Juradistl-Projekt: Burglengenfeld untermauert seinen Status als Schwerpunktgemeinde

Von Thomas Rieke · 22. Oktober 2025 um 19:00

Mit dem Biotopverbund-Projekt Juradistl stand kürzlich ein Thema auf der Tagesordnung des Bau- und Umweltausschusses, das vielen vertraut erschien. Aber: Es gab doch eine Überraschung, die für Irritationen sorgte und über die sogar im Nachgang gerätselt wurde.

Die Verwaltung hatte den Räten ans Herz gelegt, zu beschließen, dass die Kommune in dem Projekt künftig als „Schwerpunktkommune“ des Landkreises Schwandorf auftritt. Die Mandatsträger wollten sich dem nicht verschließen. Denn im Grunde hält jeder die auf den Weg gebrachten oder bereits umgesetzten Maßnahmen für sinnvoll.

Aber: Den Unterlagen konnten die Räte auch entnehmen, dass Burglengenfeld längst als Schwerpunktgemeinde auserkoren worden war. Im April 2024 war dies bei einer „Auftaktveranstaltung“ im Rathaus so geschehen. Der Text dazu ist noch heute im Internet problemlos zu finden.

Den Reaktionen im Ausschuss nach zu schließen, hatten die Mandatsträger die Benennung seinerzeit nicht mitbekommen. Sogar BWG-Sprecher Gregor Glötzl, der sich gewöhnlich für Projekte dieser Art brennend interessiert, zeigte sich erstaunt. Er begrüßte den Status der Stadt jetzt umso mehr und stimmte der nachträglich gewünschten Beschlussfassung zu. Auch all seine Kollegen taten dies, wenn auch nicht in jedem Fall mit uneingeschränkter Begeisterung.

Ein riesiger Naturraum, der vier Landkreise tangiert

Zuvor hatten Silke Lohr als Vertreterin des Landschaftspflegeverbands Schwandorf und Thomas Schwarz als Geschäftsführer des Regenstaufer Fachbüros Landimpuls weit ausgeholt, um das Projekt im Allgemeinen noch einmal in Erinnerung zu rufen und typische Maßnahmen zu skizzieren.

Die Kampagne umfasst einen gesamten Naturraum von rund 170 000 Hektar Größe: die Haupteinheit des mittleren Franken und weite Teile des Oberpfälzer Jura in den Landkreisen Regensburg, Schwandorf, Amberg und Neumarkt. Wesentliche Bestandteile sind der Aufbau eines Biotopverbunds, das Engagement in der Umweltbildung und die Partnerschaft mit Landwirten und Metzgern, Fischwirten und Gastronomen in der Region. Exemplarisch dafür wurde das Gasthaus Zu den 3 Kronen von Familie Augustin genannt, das seit 2006 das Juradistl-Lamm auf der Speisekarte führt und seit längerem auch Gerichte mit Juradistl-Weiderind.

In jedem beteiligten Landkreis, so berichtete Silke Lohr, sollte sich eine Kommune als Schwerpunktgemeinde engagieren. Für jedes Kreisgebiet würden spezielle Maßnahmen vorgeschlagen und sukzessive umgesetzt. Dabei profitiere man von großzügiger Förderung durch den Freistaat, ergänzte Thomas Schwarz. Für Burglengenfeld sei das Projekt bisher weitgehend kostenneutral verlaufen.

Zuschusskürzungen sind nicht auszuschließen

Allerdings würden die Zuschüsse jeweils nur für Zeiträume von vier Jahren gewährt. Die aktuelle Projektphase erstrecke sich bis einschließlich 2026. Wie es dann weitergehe, müsse sich erst zeigen, meinte Schwarz. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage im Land, sei nicht auszuschließen, dass die Zuwendungen gesenkt würden. An ein völliges Versiegen der finanziellen Unterstützung, wie es in Teilbereichen schon einmal zu verkraften gewesen sei, glaubt Schwarz aber nicht. Die Verantwortlichen seien sich darüber im Klaren, dass die Folgen für das Landschaftsbild und die Artenvielfalt gravierend wären.

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Zu den bekanntesten Pflegemaßnahmen im Rahmen des Projekts dürfte die Beweidung von Magerrasen zählen. In Burglengenfeld gibt es dafür am Kreuz- und am Burgberg bewährte Beispiele. Zuletzt wurden auch die Streuobstbestände verstärkt ins Visier genommen. Sie wurden kartiert und bewertet. Außerdem wurde für kontinuierliche Schnitte geworben, die nötig sind, um die Bestände langfristig zu erhalten.

Für die „Insekten-Autobahn“ muss nachgebessert werden

2024, so war dem Vorlagebericht zu entnehmen, konnte östlich von Pilsheim entlang einer Straße ein landkreisübergreifendes Projekt in Angriff genommen werden. Ziel war es, Randstreifen und Gräben nicht mehr wie üblich lediglich zweimal im Jahr zu mulchen, sondern das Grüngut abzutransportieren. Damit sollte die Grundlage für eine blühende Böschung und eine „Insekten-Autobahn“ geschaffen werden.

Allerdings musste man bei der Umsetzung erkennen, dass das Gelände für die zur Verfügung stehenden Mähraupen zu steil ist. Folglich ist der gewünschte Erfolg noch nicht eingetreten. Man müsse nacharbeiten, heißt es.

Auch das Feuchtbiotop bei der Burglengenfelder Kläranalage haben die Projektmanager im Visier. Hier setzen sie sich dafür ein, durch eine Reduzierung des Schilfbewuchses die Verlandung zu stoppen. Über das weitere Vorgehen wird 2026/27 entschieden werden.

Mehr Chancen als Risiken für die Landwirte?

Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion und Landwirt, gab zu erkennen, dass er die Aktivität mit gemischten Gefühlen verfolgt. Für seinen Berufsstand dürften durch die Maßnahmen keine weiteren Nachteile entstehen, forderte er. Zu oft schon habe „die Politik“ den Bauern etwas übergestülpt, was ihnen dann Probleme bereitete.

Thomas Schwarz konterte, in der Praxis habe sich das Projekt für Landwirte immer wieder sogar als Chance erwiesen, weil sie beauftragt würden, Maßnahmen umzusetzen. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) ergänzte: Am Ende des Tages komme eine gesicherte Artenvielfalt auch den Agrariern zugute. Die Stadt wolle das Juradistl-Projekt weiter nach Kräften unterstützen.