Ein Ort der Religion und des Miteinanders: Neue Moschee in Neunburg eröffnet

Auf diesen Tag hat die islamische Gemeinde Neunburg lange hingearbeitet: Am Sonntagnachmittag wurde die neue Moschee an der Rötzer Straße eingeweiht. Es war auch ein religionsübergreifender Moment.
Die Sitzplätze im Foyer des Gebetshauses reichten nicht aus, so groß war der Andrang. Neben zahlreichen Gemeindemitgliedern waren auch eine Reihe von Ehrengästen zur Einweihung gekommen. So konnte Idris Abatay, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde, unter anderem Fatma Tasan Cebeci, die Generalkonsulin der Türkischen Republik in Nürnberg, sowie Ugur Cankurt, Regionalvorsitzender Nordbayern des DITIB-Landesverbandes, begrüßen. Aber auch von anderen Religionen und weltlichen Organisationen waren Gäste gekommen – so der katholische Pfarrer Stefan Wagner, sein evangelischer Amtskollege Gerhard Beck, Bürgermeister Martin Birner (CSU) und Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt.
Werte verbinden - unabhängig von Herkunft oder Religion
„In einer Zeit, in der viele Menschen – auch hier bei uns – Fragen stellen über Zugehörigkeit, Identität und Einfluss von außen, ist es umso wichtiger, dass wir Räume schaffen, in denen Vertrauen wachsen kann“, fand Neunburgs Rathauschef. Neunburg stehe nach seinen Worten für ein friedliches Miteinander, für Offenheit und für die Werte des demokratischen Gemeinwesens. „Diese Werte verbinden uns – unabhängig von Herkunft oder Religion“, fügte Birner hinzu.
Gleichzeitig ließ er nicht unerwähnt, dass es in der Gesellschaft auch Sorgen gebe, etwa über politischen Einfluss aus dem Ausland auf islamische Gemeinden. Birner spielte damit auf Diskussionen im Neunburger Stadtrat bezüglich der neuen Moschee an. „Aber diese Sorgen dürfen uns auch nicht voneinander entfremden“, fand der Bürgermeister. Entscheidend sei, dass man in Neunburg gemeinsam Verantwortung übernehme für ein gutes Zusammenleben, für gegenseitigen Respekt und für ein starkes Miteinander, das auf Vertrauen und Dialog basiere. „Ich bin überzeugt: Wenn wir einander zuhören, wenn wir uns begegnen – wie heute –, dann wächst das, was uns verbindet“, so Birner. Dass es ein gutes Miteinander gebe, bestätigte auch Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt. Die Treffen mit den Vertretern der islamischen Gemeinde bezeichnete er als „gewinnbringend“. Es sei eine „tolle Zusammenarbeit“.
Ich bete darum, dass die Moschee sowohl der Bevölkerung von Neunburg als auch der muslimisch-türkischen Gemeinschaft Segen und Wohlergehen bringt.Necmeddin Saydan, Vertreter der türkischen Religionsbehörde Diyanet der Stadt Nürnberg
Der Wille für ein gutes Miteinander sei bei der islamischen Gemeinde da, bekräftigte der DITIB-Regionalvorsitzende Ugur Cankurt. Man sehe sich nicht mehr nur als Gastarbeiter, sondern sei ein Teil der Gesellschaft, zu der man „versuche, jeden Tag etwas beizutragen“. Neunburg bezeichnete er ganz bewusst als „unsere Stadt“.
Und in der Pfalzgrafenstadt zählt die islamische Gemeinde nach eigenen Angaben etwa 100 Mitglieder. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren gewachsen. Dies sei einer der Gründe für den Neubau der Moschee gewesen, hieß es vonseiten der Gemeinde. Entscheidend sei vor allem aber der Zustand des alten Gebetshauses gewesen. Baulich sei er den Gläubigen nicht mehr zumutbar gewesen, erklärte Bahattin Abatay.

Sanierung machte keinen Sinn
Zuerst habe die Gemeinde eine Sanierung der alten Moschee ins Auge gefasst. Nach einer genaueren Begutachtung des Statikers sei dann aber klar gewesen, dass eine Sanierung keinen Sinn mache. So sei man den Weg des Neubaus gegangen, so Abatay. Als Bauingenieur hatte er die Planung und Umsetzung des Projektes übernommen.
Das Vorhaben sei in relativ kurzer Zeit realisiert worden – zwischen dem Abbruchbeginn der alten Moschee und der Fertigstellung des Neubaus lag nur gut ein Jahr dazwischen. Der Neubau sei auch zu 100 Prozent privat finanziert worden, betont Abatay. Die Sponsoren hätten entweder Fachgewerke unentgeltlich übernommen oder die Kosten für bestimmte Bauleistungen bezahlt. Bei der Einweihung wurden die Sponsoren von der islamischen Gemeinde für ihre Unterstützung geehrt.

Bürgermeister Birner zeigte sich erfreut, die neuen Räumlichkeiten kennenzulernen. „Möge dieser Ort ein Ort des Friedens und der Freundschaft sein für heute und für kommende Generationen“, erklärte der Rathauschef. Ihm sei es jeden Tag wichtig, auch den Neunburgern mit Migrationshintergrund mit einem Lächeln und freundlich gegenüberzutreten.
Die neue Moschee soll viele Jahre „ein Ort bleiben, an dem Menschen in Freude, im Gebet, im Gespräch und in gegenseitigen Respekt zueinander finden“, wünscht sich Idris Abatay, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde Neunburg.
Um das angesprochene gute Miteinander unter Beweis zu stellen, konnten die Gäste nach dem offiziellen Teil bei kulinarischen Leckereien in der Schwarzachtalhalle ins Gespräch kommen. Die Halle war der islamischen Gemeinde kurzfristig von den Stadtwerken Neunburg zur Verfügung gestellt worden.

