Etwas Wein ausschenken und Bücher vorstellen: Leseabend in Chamer Buchhandlung Rupprecht

Das Buch ist ein widerstandsfähiges Wesen. Schon mehrfach totgesagt – gemeuchelt von Kino, TV oder Internet – hat es nicht nur überlebt und seine möglichen Mörder mit seiner Vielseitigkeit und Faszination für sich eingenommen – allein in Deutschland kommen jedes Jahr 72 000 neue hinzu. 17 davon hatte jetzt die Buchhandlung Rupprecht sorgsam ausgewählt, um sie bei ihrem WeinLeseabend im voll besetzten Verkaufsraum in Cham-Süd zu empfehlen.
Dass das Buch immer neue Höhepunkte feiert, gar Wunder gebiert, kommt selbst für die überraschend, die umgeben sind von Literatur in allen Variationen und sich am liebsten selbst täglich mit ihrer Ration Buch verwöhnen lassen. Das gibt die Chefin der gleichnamigen Buchhandlungskette, Maria Rupprecht, zu.
Für sie sei es schon ein Wunder gewesen, dass eine verloren gegangene Lesergruppe, die 16- bis 20-jährigen Frauen, zurückgekehrt sind in den Kreis der Leser. Angelockt von aufwendig gestalteten Fantasy-Liebes- und Lebensgeschichten lassen sich die jungen Frauen in Buchwelten entführen, deren Fortgang sie dann in sozialen Medien oder in in Blogs mit Eifer weiterspinnen und diskutieren.
Gleichzeitig scheinen die Männer, gemessen auch am Anteil im Chamer Publikum, ihre Leseschwäche zu bestätigen – ob jung oder alt. Sie sind an diesem Freitagabend in Cham deutlich in der Unterzahl – noch deutlicher, als anderswo in der Oberpfalz, sagt Maria Rupprecht. Dabei seien die Männer nicht lesefaul, sagt Maria Rupprecht. Sie habe schon einige befragt, warum sie solch eine Buchvorstellung nicht anspreche. Viele würden auf den Job verweisen, wo viel Sachliteratur zu meistern sei. Daher bleibe der Urlaub, wo auch Männer zum Buch als Entspannungslektüre greifen würden. Und sie würden gern zum Buch als Geschenk greifen – da darf sich Frau freuen.
Somit ist die Lesewelt passend zum freitaglichen Halloweenabend, zu dem Rupprecht-Mitarbeiterin Veronika Volkner bei der Begrüßung viel Süßes verspricht, nur von Scheinmonstern bedroht. Das Buch bleibt eine feste Größe bei vielen Menschen, die auch Alternativen nutzen – doch auch gerne bei fiesem Herbstwetter auf dem Sofa oder im Urlaub etwas Handfestes wollen und zum Buch greifen.
Doch ein echtes Monster steht plötzlich vor der Türe – die KI. Die schreibt auch Bücher, wenn sie soll. Wie die zu erkennen sind, weiß Maria Rupprecht nicht – sie hofft auf fehlende Qualität und aufmerksame Leser, um das Buch vor meuchelnder KI zu retten.
Die Bücher, die empfohlen wurden
Veronika Volkner empfahl folgende Bücher: „Wovon wir leben“ von Birgit Birnbacher (Verlag btb, 14 Euro) – „Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes“ von Gulia Becker (Rowohlt-Verlag, 24 Euro). Vor allem das zweite Buch klingt nach Süßem: Es beinhaltet humorige Kurzgeschichten rund um den Urlaub, die zwischen Strand und Büfett passen.
Anna-Lena Weber besprach das Buch „Himmel ohne Ende“ von Julia Engelmann (Diogenes Verlag, 25 Euro). Es sei mehr als ein Jugendbuch, auch wenn die Hauptperson erst 15 ist. Es gehe um Freundschaft und Erwachsenwerden, habe viel Gefühl und Tiefe: „Es zu lesen, war ein tolles Erlebnis“.
Evi Heitzer setzt auf drei Bücher, die sie beeindruckt haben: „Die Verlorene“ von Miriam Georg (Fischer Verlag, 24 Euro), „Was der Morgen bringt“ von Eva Ibbotson (Kampa Verlag 16 Euro), „Wir werden jung sein“ von Maxim Leo KiWi Verlag 13 Euro. Es sind keine süßen Geschichten, die die beiden ersten Bücher beinhalten. Beide umfassen Emotionen und Dramatik. Das erste dreht sich um Flucht und Vertreibung, das zweite Buch entführt die Leser in die 30er Jahre des 20. Jahrhundert, in eine Familiengeschichte, ebenfalls über Flucht und Entwurzelung. Da bleibt Maxim Leo, der eine verrückte Geschichte ums Jüngerwerden geschrieben hat.
Wanda Pötschke empfahl „Der Gott des Waldes“ (C.H. Beck Verlag, 26 Euro), Confession Room von Lia Middleton (Piper Verlag, 17 Euro), „Die Sterne leuchten nur für uns“ von Virginie Grimaldi (Penguin Verlag, 17 Euro). Das erste ist ein spannungsgeladener Thriller, fesselnd bis zur letzten Seite: „Ich habe es in einem Rutsch gelesen!“ Auch das zweite ist ein spannender Thriller, das dritte Buch handelt von einer Romanreise zu den Polarlichtern, das viel Spaß mache.
Maria Rupprecht hat gleich acht Bücher auf ihrer Liste: „Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen“ von Navis Kermani (C.H. Beck, 20 Euro) „How to do Nothing with Nobody All Alone by Yourself“ von Robert Paul Smith (Hanser Verlag, 20 Euro), „Die Passantin“ von Nina George (Kein+Aber Verlag 26 Euro), „Dunkle Momente“ von Elisa Hoven (SW. Fischer Verlag, 22 Euro), „Der dunkle Sommer“ von Vera Buck (Rowohlt Verlag, 17 Euro), „Wie Risse in der Erde“ von Clare Leslie Hall (Piper Verlag, 24 Euro), „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ von Henning Süßebach (C.H. Beck Verlag, 23 Euro), „Opas Engel“ von Jutta Bauer (Carlsen Verlag, 16 Euro). Nur eines sei hier herausgegriffen, für alle die, die einen Weg zum Nichtstun suchen: Das Buch mit dem langen, englischen Titel bietet eine köstliche Anleitung dazu. „Eine Perle der Literatur“, sagt Maria Rupprecht. Damit könne man alles vergessen.