Kleiderkammer in Neumarkt braucht Hilfe: Kann der Landkreis helfen?

Mit alter Kleidung kann man noch Gutes tun. Zum Beispiel in der Kleiderkammer der Caritas in Neumarkt, die Bedürftige unterstützt. Doch der Markt für Alttextilien hat ein Problem – und das bringt die Caritas zur Frage: Kann man sich dieses freiwillige Angebot in Zeiten knapper werdender Kirchenkassen weiter leisten, wenn es Mehrkosten produziert?
„Wir haben ein Problem“, sagt Michael Glaser, der Leiter der Caritas-Kreisstelle. „Wohin mit der Kleidung, die wir nicht mehr weitergeben können?“ Früher hätte die Antwort gelautet: Zum Verwertungsunternehmen, das dafür Geld zahlt.
Doch die Branche ist unter Druck. Eines der größeren Unternehmen in Deutschland meldete 2024 Insolvenz an. Der Grund ist eine Absatzkrise auf dem Markt. Eine Ursache: Das Konsumverhalten mit immer kürzeren Zyklen, in denen Kleidung getragen wird, erzeugt eine wachsende Menge an Kleidung aus Fasern minderer Qualität.
Verwertungsunternehmen zahlen weniger für gebrauchte Kleidung
Die Konsequenz schildert Ludwig Feierler von der CAH, die in Neumarkt einen Gebrauchtwarenmarkt betreibt. Die Verwertungsfirmen nähmen fast nur noch Altkleidung an, die sie Secondhand weiterverkaufen könnten. Aber auch in diesem Bereich seien die Preise gesunken. „Und das richtige Klump bekommt man fast gar nicht mehr los“, sagt Feierler.
Muss man aber. Seit Anfang des Jahres gilt rechtlich, dass Alttextilien (mit Ausnahme von verdreckten und zerschlissenen) nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden dürfen. „Wir finden kaum noch Abnehmer für nicht mehr tragbare Kleidung“, benennt Glaser das Problem. Im Zweifel müsse man für die Entsorgung bezahlen.
An sich nimmt die Kleiderkammer nur tragbare Kleidung an. Aber zum einen erweist sich manches im Nachgang als doch nicht mehr tragbar, zum anderen stellen Spender außerhalb der Öffnungszeiten Kleidung vor die Tür der Kammer, wie Glaser von der Caritas berichtet. „Wenn das feucht wird, ist es nicht mehr brauchbar.“ Weil die Lagerkapazitäten zudem begrenzt seien, sei die Caritas zusätzlich unter Druck, die nicht mehr tragbaren Textilien loszuwerden.
Das kostet Geld. Etwas, was die Caritas nicht in rauen Mengen hat. Die Existenzfrage der Kleiderkammer schwingt im Gespräch mit Glaser mit, auch wenn er betont: „Ich sehe schon die Notwendigkeit für die Kleiderkammer. Die Zahl der Bedürftigen wird in den nächsten Jahren zunehmen.“
Landkreis Neumarkt bietet Caritas, BRK, CAH und Kolping Hilfe an
Nicht nur deswegen hat der Landkreis ein Interesse daran, das Angebot der Caritas zu erhalten. Das gilt auch für die CAH, das BRK und Kolpingsfamilien. Sie alle nehmen gebrauchte Kleidung entgegen. Sei es durch Container, Sammlungen oder Kleiderkammern. Bräche dieses System weg, müsste der Landkreis für die Bürger Möglichkeiten schaffen, Alttextilien korrekt zu entsorgen. Das würde dem entsorgungspflichtigen Landkreis Geld kosten – mehr als durch eine Vereinbarung, die der Landkreis Caritas und Co. angeboten hat.
Laut Michael Gottschalk, dem Sprecher des Landratsamts, sieht die Vereinbarung vor, dass der Landkreis finanziell einspringt. Dann, wenn die Erlöse durch die Weitergabe an Verwerter nicht mehr die Kosten decken. Aussortierte Kleider will der Landkreis zudem kostenlos entsorgen.
Der Landkreis geht davon aus, dass er aktuell noch nicht finanziell gefragt sein wird. Das bestätigt die Aussage des BRK, das derzeit keine größeren Probleme bei der Entsorgung sieht. Die Einnahmen deckten gerade noch so den Aufwand. Aktuell gehe es eher darum, den Organisationen Sicherheit zu geben, sagt Gottschalk.
Zudem gibt es Hoffnung, dass sich die Lage in einigen Jahren entspannt. Aufgrund einer EU-Richtlinie müssen Hersteller von Textilien ähnlich wie bei Verpackungen und dem Gelben Sack die Entsorgung und das Recycling organisieren sowie finanzieren.