Der „Krippenwastl“ aus Abensberg war ein Marketinggenie

Der Heilige Ägidius und seine Hirschkuh: Veronika Wimmer hält die Statue in ihren Händen. Sie ist nur eines der vielen Exponate, die in der Sonderausstellung ihren Platz bekommen werden. „In den letzten beiden Wochen vor einer Ausstellungseröffnung ist immer Chaos pur“, sagt Museumsleiterin Wimmer. Am 7. November wird die Sonderausstellung„Abensberg und seine Krippen“ eröffnet und bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. „Noch ist das Museum eine Baustelle“, sagt sie lächelnd. Die erste Ausstellung seit ihrer Rückkehr nach Abensberg ist für Wimmer aber etwas ganz Besonderes und umso mehr freut sie sich auf die Eröffnung.
Heuer feiert der Krippen- und Kapellenverein St. Ägidius sein 25-Jähriges. Eine zum 20-Jährigen geplante Sonderausstellung fiel Corona zum Opfer. „Die Ausstellung damals war fertig geplant. Aber diese jetzt ist dann doch ein bisschen anders“, so Wimmer. In der Ausstellung will sie zeigen, was den Verein ausmacht. Denn ursprünglich wurde er gegründet, um die so genannte Kaiserkrippe von Sebastian Osterrieder zu erwerben.
Unbekannter Osterrieder
Und damit spannt sich auch der Bogen zum zweiten Teil der Ausstellung. Denn die widmet sich eben dem Schaffer der Kaiserkrippe, Bildhauer Osterrieder selbst. Seine Krippe wird im Übrigen in der Ausstellung selbst nur eine Nebenrolle spielen. Sie steht im vierten Obergeschoss des Museums, dort wird sie auch während der Ausstellung bleiben. Denn zum Einen wäre der Transport zu heikel und zu aufwändig. Jeder Museumsbesucher kann sie ja, wenn er will, anschauen, so Wimmer. Und zum anderen will die Sonderausstellung auch den Blick auf die Aspekte Osterrieders lenken, die vielleicht nicht jedem so geläufig sind.

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Was Osterrieder beispielsweise mit der Landshuter Hochzeit zu tun hatte, werden nur wenige wissen. Gäste dürfen sich auch auf das eine oder andere Einzelexponat von ihm jenseits der Krippenkunst freuen. Dass der „Krippenwastl“ durchaus auch ein umtriebiger Geschäftsmann war, der sein Werk zu vermarkten wusste, davon zeugt unter anderem ein Musterbuch, ähnlich eines Katalogs, das in seiner Werkstatt auslag. Wimmer hat es aus dem Depot geholt und wird es in der Ausstellung zeigen.
Dass er auch mehrmals beim Papst war und warum, auch das erfahren die Besucher der Ausstellung. „Ich will die Besucher einfach ein bisschen überraschen“, so Wimmer. „Das ist es, was so Spaß macht, dass man eine Sammlung von einem anderen Standpunkt aus ansieht, wenn man eine Ausstellung plant. Man denkt, man kennt die Sammlung und findet dann ein Objekt mit einem neuen Aspekt, über den man noch nicht nachgedacht hat“, sagt Wimmer. Die Sonderausstellung wird auch von einem Rahmenprogramm flankiert (siehe unten). Und weil nach der Ausstellung vor der Ausstellung ist, hat Wimmer schon die nächsten Ausstellungen im Hinterkopf. Im nächsten Jahr, am 17. Juni, eröffnet die Ausstellung über 100 Jahre Heimatverein.
2027 ist Aventinusjahr
Auch, dass der Herzogskasten dann sein 20-Jähriges feiern kann, fließt mit ein. „Es gab schon erste Gespräche und grobe Ideen habe ich auch schon im Kopf“, so Wimmer. 2027 ist dann Aventinusjahr – da wird sein 550. Geburtstag gefeiert, ein guter Anlass also für eine weitere Sonderausstellung. „Das sind dankbare Themen, für die sich die Abensberger hoffentlich auch interessieren, Themen, die nahe genug am Menschen dran sind“, hofft Wimmer. Dabei immer auch Aspekte zu finden, die noch nicht so bekannt sind, das ist die Kunst bei der Konzeption von Ausstellungen.
Ausstellung „Abensberg und seine Krippen“ mit „Aha-Effekt“
Ausstellung: Die Ausstellung wird am 7. November um 19 Uhr im Herzogskasten eröffnet. Sie ist zu den Öffnungszeiten, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Gut verbinden lässt sie sich mit einem Besuch am Christkindlmarkt.
Rahmenprogramm: Bei der Kuratorenführung mit der Museumsleiterin Veronika Wimmer am 9. November um 11 Uhr, gibt es auch Infos, die es nicht in die Ausstellung geschafft haben.
Beim Erzählcafé am 29. November um 14 Uhr erzählt Peter Hübl, Mitbegründer des Krippen- und Kapellenvereins von den Gründungstagen.
Ein Kreativangebot in Kooperation mit der Kunstschule „Bilderbude“ für Kinder findet am 30. November ab 10 Uhr im Herzogskasten und am 13. Dezember, ebenfalls um 10 Uhr, speziell für Erwachsene statt. Man braucht keine Anmeldung.
Und bei den KunstMomenten im Haus in der Mauer wird es ebenfalls weihnachtlich: Vernissage ist am 14. November um 19 Uhr. Die Ausstellung ist dann am 15., 16., 22. und 23. November, jeweils von 11 bis 16 Uhr zu sehen.