Risiko „hoch“: Vogelgrippe erreicht neues Ausmaß – So rasant nehmen die Fälle zu

Von Antonia Herzinger · 25. Oktober 2025 um 05:00

Seit Mitte Oktober haben die Fälle von Vogelgrippe in Deutschland rasant zugenommen. Betriebe müssen Hunderttausende Tiere töten. Landwirtschaftsminister Alois Rainer stellt nun höhere Entschädigungen in Aussicht.

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400.000 Tiere sind der Vogelgrippe in Deutschland in diesem Jahr schon zum Opfer gefallen. Etwa 2000 davon sind wilde Kraniche; die Zugvögel verbreiten das Virus auf ihrem jährlichen Flug gen Süden in ganz Deutschland, bevor sie verenden. Der große Rest sind Hühner, Gänse, Enten und Puten in landwirtschaftlichen Betrieben, die vorsorglich getötet werden mussten, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Für Landwirte eine Katastrophe. Am Donnerstagabend hat Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) deshalb mit den Agrarministern der Länder über die Situation beraten. Zukünftig sollen höhere Entschädigungen für Tiere möglich sein, die auf Anordnung getötet werden mussten.

Friedrich-Löffler-Institut stuft Risiko der Weiterverbreitung als „hoch“ ein

Laut dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI), hat die Vogelgrippe in Deutschland in diesem Jahr ein Ausmaß angenommen, das man so bisher nicht kannte. Besonders seit Mitte Oktober haben die gemeldeten Fälle rasant zugenommen. Das Risiko für die Weiterverbreitung, sowohl unter Wildtieren als auch in Geflügelhaltungsbetrieben, wird mittlerweile als „hoch“ eingestuft. Bei zur Untersuchung eingesandten Tierkadavern hat das FLI die Infektion mit der besonders ansteckenden Variante des Vogelgrippe-Virus H5N1 bestätigt.

Bisher verbreitete sich die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, vor allem im Norden und im Osten Deutschlands. In Mecklenburg-Vorpommern mussten bereits 150.000 Legehennen getötet werden, in Niedersachsen zuletzt allein in zwei Betrieben 20.500 Puten. Am Donnerstag meldete dann auch ein Betrieb südlich von Stuttgart, dass 15.000 Tiere gekeult werden mussten, weil sich das Virus ausgebreitet hatte. In Bayern waren bisher nur 3000 Vögel betroffen.

Alois Rainer zeigte sich am Freitag in Berlin besorgt. „Oberste Priorität ist, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, Tiere zu schützen und Schäden für unsere Land- und Lebensmittelwirtschaft abzuwenden“, sagte er der Mediengruppe Bayern. Für die entsprechenden Maßnahmen sind allerdings die Länder zuständig. Diese unterstütze der Bund durch das FLI, das Ausbrüche untersucht und mit wissenschaftlicher Expertise berät.

Rainer: „Wer Tiere keulen muss, darf mit Folgen nicht allein gelassen werden“

Rainer stellte zumindest höhere Entschädigungen in Aussicht. „Wer seine Tiere keulen muss, darf mit den Folgen nicht allein gelassen werden“, sagte er weiter. Bisher können landwirtschaftliche Betriebe je nach Tierart maximal 50 Euro geltend machen. Das Bundesministerium hat bei der EU beantragt, die Obergrenze von Entschädigungszahlungen auf bis zu 110 Euro zu erhöhen, weil bestimmte Tiere entsprechend mehr wert seien. Das Gesetzgebungsverfahren laufe noch.

Die reine Zahl der bisherigen Ausbrüche ist laut Rainer dabei gar nicht ungewöhnlich. Die Krankheit ist mittlerweile ganzjährig verbreitet. Besorgniserregend sei jedoch die Geschwindigkeit, die die Verbreitung in den vergangenen Wochen aufgenommen hat.

Christa Kühn, Präsidentin des FLI, vermutet, die neue Dynamik habe mit dem Zeitpunkt des Vogelzugs, mit dem derzeitigen Wetter und den Zugrouten zu tun. Noch sei es allerdings nicht zu spät. „Wir sind nicht in einer Situation, in der wir sagen, alles ist außer Kontrolle geraten“, sagte Kühn der Nachrichtenagentur Reuters. Die Behörden appellieren an Geflügelhalter, zur Eindämmung der Krankheit die Hygieneregeln penibel umzusetzen.

Während die Vogelgrippe für die betroffenen Tiere meist tödlich verläuft, ist sie für Menschen in der Regel ungefährlich. Laut FLI besteht derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung. Trotzdem sollte der Kontakt zu toten Vögeln in jedem Fall vermieden werden. Über Lebensmittel kann das Vogelgrippevirus laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nicht übertragen werden. Fleisch sollte gut erhitzt und Eier vor dem Verzehr gekocht werden, bis Eiweiß und Eigelb fest sind.