Neue Tonnen, neues System: Das ändert sich bei der Müllentsorgung in Neumarkt

Große Veränderungen plant der Landkreis Neumarkt bei der Müllentsorgung. Das System soll modernisiert werden – möglichst ohne große Belastungen für die Bürger. Dennoch steigen die Gebühren im nächsten Jahr deutlich an. Wie passt das zusammen?
„Unser Entsorgungssystem ist schon sehr in die Jahre gekommen“, sagt Roland Hadwiger, Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft am Landratsamt. „Das betrifft vor allem die Müllmarken.“
Diese wurden früher in Banken im Landkreis gekauft und auf die Tonne geklebt. Seit 2016 gibt es die „Dauermarke“. Die war für eine Haltbarkeit von acht Jahren ausgelegt – „und jetzt fangen die an von den Tonnen zu fallen“, sagt Hadwiger. Zudem sei das Markensystem eigentlich schon vor acht Jahren überholt gewesen: Wer nämlich eine neue Tonne anschafft, muss die Marke mühevoll von der alten Tonne herunterzupfen, per Post an den Landkreis schicken und eine neue ordern. „Das gab immer Ärger“, so Hadwiger.
Chip statt Aufkleber
In anderen Landkreisen würde man stattdessen ein System verwenden, bei dem ein Chip im Deckel der Tonne untergebracht ist. Wenn jemand umzieht oder seine Tonne abmeldet, genügt im Amt ein Mausklick, um die Änderung vorzunehmen. Warum Neumarkt dieses System nicht schon 2016 eingeführt hat, kann Hadwiger auch nicht ganz erklären: „Man wirft uns oft vor, dass wir rückständig sind, und dem kann man nicht ganz widersprechen.“ Vor allem, da die Chips keine zusätzlichen Einbau-Kosten verursachen: „In allen modernen Tonnen sind sie schon drin. Wir mussten sie bei unseren Lieferungen immer extra abbestellen.“
Landkreis Neumarkt muss Tonnen kaufen
Ein Grund, warum man bisher auf die Chips verzichtete, sei aber, dass die Bürger dann ihre Tonnen nicht mehr selbst kaufen können: „Weil wir ja keine Chips in das Eigentum der Leute einbauen können“, so Hadwiger. Der Landkreis müsste also für die Umstellung selbst 50 000 neue Restmülltonnen anschaffen – was Hadwiger nun auch den Mitgliedern des Kreistages empfahl. Denn der Zeitpunkt sei dafür günstig: 2026 plant der Landkreis nämlich die Einführung einer Biotonne für alle Haushalte, die dann gemeinsam mit den neuen Restmülltonnen ausgeliefert werden könnte.
Biotonne wird in Neumarkt Pflicht
Bisher war die Biotonne im Landkreis ein freiwilliges Angebot, das vergleichsweise wenig genutzt wurde: Nur gut 3000 solche Tonnen gibt es in der Region. Die Müll-Fachleute erklären das mit der ländlichen Struktur des Gebiets: Auf Bauernhöfen fällt meist wenig Biomüll an, weil er kompostiert oder verfüttert werden kann. „Dennoch werden wir um die verbindliche Biotonne nicht herumkommen“, sagt Hadwiger. Zu groß sei der Druck vom Bund und von der EU. „Etwa 80 Prozent der Gemeinden in Bayern haben schon eine Biotonne – wir sind da in der Minderheit.“ Wer nachweislich einen eigenen Kompost hat, kann zwar auf Antrag von der Biotonnen-Pflicht befreit werden, spart dabei aber nichts. Denn die Biotonne soll grundsätzlich kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Geld mit Kompost
Denn auf die Dauer erhofft sich der Landkreis von der separaten Biotonne einen Gewinn, da er die Abfälle kompostieren oder vergären kann. „Das wird genau so sein wie damals mit der Papiertonne“, sagt Landkreissprecher Michael Gottschalk. „Zuerst kostet es natürlich etwas in der Anschaffung, aber schon bald wird es kostendeckend sein.“ Bereits ab 2028 soll die Biotonne jährlich 200 000 Euro einsparen. Das ist auch nötig, da die Abfallentsorgung aktuell ein Verlustgeschäft ist: 34 Millionen Euro an Einnahmen durch Abfallgebühren stehen 41 Millionen an Ausgaben gegenüber. Dazu kommt die CO2-Bepreisung, die in den nächsten Jahren stetig steigen und die Müllverbrennung teurer machen wird.
Müllgebühren in Neumarkt steigen
Aktuell gibt es im Landkreis über 50 000 Restmülltonnen. Für die beiden gängigsten Größen, 60 und 120 Liter, zahlt man aktuell 82 und 123 Euro im Jahr. Ab 2025 sollen diese auf 103 und 155 Euro angehoben werden – eine Steigerung um 26 Prozent. „Es ist uns ganz wichtig. klarzumachen, dass die CO2-Bepreisung der Grund ist, warum die Müllgebühren steigen – und nicht die neuen Tonnen“, so Hadwiger. Trotz der Steigerung stünde der Landkreis bei den Gebühren im Vergleich zu den Nachbarn noch gut da.