Wohin mit Altkleidern? Feuerwehr sagt kreisweite Sammelaktion in Cham zum zweiten Mal ab

200 Tonnen Altkleider haben Feuerwehrmitglieder in Cham in guten Jahren gesammelt, bis zu 300 Euro pro Tonne hat der Kreisfeuerwehrverband dafür bezahlt bekommen. Geld, da in die Jugendarbeit, für die Ausbildung und für Anschaffungen verwendet wurde. Geld, das jetzt fehlt. Denn die Sammlung rechnet sich nicht mehr. „Der Markt für Altkleider ist zusammengebrochen“, bedauert Kreisbrandrat Mike Stahl.
So mancher Chamer hatte bereits im Frühjahr die Pakete zusammengepackt, die die Feuerwehrleute abholen sollten. Nachdem die Sammlung im Mai bereits abgesagt wurde, kommt nun auch die Sammlung im November nicht zustande. Der Abnehmer aus Geisenhausen hatte wie schon im Frühjahr abgewunken: „Maximal ein paar Euro pro Tonne hätte er noch bezahlt“, erklärt Stahl. Das habe sich einfach nicht mehr gerechnet für den großen organisatorischen Aufwand.
„Da sind ja jedes Mal ein paar hundert Leute unterwegs.“ Man habe auch andere Verwertungsfirmen nachgefragt, aber überall die gleiche Antwort bekommen. „Die haben gesagt, wenn wir ihnen 100 Euro pro Tonne bezahlen, dann holen sie die Sachen ab“, schüttelt Stahl den Kopf. So habe man sich schweren Herzens gegen die Sammlung entschieden. „Wir können doch nicht draufzahlen dafür, dass wir einen guten Dienst erweisen.“
Für die Zukunft behält Stahl dennoch die Hoffnung, dass sich der Markt vielleicht wieder erholen wird. Bis dahin haben die Chamer die Möglichkeit, ihre alten Klamotten bei den Kleidercontainern des BRK oder bei der Altkleider- und Altpapiersammlung des Kolpingwerks loszuwerden.
Container quellen über
Dabei quillen mancherorts die Container bereits über, räumt Stefan Raab vom BRK Kreisverband ein. Das könne durchaus mit der abgesagten Sammlung des Feuerwehrverbands zusammenhängen, mutmaßt er. Doch trotz der gesunkenen Abnahmepreise möchte das BRK alle zehn Containerstandorte im Landkreis beibehalten. Dadurch, dass der Aufwand mit den Containern geringer ist als bei den Sammlungen der Feuerwehren, rechne sich auch ein geringerer Preis pro Tonne.
Die Container stünden mit Ausnahme des Arracher Containers auf BRK-Grund. Auch das Aufstellen und Entleeren der Container übernehme der zertifizierte Sortierbetrieb, mit dem das BRK seit Jahren zusammenarbeite, selbstständig. „Ein Teil der Altkleider kommt in den Katastrophenschutz, der Rest wird sortiert und weiterverkauft.“ Unter anderem in der Autoindustrie kämen Altkleider-Reste zum Einsatz.
Billigware findet kaum Abnehmer
Beim Weiterverkauf in andere Länder aber liege das Problem und der Grund für den Markteinbruch, weiß Raab. Abnahmeregionen in Osteuropa seien wegen des Krieges in der Ukraine weggebrochen, Abnahmeregionen in Afrika seien inzwischen weitaus bessere Qualität an Altkleidern gewöhnt, als sie in Deutschland inzwischen anfalle. „Immer öfter ist Billigware im Umlauf, die aus Kunststoff besteht. Doch auch in Afrika wird heute Wert gelegt auf gute Qualität. Da zieht auch keiner mehr gebrauchte Schuhe an.“ Das alles drücke exorbitant den Preis der Altkleider. Erlaubt seien in den Container ohnehin nur : saubere, tragfähige Kleidung und Schuhe, gut verpackt (z.?B. in Säcken).

