Furth im Wald will Videoüberwachung für Parkarena, Hofer-Insel und Sportpark

Von Alexander Frimberger · 1. November 2025 um 19:00

Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen in Furth im Wald. Ein schwieriges Thema, das am Donnerstagabend im Stadtrat diskutiert wurde. Mit Blick auf die Parkarena war man sich einig: Sie ist anfällig für Vandalismus und muss geschützt werden.

Im Zuge der Landesgartenschau hat mit der Parkarena, der Hoferinsel und dem Sportpark Mühllehen/Pumptrack eine umfassende Neugestaltung in Furth im Wald stattgefunden, heißt es in der Sitzungsvorlage. Weiter wörtlich: „Hierzu wurde mit tatkräftiger Unterstützung der Fördergeber ein enormes Investitionsvolumen getätigt.“ Nach Abschluss der Rückbauarbeiten auf dem Landesgartenschaugelände sind alle angesprochenen Bereiche frei zugänglich.

Taten schneller aufklären

In Absprache mit der Polizei und unter Hinzuziehung des Datenschutzbeauftragten des Landkreises Cham wurden bereits erste Eckpunkte für eine Videoüberwachung abgesteckt. Mit der Maßnahme sollen Möglichkeiten zur Aufklärung von Straftaten geschaffen werden. Sie dient außerdem zur Prävention und Abschreckung und trägt dazu bei, das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken. In der Stellungnahme der Polizeiinspektion Furth im Wald heißt es, die Videoüberwachung erleichtert die beweiskräftige Strafverfolgung der sogenannten Straßen- und Rauschgiftkriminalität. Ordnungsamtsleiter Toni Lauerer führte dazu aus, dass in den Jahren 2020 bis 2025 im Stadtgebiet Furth im Wald 140 Fälle im Stadtgebiet erfolgt sind. Außerdem sollen die Kameras auch zur Abschreckung dienen. „Wenn potenzielle Täter Angst haben, erwischt zu werden, stellen sie nicht so viel an“, fasste er zusammen.

In der Nachbarstadt Bad Kötzting wird der Kurpark seit einige Jahren mit Kameras überwacht. Ob die abschreckende Wirkung haben, kann der Geschäftsleitende Beamte Karl-Heinz Lummer nicht mit Sicherheit sagen. Definitiv richtig sei aber, dass „sie uns für die Aufklärung von Straftaten sehr oft geholfen haben.“ Nicht jede Stelle im Park sei ausgeleuchtet, aber irgendwann renne jeder Täter mal durchs Bild.

Überwachungskameras im Einsatz - Foto: Peter Kneffel /dpa

In Furth will man mit Tafeln auf die Kameras hinweisen. Datenverarbeitung erfolgt nur bei strafrechtlich relevantem Verhalten, nach sieben Tagen werden unverdächtige Aufzeichnungen gelöscht. Einigkeit herrschte bei allen Stadträten, dass die Parkarena besonderen Schutz benötigt. Oskar Mühlbauer regte auch einen Zaun zum Schutz an. Darüber werde bereits nachgedacht, bestätigte Bürgermeister Sandro Bauer. Trotzdem sind einige Bereiche der Konstruktion, zum Beispiel die Dachmembran, extrem vulnerabel. Anders sieht das Stadtrat Stefan Zeller in Bezug auf die beiden anderen Objekte, die im zweiten und dritten Schritt mit Kameras ausgestattet werden sollen. „Für uns ist das wahllos. Bei den 140 Straftaten sind auch Böller dabei.“ Sind die Hofer-Insel und die Sportstätten wirklich Hotspots, fragte er in die Runde. Wie sieht es mit anderen Bereichen in der Stadt aus? Grundsätzlich habe er kein gutes Gefühl, wenn Spiel- und Sportstätten überwacht werden. „140 Taten ist nicht nichts“, so der Rathauschef. Gerade bei der Pumptrack-Anlage oder bei Spielplätzen gehe es aber auch darum, Menschen zu schützen. Es wäre fatal, wenn sich in den angesprochenen Bereichen Leute aufhielten, die sich für die Angebote gar nicht interessierten, und sich dafür andere nicht mehr trauten, sie zu nutzen. Silke Schell fragte nach, ob die Überwachung auf den Spielplatz Drachenei erweitert werden könnte. Sie befürchtete eine Verlagerung des Problems. Grundsätzlich sei das möglich, antwortete Bauer. Im Moment gebe es aber diesbezüglich keine Planungen.

Mehrheit stimmt dafür

Auf Vorschlag von Zeller wurde der Beschlussvorschlag zweigeteilt. Der Videoüberwachung Parkarena stimmten alle Räte zu. Für die beiden anderen Objekte gab es zwei Gegenstimmen.

Kommentar: Zu viel Überwachung?

Als junger Mann habe ich George Orwells Roman 1984 gelesen. Zur damaligen Zeit war Big Brother noch kein TV-Trashformat, bei dem sich Normalos oder C-Promis in einen mehr oder weniger gut ausgestatteten Wohncontainer sperren und freiwillig beobachten lassen, sondern eine sich ziemlich realistisch anfühlende Dystopie eines Überwachungsstaates.

Mein Misstrauen gegen alles, was nach Überwachung riecht, ist seither groß. Andererseits leben wir heute in verrückten Zeiten, in denen sich viele auf Facebook und anderen Plattformen „nackt“ machen und hemmungslos aus dem Privatleben posten, sich also freiwillig der Überwachung preis geben. Und wir schreien „Hurra“, wenn das Bargeld abgeschafft werden soll.

Dann wird nicht nur die Bezahlung ganz easy, wie man Neudeutsch sagt, sondern auch die Überwachung, weil, das prophezeie ich, im nächsten Schritt alle persönlichen Daten sowie die Krankheitsgeschichte auf der Karte oder dem Chip unter der Haut gespeichert werden. Demgegenüber stehen Kameras, welche die Parkarena, die Hofer-Insel und den Sportpark Mühllehen schützen sollen.

Die Bilder, die eingefangen werden, werden nur dann angesehen, wenn etwas passiert ist, bei dem die Polizei ermitteln muss. Nach sieben Tagen werden die Aufzeichnungen gelöscht. So weh es tut, heutzutage, wo die Gesellschaft gefühlt immer rücksichtsloser wird, das Eigentum anderer häufig nichts mehr zählt, ist das eine Maßnahme, die notwendig und richtig ist.