Altkleider richtig entsorgen, zahlt sich für die Menschen im Landkreis Neumarkt aus

Es scheint ganz einfach: Altkleider gehören in den Container. Seit 1. Januar ist das nun auch gesetzlich vorgeschrieben. Warum das nur fast richtig ist, was für Probleme es aktuell mit der Verwertung von Altkleidern gibt, und warum Haushalte im Landkreis Neumarkt mehr Geld haben, wenn alte Textilien richtig entsorgt werden.
Seit Jahresbeginn ist verpflichtend, was davor viele schon freiwillig getan haben: Altkleider nicht im Hausmüll entsorgen, sondern in einen der Container werfen. Wobei das damals wie heute nur eingeschränkt richtig ist.
Zum einen gehören nicht nur Altkleider in die Container, sondern alle Textilien. Also beispielsweise auch Bettwäsche und Vorhänge. Die neue EU-Richtlinie spricht daher von Alttextilien. Dass die Richtlinie durchaus ihre Berechtigung hat, erklärt Roland Hadwiger vom Landratsamt. Analysen des Restmülls in Deutschland hätten gezeigt, dass nach wie vor zu viel verwertbare Alttextilien darin waren.
Zum anderen ist es aber auch so, dass eben doch nicht alles in den Container geworfen werden darf, wie Hadwiger erklärt. Was löchrig, zerschlissen oder stark verschmutzt sei, gehört in die Restmülltonne.
140 Euro kostet die Tonne Restmüll Müll dem Landkreis Neumarkt
Je weniger im Hausmüll landet, desto besser für den Geldbeutel eines jeden Haushalts im Landkreis. „Jedes Kilogramm, das wir an den Zweckverband abgeben, kostet Geld“, sagt Hadwiger und meint damit den Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, der den Restmüll aus dem Landkreis in der Verbrennungsanlage entsorgt.
140 Euro zahlt der Landkreis dafür pro Tonne – und damit dessen Haushalte über die Gebühr. „Wenn alle ihren Müll richtig trennen, dann kann der Landkreis die Gebühren für Restmüll niedrig halten“, sagt Hadwiger.
Müll zu trennen und den Restmüll zu reduzieren, lohnt sich zudem künftig noch mehr. Die CO2-Bepreisung werde in den kommenden Jahren stetig steigen und die Müllverbrennung teurer machen, sagt Hadwiger.
Von Gesetzes wegen ist der Landkreis dafür verantwortlich, dass seine Bürger Müll richtig getrennt entsorgen können. Das gilt nun auch für Alttextilien. Kosten hat der Landkreis deswegen aber nicht. Eine eigene Alttextilientonne für die Haushalte braucht es nicht, denn es besteht bereits ein System aus den Containern, die private Anbieter und karitative Organisationen wie das BRK und Kolping aufstellen. Noch? Diese Frage stellt sich.
BRK Neumarkt hat im Landkreis 58 Altkleidercontainer aufgestellt
Dazu muss man wissen, wie das System funktioniert. Der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes hat nach eigenen Angaben im Landkreis teils gemeinsam mit Kolping 58 Container aufgestellt. Was an alten Textilien darin landet, komme nicht in die eigene Kleiderkammer in Neumarkt, erklärt das BRK. Die Kammer bietet nur Gebrauchtes an, das Spender direkt dort abgeben. Den Inhalt der Container holt ein Verwertungsunternehmen, das dem BRK für die gesammelten Alttextilien Geld zahlt.
Allerdings ist die Branche unter Druck. Eines der größeren Unternehmen in Deutschland meldete 2024 Insolvenz an. Der Grund ist eine Absatzkrise auf dem Markt. „Die Qualität der gesammelten Textilien sinkt, gleichzeitig steigt die gesammelte Menge“, erklärt Hadwiger.
Ein Teil des Problems sei das Konsumverhalten. In zunehmend kürzeren Zyklen kaufen Menschen Kleidung und ersetzen sie wenig später durch neue. Möglich macht dies günstige Kleidung großer Anbieter. Mit Fast Fashion (schnelle Mode) hat sich dafür ein Begriff gebildet. Die zunehmend schwächere Qualität der Kleidung erschwert es, dass sie längerfristig getragen wird. Zugleich lassen sich aus den weniger wertigen Fasern oftmals nur noch Putzlumpen machen.
Verwerter von Altkleidern haben ein Absatzproblem
Im Ergebnis sind die Preise, die für gesammelte Alttextilien gezahlt werden, unter Druck. Womit sich die Frage stellt, ob sich das Sammeln für karitative Organisationen wie das BRK noch lohnt?
Aktuell sei es noch lukrativ, Alttextilien in Container zu sammeln und an eine Verwertungsfirma weiterzugeben, erklärt das Neumarkter BRK. Allerdings habe der Kreisverband das vergangene Jahr ausgewertet und festgestellt, dass die Einnahmen gesunken seien. Wie sich die Lage weiterentwickelt, kann das BRK allerdings nicht abschätzen.
Das Landratsamt beobachtet die Situation indes sehr interessiert. Roland Hadwiger berichtet von einem anstehendem Gespräch mit gemeinnützigen Anbietern wie dem BRK, um die weitere Strategie zu besprechen. Hadwiger: „Wenn das System zusammenbricht, müsste der Landkreis übernehmen“.