Letztendlich könne man fast ausschließlich tragbare Kleidung mit guter Qualität verwerten, der Rest lande in der Müllverbrennung, bedauert Raab, der auch nicht ausschließt, dass man sich über kurz oder lang von einigen Container-Standorten verabschieden müsse. „Der Betrieb der Container-Sammlung ist aktuell nur noch schwer kostendeckend möglich.“ 2024 sammelte das BRK im Landkreis 139 Tonnen Kleidung und Textilien.
Kolping sammelt weiter
An der Sammlung von Altkleidern und Altpapier festhalten möchte auch in Zukunft das Kolpingwerk. Michael Fleck, Bezirksvorsitzender im Landkreis Cham, betont jedoch ebenfalls: „Die aktuelle Situation ist sehr schwierig.“ Derzeit versuche man mit dem Zusammenlegen von Sammelstellen und einer noch engeren Zusammenarbeit die Kosten im Rahmen zu halten und die gesunkenen Erlöse damit aufzufangen. Im Mai sammele Kolping 44,6 Tonnen Altkleide rund 52,63 Tonnen Altpapier, im September 27,5 Tonnen Altkleider und 20,2 Tonnen Altpapier.
Die Einnahmen kommen sozialen Zwecke zugute, sagt Fleck; unter anderem werde damit das Ferienhaus Bayerwald in Lambach unterstützt, wo kinderreiche Familien Urlaub machen können. „Das möchten wir natürlich unbedingt auch weiterhin tun“, sagt Fleck. Zumal die Sammlungen auch als Gemeinschaftsaktion, die Jung und Alt zusammenführt, fortgesetzt werden sollen. Natürlich komme Kolping da gelegen, dass es nicht nur Altkleider, sondern eben auch Altpapier sammelt, wo die Marktpreise stabiler seien.
Standorte der Altkleidercontainer in Cham
• Arrach, Lamer Str. 78 (bei der Touristinformation);
• Furth im Wald, Eschlkamer Straße 34 (an der Rettungswache);
• Cham, Further Straße 10 (BRK-Gelände);
• Furth im Wald, Dr.-Adam-Voll-Straße 1 (BRK-Altenheim);
• Kötzting, Hauserstraße 4 (Seniorenheim);
• Kötzting, Lehmgasse 10 (BRK-Haus);
• Roding, Paul-Gerhard-Str. 7 (hinter BRK-Haus);
• Waldmünchen, Breitwiesenweg 32 (BRK-Altenheim);
• Waldmünchen, Dr.-Matthias-Lechner-Str. 2 (BRK-Haus);
• Cham, Tiergartenstraße 10 (an der Rettungswache)
Für zwei Beine 20 Hosen – ein Kommentar von MZ-Volontärin Theresa Baumann
Wenn sich die Türme vor den Altkleider-Containern stapeln, ist es höchste Zeit, das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Denn mit den Billigklamotten, die oft nur noch für den Ofen taugen, setzen wir nicht nur den Sammelaktionen ein Ende, sondern unterstützen auch Kinderarbeit.
In vielen Ländern sitzen Kinder, die eigentlich in der Schule oder auf dem Spielplatz sein sollten, in stickigen Hallen, um Kleidung zu nähen. Kleidung, die zu den niedrigsten Preisen verschachert wird. Auch der Blick auf das Etikett von teuren T-Shirts, Hosen oder Pullovern verrät: Produziert wird oft in denselben Ländern, unter prekären Bedingungen. Und doch landen die Klamotten beim nächsten Sale im Einkaufswagen, auch wenn der Kleiderschrank voll ist.
Das Ausmaß unseres Konsums wird uns dann bewusst, wenn die Feuerwehr ihre Sammelaktion absagt – oder vielmehr absagen muss. Jetzt sollte unsere Gesellschaft innehalten. Oder wird der Kleiderschrank ebenso schnell wieder gefüllt, wie er leer geräumt wurde? Am Ende werden aber auch Modeikonen nur zwei Beine haben, um eine Hose anzuziehen – bei Tausendfüßlern ist das anders.