Vom Bleisatz zum Newsdesk: Eine Zeitreise mit der Mittelbayerischen Zeitung

Ein Rückblick in Zeiten, in denen Schriftsetzer und Metteure eine zentrale Rolle spielten: Damals war der Mann, der den Bleisatz setzte, einer der wichtigsten für eine Zeitungsproduktion. Doch schon in den 60er Jahren setzte die Regensburger Verlegerfamilie Esser auf Innovationen und kooperierte beispielsweise mit IBM. Eine Zeitreise.
Das Bild, das den früheren MZ-Verleger Karl Heinz Esser mit Redakteuren der Zeitung zeigt, ist nicht nur historisch interessant. Es ist ein Stück Zeitungs- und Wirtschaftsgeschichte. Seit August 1949, als der Sohn des Gründer-Verlegers in die MZ eintrat und eine Ausbildung als Handsetzer, Buchdrucker und kaufmännischer Lehrling absolvierte, war klar: Die Firmengeschichte würde zwischen Tradition und Moderne geschrieben werden.
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Als Karl Esser mit 81 Jahren im August 1961 starb, stand die Belegschaft unter Schock. Und auch Karl Heinz Esser dürfte größten Respekt vor der Herausforderung seiner Zeit gehabt haben: In den großen Fußstapfen des Vaters stehend, musste er den Verlag zukunftsfähig machen. Dabei war es stets ein hohes Gut, das bis heute wesentlich für die Mittelbayerische ist: Die Glaubwürdigkeit der Zeitung stand für den Verleger stets im Mittelpunkt. Esser in einer Filmaufnahme im Wortlaut: „Das ist eine Sache der Glaubwürdigkeit und ich meine, Glaubwürdigkeit einer Zeitung entsteht vor Ort. Im lokalen, regionalen Raum hat der Bürger noch am ehesten die Möglichkeit, aus seinem Erleben heraus zu beurteilen, ob eine Zeitung zuverlässig berichtet.“
Glaubwürdigkeit zählt
Heute, in Zeiten von False und Fake News, ist genau dieses hohe Gut aktueller denn je. Aber, wie heute, so spielten auch in der Ära Karl Heinz Esser die Möglichkeiten der Technik eine große Rolle. Damit die MZ-Reporter ihre Geschichten schreiben konnten, mussten sie ihren Weg in die Zeitung finden. Und das gelang auch dadurch, dass Karl Heinz Esser stets zukunftsgewandt dachte.
„Die Leistung des jungen Verlegers, er war schließlich gerade mal 30 Jahre alt, erscheint selbst im Rückblick bemerkenswert“, heißt es in einem Film, den die Mittelbayerische vor zehn Jahren, zu ihrem 70. Geburtstag, produzieren ließ. Denn neben den verlagspolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen musste der Unternehmer auch technologische Weichen stellen. „Und gerade auf diesem Feld wurde Karl Heinz Esser mit seinem Team um Josef Soller deutschlandweit zu einem Pionier. Bereits früh beginnt sich die Technik, die die Zeitungsherstellung sehr dominiert, zu verändern“, hieß es im Film weiter. Jede Zeile wurde in den 60er, 70er und 80er Jahren aus dem Setzkasten per Hand gesetzt. Die Redakteure standen Schlange.
„Der Redakteur hat auf einer Schreibmaschine, manchmal sogar handschriftlich auf einem Zettel über ein Ereignis geschrieben – und hat es dann zum Setzer gebracht“, erinnert sich Gerd Otto, der zunächst bei der Konkurrenz der MZ, dem Regensburger Tagesanzeiger, ein Volontariat absolviert hatte. Von 1985 bis 2005 war Otto Chefredakteur der MZ. Auch er kann Zeitungsgeschichte schildern: „Die Setzer waren unsere besten Freunde damals.“ Und: „Der Metteur war der Meister jeder Zeile, denn jedes Zeichen in der Zeitung war ein Stück Blei.“ Er machte den sogenannten Umbruch, die Redaktion musste damals aus der Maxstraße in die Kumpfmühler Straße eilen und dort die Zeitung umbrechen.
Esser machte sich mit seiner Redaktion auf, bei den Innovationen der Branche mit dabei zu sein. In den 50er Jahren kam der TTS-Satz, das Erfassen von Texten über Perforatoren. Doch wie seine Nachfolger Peter und Thomas Esser innovativ werden mussten, als das Internet die Medienbranche revolutionierte, so sorgte ihr Vater Karl Heinz Esser für eine Innovation in der MZ, die in der Medienlandschaft der Bonner Republik für Aufsehen sorgte: 1965 kooperierte er mit IBM bei der Weiterentwicklung des Computersatzes. Mit diesem System, das die Silbentrennung ebenso beherrschte, wie es den damals nötigen Zeilenausschluss an den Setzmaschinen steuerte, wurde von Regensburg aus ein innovativer Akzent für die gesamte Branche gesetzt.
Legendär ist beispielsweise die Erfindung des Worts „Chopper“ für den angeblichen Geist aus der Zahnarztpraxis in Neutraubling, der allerdings als Fake enttarnt wurde.
Zeitgleich kaufte Esser eine alte SPD-Wochenzeitung, die zum Boulevard-Aushängeschild werden sollte: Die Woche. In ihren Hochzeiten produzierte das Blatt die Schlagzeilen, über die man in der Stadt redete. Legendär ist beispielsweise die Erfindung des Worts „Chopper“ für den angeblichen Geist aus der Zahnarztpraxis in Neutraubling, der allerdings als Fake enttarnt wurde.

Beim Verkauf der Mittelbayerischen Zeitung an die heutige Mediengruppe Bayern übergab die Familie Esser eine starke Redaktion, die offen für die technischen Herausforderungen der Gegenwart ist.
Zeitung im Computersatz
Heute gibt es keine Metteure mehr. Die „CSP“, die Computer Satz Passau, hat das Heft des Handelns übernommen. Die CSP übernimmt dabei nicht nur die Gestaltung von Anzeigen. Zentral ist die Planung des Zeitungsprodukts. Hier werden die Anzeigen- und die Redaktionsplätze zusammengeführt. Sie legen die Umfänge der Ausgaben fest, teilen den Redaktionen mit, welche Plätze sie mit Inhalten befüllen können, und sorgen auch für den reibungsfreien Ablauf zwischen Redaktion, Anzeigensatz und Druckerei. Was dort geschieht, ist eine andere Geschichte – siehe folgende Seite.