Ringe oder ein Gebiss vom Friedhof: In Cham landen immer mehr Fundsachen bei Social Media

Ein Phänomen des Internets: Schnell mal ein Post, und alles ist gut. So ticken auch viele Chamer. Schlüsselbund gefunden? In eine Gruppe gestellt. Geldbeutel liegen gelassen? Ein Aufruf über online-Kanäle soll’s richten. Gut gemeint, aber: Ist das sinnvoll? Und: Ist das überhaupt erlaubt? Denn: Die meisten Menschen, die etwas verloren haben, fragen doch, wenn überhaupt, dann beim Fundamt nach.
In Cham ist das bei der Stadtverwaltung angesiedelt. Zwischen skurrilen Fundsachen wie Hörgerät, altem Gebiss und noch älteren Fahrrädern erklärt Petra Hofmann, was da so übers Jahr anfällt, und wie zumindest beim Fundamt doch immer wieder Suchende und Verlorenes zusammenfinden.
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Der Ring vom Katzbacher Edeka-Parkplatz sucht immer noch seinen Besitzer. Dabei hatten die Marktmitarbeiter über die sozialen Medien seit August versucht, Schmuckstück und dazu passenden Finger wieder zusammenzubringen. „Leider ohne Erfolg“, sagt eine Markt-Mitarbeiterin enttäuscht. Doch derartige Suchen übers Internet sind heute keine Seltenheit. In Ortsgruppen und privaten Chats finden sich immer wieder Fotos von aufgefundenen Gegenständen, deren Beisitzer der Finder auf diesem Weg zu finden hofft. „Reiner Zufall, wenn man auf diesem Weg tatsächlich weiterkommt“, findet Hofmann.
Fundsachen müssen abgegeben werden
Rechtlich ist es so, dass Fundsachen, die einen mutmaßlichen Wert von über zehn Euro haben, bei der zuständigen Behörde – Polizei oder örtliches Fundamt – innerhalb einer bestimmten Frist angezeigt werden. Wichtig: Eine Pflicht, die Fundsache dort abzuliefern, besteht nicht beziehungsweise nur auf Anordnung der Behörde hin. Nach sechs Monaten „erlangt der Finder das Eigentum an der Fundsache“, so die Rechtslage.

Nicht immer ist das schön. Das wird schnell klar, wenn man von Petra Hofmann hört, was denn so alles übers Jahr beim Fundamt abgegeben wird. Unter weit mehr als 200 Sachen finden sich da immer wieder uralte Fahrräder. „Die sind so verrostet, das glaubt man nicht“, wundert sich die Verwaltungsangestellte. Die Räder würden bis zur Entsorgung im Keller gelagert. Aber auch ein Gebiss, das auf dem Friedhof gefunden wurde, will anschließend nach Ablauf der sechs Monate niemand mehr haben. Brillen, Geldbeutel, Schlüssel, Autoschlüssel, ab und zu auch ein Handy finden sich im Fundbüro der Stadt Cham.
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„Es kommt schon viel zusammen in einem Jahr“, sagt Hofmann, die sich mit ihren Kollegen quasi nebenher um ie Fundsachen kümmert. Die Hoch-Zeit für Fundgegenstände ist übrigens im Sommer. „Das fängt mit dem Frühlingsfest an, und zieht sich aber über die ganze Festsaison“, weiß Hofmann. Jacken und Pullover werden in diesen Monaten besonders häufig abgegeben. „Und fast nie abgeholt, offenbar vermisst die niemand. Oder die Suche ist den Besitzern zuviel Aufwand, wer weiß.“
Turnbeutel sind bei den Verlustsachen in der Top Ten
Auch ziemlich häufig abgegeben: Turnbeutel, die an Bushaltestellen vergessen werden. „Da rufen dann aber die Eltern an und fragen nach“, weiß Hofmann, die bei aller Arbeit, die sie mit den Fundsachen hat, auch Freude daran hat, wenn man doch jemandem wieder zu seinem verlorenen Gegenstand verhelfen kann. „Ich erinnere mich an ein teures Hörgerät, das wir wirklich dem Beisitzer wiedergeben konnten. Der hat sich so gefreut.“
Und was passiert mit all den Sachen, die nicht abgeholt werden? Die Stadt hat nicht das Personal dafür, für die Dinge eine Versteigerung zu organisieren, wie es in größeren Städten gemacht wird, oder die Fundsachen zu sortieren und irgendwelchen sozialen Zwecken zukommen zu lassen. Hofmann: „Nicht abgeholte Sachen werden entsorgt.“