Automatenläden: Mit 24/7 soll wegen Anwohner-Beschwerden bald Schluss sein in Regensburg

Die Stadt Regensburg will die Öffnungszeiten der personallosen Mini-Supermärkte an Sonn- und Feiertagen einschränken, um die Anwohner zu entlasten. Die Betreiber der Automatenläden laufen Sturm dagegen.
Sonntags, 16.30 Uhr, Obermünsterstraße. Hier gibt es zwei Automatenläden – und beide bleiben nie lange leer. Die Leute holen sich eine Apfelschorle, eine E-Zigarette oder etwas Süßes. Bald soll das um diese Uhrzeit nicht mehr möglich sein: Die Stadt will die Möglichkeit im neuen bayerischen Ladenschlussgesetz, die Öffnungszeit an Sonn- und Feiertagen zu beschränken, voll ausschöpfen.
Die Stadt schlägt am Donnerstag dem Stadtrat vor, dass die personallosen Mini-Supermärkte am Sonntag und vor Feiertagen nur von 8 bis 16 Uhr öffnen dürfen. Dann wäre am Samstag um 24 Uhr Schluss. Und mit dem 24/7-Betrieb ginge es erst am Montag um 0 Uhr weiter. Zur Begründung heißt es, im Laufe des vergangenen Jahres seien immer wieder Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern über „Störungen der Nachtruhe, Lärmbelästigungen und Vermüllung der Umgebung durch diese personallos betriebenen Kleinstsupermärkte und Automaten(-läden)“ eingegangen. „Um dem berechtigten Interesse der Bevölkerung an Ruhe- und Erholungszeiten Rechnung zu tragen“, sollten die Öffnungszeiten nun eingeschränkt werden. Diese wären damit immer noch „angemessen“, um den Versorgungsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Sieben Läden im Zentrum
Das dürften einige Kunden anders sehen. Paul Zindler (19), hat am Sonntag mit seiner Freundin Platz genommen auf einer der Sitzgelegenheiten in der Obermünsterstraße. In der Hand hat er einen Energy-Drink aus dem Automatenladen. Die vorgeschlagenen Schließungszeiten findet er „schon doof“ – weil sie den Mini-Supermärkten das wegnähmen, was sie ausmacht. „Das sind genau die Prime-Zeiten.“ Er nutze die Automaten am Sonntagnachmittag oder -abend regelmäßig. Matthias Lutz (23) sagt über die geplante Einschränkung: „Ich fänd’s schon blöd. Weil ich genau zu den Zeiten hingehe, wo nichts anderes offen hat.“ Er hat am Sonntag einen Besucher aus Traunstein, mit dem er auf der Suche nach Snus-Tabak die Automatenläden der Altstadt abklappert. Sieben gibt es im Zentrum. Dazu kommen Mini-Supermärkte in den Stadtteilen und Einzelautomaten, wobei die neue Regelung die Letztgenannten nicht erfasst.
Was nachts vor dem Automatenladen an der Grünen Oase los ist, dem kürzlich von der Stadt wiederaufgebauten Treffpunkt, wissen Johanna Schmitt (28) und Johannes Bartl (29). Prinzipiell lehne sie die Läden nicht ab, sagt Schmitt: „Aber als Anwohnerin finde ich’s schlecht, weil die Leute die ganze Nacht laut sind.“ Sie seien bewusst ins Party-Viertel gezogen, aber bevor der Mini-Supermarkt eröffnete. Dann sei es losgegangen mit der Randale an der Grünen Oase. „Als der Automatenladen kam, fingen die Leute an, das nach und nach auseinanderzunehmen.“ Dass die Stadt nun die Öffnungszeiten reduzieren wolle, finde sie gut. „Ich fände mehr Einschränkungen besser.“ Bartl kritisiert, die Betreiber nutzten die Altstadtlage, ohne selbst etwas beizutragen dazu, dass es hier schön bleibt.
Betreiber fürchten Einbußen
Von Betreibern heißt es dazu, sie wären bereit, sich mehr einzubringen, das sei aber nicht gefragt. So sagt Denis Pintarelli, der vor elf Jahren in der Gesandtenstraße den ersten Automatenladen in der Altstadt eröffnete, die neue Regelung sei widersprüchlich. Die Stadt begründe diese unter anderem mit „Vermüllung“, gleichzeitig habe sie ihm Reinigungsarbeiten an Sonn- und Feiertagen untersagt. Auch widerspreche die geplante Einschränkung „komplett dem Grundgedanken eines 24-Stunden-Shops“. Er müsse dann um Mitternacht ein voll besuchtes Geschäft leeren. Die neuen Schließzeiten würden voraussichtlich Umsatzverluste von bis zu 20 Prozent bedeuten. Pintarelli betont: „In der Regel läuft bei uns alles ruhig und geordnet.“ Vandalismus sei nur ein- oder zweimal vorgekommen, Lärmprobleme habe es hauptsächlich während Corona gegeben, obwohl der Laden damals zu war – für Pintarelli ein Zeichen dafür, dass den Betreibern der Mini-Supermärkte vieles vorgeworfen werde, was das Nachtleben insgesamt mit sich bringt.
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Ähnlich argumentiert Timo Haardörfer. Er ist Geschäftsführer der Kette 24Sieben-Shop, die in Regensburg drei Filialen hat, und sagt: „Wenn die Stadt uns angesprochen hätte, würde man bestimmt eine Lösung finden.“ Er lasse juristisch prüfen, ob und wie er gegen die neue Regelung vorgehen könne, erklärt er. „Das könnte schon eine Existenzbedrohung darstellen.“
Die Vorgeschichte
Gesetzeslage: Bisher hieß es von der Stadt, ihr seien in Bezug auf Automatenläden die Hände gebunden, weil sie im Ladenschlussgesetz nicht auftauchten. Das neue bayerische Gesetz erlaubt eine Beschränkung der Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen auf minimal acht Stunden.
Stadtrat: Brücke-Stadtrat Florian Rottke hatte sich 2024 an die Regensburger Landtagsabgeordneten von CSU und Grünen mit der Bitte um Einschränkungen für Automatenläden gewandt. Morgen im Stadtrat ist eine Mehrheit für die zeitweise Schließung zu erwarten.