „Langschwert offen“ in der Tasche hatte. Losgegangen ist es im März in Berlin, vor circa zwei Wochen ging‘s zum Abschluss nach Dresden. Körperliche Fitness, da steht er den Fußballprofis in nichts nach, ist obligatorisch. Drei bis vier wettkampfspezifische Trainingseinheiten von jeweils zwei bis drei Stunden sind normal.

Insgesamt trainiert Tobias an fünf bis sechs Tagen die Woche. „Fitness, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit sind Grundvoraussetzungen, um erfolgreich werden zu können.“ Das weiß übrigens auch seine Lebensgefährtin Marina Hertlein, sie hat sich auch für dieses schweißtreibende Adrenalin-Hobby entschieden und den dritten Platz in der Kategorie Damen+ bei den Deutschen geholt.

Die geteilte Passion hat natürlich Vorteile. „Gemeinsam trainieren steht schon auf der Tagesordnung.“ Ebenfalls angenehm ist, dass man die Reisekosten zu den Turnieren halbieren und sich in der Kampfphase gegenseitig coachen kann. Nimmt er denn auch Ratschläge von seiner Freundin an? Aus der Pistole geschossen kommt die Antwort nicht, aber dann sagt der Student der Fitnesswissenschaften: „Ja, schon.“ Im Hintergrund hört man seine Freundin lachen.

Gewaltiger sportlicher Sprung nach vorne

Seinen Lebensmittelpunkt nach Nürnberg zu verlegen, war nicht nur eine Entscheidung der Liebe wegen, schließlich lebt Hertlein dort. Auch sportlich hat er einen Sprung nach vorne gemacht. Sein Trainer Marc Schramm von der Fechtschule Schwert und Bogen in der Meistersingerstadt hat ihm im vergangenen Jahr zu einem gewaltigen Sprung nach vorne verholfen. Mit 67 Punkten hat Schromm die Saison abgeschlossen, in der davor waren es noch elf. Das deutsche Supertalent meldet sich auch auf der Weltrangliste zu Wort, hat einen Satz von Platz 700 auf 211 gemacht.

Klar, dass Tobias weitere Ziele ins Auge gefasst hat. Zunächst geht es ins Kadertrainingslager. Der Titel Deutscher Meister soll verteidigt werden. Außerdem folgen internationale Turniere, zum Beispiel die Helsinki-Open in Finnland. Dann geht es weiter zum FechtBerg Poker Cup in Polen. Das könnte die nächste Standortbestimmung sein. Dort möchte sich der ehrgeizige Kämpfer langfristig etablieren, wenn er sagt: „Die osteuropäische Fechtszene ist sehr gut.“

Tobias Schromms Langschwert misst 1,35 Meter und ist 1550 Gramm schwer. - Foto: Sonja Hertlein

Schnell und effizient

Übrigens, schon als Bub war er auf dem Cave Gladium von den Schwertkämpfen begeistert, hat selbst mit dem Holzschwert Ritter gespielt. Später war es Aragorn, Held aus den Herr der Ringe-Filmen, der ihn beeindruckt hat.

Und heute, welcher Film begeistert ihn? Die Antwort ist pragmatisch: „Wenn man selber besser wird, sieht man die Filmszenen aus einem anderen Blickwinkel.“ Hollywood oder eine Stuntfirma haben übrigens noch nicht angefragt, schließlich werden gerade wieder viele Filme und Serien mit reichlich mittelalterlichem Säbelrasseln gezeigt. Daraus würde aber auch nichts werden: „Fechten, wie ich es interpretiere, hat nichts mit Schaukampf zu tun.“ Die Langschwertkämpfer sind zu effizient und zu schnell.

Historischer Schwertkampf

Der Dachverband für historische Fechten (DDHF) beschäftigt sich demnach mit Kampfkunst und Kampfsport von der Antike bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und deren Rekonstruktion. Der Deutsche Meister Langschwert wird so ermittelt: Die Platzierung hängt von den auf Ranglistenturnieren gesammelten Punkten ab, die werden über das Jahr addiert. Erreicht man die Spitze, dann erhält man den Titel „Deutscher Meister“.