„Bang, Bang, Bang“: Anwohner spricht über blutige Schießerei von Neutraubling

Von Philip Hell · 5. November 2025 um 19:00

Wie kam es zu der blutigen Schießerei in Neutraubling (Landkreis Regensburg)? Diese Frage beschäftigt derzeit das Schwurgericht am Landgericht Regensburg. Am Mittwoch tischte ein Zeuge den Richtern eine durchaus abenteuerliche Geschichte auf.

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Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass einer der vier Angeklagten, die zum Teil aus dem Landkreis Regensburg, aber auch aus dem Landkreis Kelheim stammen, im September 2024 versucht haben soll, einen Neutraublinger umzubringen. Die restlichen Angeklagten sollen bei dem mutmaßlich versuchten Totschlag Beihilfe geleistet haben.

Nachbarschaft in heller Aufregung: Anwohner schildert Bluttat von Neutraubling

Gestern nahm der Mitbewohner des Opfers im Zeugenstuhl Platz. Er habe sich gewundert, warum sein Bekannter so spät noch das Haus verlasse, dann habe er die Schüsse gehört. „Ich dachte erst, wer böllert denn um diese Zeit?“ Der Zeuge ahmte die Geräusche, die er damals gehört habe, nach: „Bang, Bang, Bang, Bang, Bang“. Die Nachbarschaft sei in heller Aufregung gewesen. Sein Mitbewohner habe sich wieder in die Wohnung geschleppt, woraufhin er die Retter rief.

Die Vernehmung drehte sich im Wesentlichen auch um die Frage, wie es denn überhaupt zu der Schießerei kam. Der Zeuge sagte, dass sein Mitbewohner nicht wirklich auskunftsfreudig sei. Nach und nach rückte der Mann allerdings mit der Sprache heraus. Er erzählte dem Gericht von einem Tschetschenen, der sich einen Spaß daraus mache, Leute zu erpressen. Der habe es vor allem auf Geschäftsleute aus dem russendeutschen Milieu abgesehen, so der Neutraublinger im Zeugenstand. Woher er das wisse, hakte das Gericht nach. „Das ist das, was die Stadt flüstert.“

Erst auf Nachfrage von Bernd Stupp, dem Verteidiger eines der Angeklagten, nannte der Mann Ross und Reiter. Er habe das von einem Arbeitskollegen gehört. Zudem erzählte der Zeuge, dass auch ein Bekannter seines Mitbewohners erpresst worden sei. Daher sei es zu Streitigkeiten gekommen.

Der Zeuge verstrickte sich immer wieder in Widersprüche. Seine Aussagen bei der Polizei revidierte er zum Teil. Das sorgte immer wieder für Ärger bei den Anwälten der vier Angeklagten. Verteidiger Christian Reiser sprach am Ende der rund dreistündigen Vernehmung von einer „wirren“ Aussage.

War Zoff am Guggi der Auslöser für die Schießerei?

Das Opfer selbst äußerte sich im Prozess nicht. Da gegen den Neutraublinger ein Verfahren vor dem Amtsgericht Regensburg läuft, das sich ebenfalls um den Vorfall dreht, machte er vergangene Woche von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Am gestrigen Nachmittag hörte das Gericht eine Kriminalpolizistin, die das Opfer am Tag nach der Tat noch im Krankenhaus vernommen hat. Die Beamtin berichtete davon, dass ihr der Neutraublinger erzählt habe, dass er die Angreifer zum Teil kannte. Mit einem sei er vor langer Zeit in einer Diskothek aneinandergeraten. Rund ein Jahr vor der Tat gab es erneut Streit, diesmal am Guggenberger Weiher. Er habe gehört, dass die Angreifer es auf ihn abgesehen hätten, und habe die Sache „von Mann zu Mann“ klären wollen. Dann sei der Streit eskaliert, als auf ihn geschossen wurde. Von Schutzgelderpressung oder einem ominösen Tschetschenen sei nie die Rede gewesen, betonte die Kriminalpolizistin in ihrer Zeugenaussage.

Der Prozess wird fortgesetzt. Nach jetziger Planung soll Mitte Dezember ein Urteil fallen.