Pilotprojekt demografiefeste Kommune hat viele Ideen für Waldmünchen entwickelt

Neben Weiden und Tirschenreuth ist Waldmünchen eine von oberpfalzweit drei Kommunen, die für das Pilotprojekt „Demografiefeste Kommune“ ausgewählt worden sind. Das war 2021. Am Dienstag , und damit vier Jahre später, legten Annika Härtel von der begleitenden Agentur New Work München und Frank Schürmann dem Stadtrat den Abschlussbericht des Projektes vor.
Darin geht es allerdings nur in Schlagworten um die Ergebnisse und Erkenntnisse der Arbeitsgruppen in Waldmünchen. Deutlicher wurde der Weg zu diesen Erkenntnissen nachgezeichnet. Schließlich soll die Arbeit in der Pilotkommune Waldmünchen anderen Kommunen als Leitfaden für ähnliche Bestrebungen dienen. Und auch das sei vorab gesagt: Mit dem Ende des Pilotprojektes ist die Bürgerbeteiligung über eine Netzwerkgruppe nicht beendet. Sie wird weiter den „Input aus der Bürgerschaft in den Stadtrat“ geben, sagte Schürmann.
Bereichernd für die Stadt
Stadtrat und Arbeitsgruppenmitglied Andreas Eisenhart dankte Schürmann und Härtel für die Projektleitung. Die Arbeit sei „bereichernd für Waldmünchen“ gewesen und habe „andere Perspektiven“ vermittelt.
Schürmann fasste den 38-seitigen Rechenschaftsbericht für die Vorstellung im Stadtrat in einer Power-Point-Präsentation zusammen. Hier verglich er den Weg von 2021 bis zur Sitzung am Dienstag mit einer Straße, auf der man „nie falsch abgebogen, nie in eine Sackgasse gefahren ist und nie aus der Kurve getragen wurde“. Ein erster Schritt sei eine Demografieanalyse gewesen. Die empirica AG in Bonn habe den Bevölkerungsrückgang und die Überalterung der Gesellschaft in Waldmünchen festgestellt. Als ländlich geprägte Gemeinde habe Waldmünchen „eingeschränkte Verkehrsanbindung und eine geringe Arbeitsplatzdichte“. Nach einer Chancen- und Schwächen-Analyse hätten sich bei einer Klausurtagung des Stadtrates im November 2022 die Handlungsfelder Image und Wohnbauentwicklung als diejenigen herausgestellt, die man aufgreifen will.
Die Bürgerbeteiligung
In einer zweiten Stufe fand im Januar 2023 eine Bürgerbeteiligung statt, aus der sich die Netzwerkgruppe mit zunächst 19 Beteiligten bildete. Im Bereich Image wurden Ideen zum Glasfaserausbau, zum Homeoffice-Stammtisch, zum Geschichtenprojekt und zu einem positiveren Image der Stadt entwickelt. Bei der Wohnbaugruppe ging es um Themen wie die Belebung des Marktplatzes, moderne Arbeitsplätze, einen verbesserten ÖPNV und die Idee, mehr Leute aus der Stadt auf dem Land wohnen zu lassen. Aus beiden Gruppen sei das Bürger-Netzwerk Waldmünchen entstanden. Diese Netzwerkgruppe sei weiterhin offen für alle und arbeitete auch weiter, sagte Härtel.
„In der Stufe III entwickelte die Bürger-Netzwerk-Gruppe Waldmünchen eine Vielzahl von Ideen, Anregungen und Maßnahmen zu den beiden Handlungsfeldern Image der Stadt und Wohnbauentwicklung. Alle Ideen, Anregungen, Maßnahmen sind im Abschlussbericht aufgeführt“, zeigte Schürmann in der Präsentation.
Die Visionen für Waldmünchen seien (alles Zitate aus der Präsentation):
■ Ein attraktives Lebensumfeld für alle Altersgruppen
■ Jugend als Zukunft der Stadt
■ Stärkung der städtischen Identität
■ Positive Bevölkerungsentwicklung
■ Investitionen in Wohnraum und Stadtbild
■ Wirtschaftliche Entwicklung
Für diese Visionen sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:
■ Alle öffentlichen Gebäude sollen bis spätestens 2028 vollständig barrierefrei zugänglich sein.
■ Öffentliche Plätze – insbesondere der Marktplatz – werden gezielt weiterentwickelt und aufgewertet.
■ Das bestehende Rufbussystem wird schrittweise weiter ausgebaut.
■ Die Bürger-Netzwerkgruppe wird nachhaltig in die Strukturen der Stadtverwaltung eingebunden. Die enge Verzahnung wird durch die Einrichtung einer Koordinationsstelle „Kümmerer“ sichergestellt.
■ Das identitätsstiftende, interkommunale Projekt „Heimat-Region-Digital“ wird – bei Genehmigung durch das Staatsministerium – konsequent umgesetzt.
■ Der Seniorenbeirat und die Jugendbeauftragten werden aktiv in die Arbeit der Bürger-Netzwerkgruppe eingebunden.