Sechs Jahrzehnte Verbundenheit: Amberg und französische Partnerstadt Périgueux feierten Jubiläum

Von Gerhard Spies · 21. Oktober 2025 um 17:00

Schon seit Jahresbeginn feiern die französische Stadt Périgueux und Amberg ihre seit 60 Jahren währende Freundschaft. Am Montagabend hatte die Stadt die französische Delegation in den historischen Rathaussaal zum großen Empfang geladen. OB Michael Cerny (CSU) erhielt dabei vom Bürgermeister der Partnerstadt eine besondere Auszeichnung.

Diese Partnerschaft zwischen Amberg, der „heimlichen Hauptstadt der Oberpfalz“, und Périgueux, der 2000 Jahre alten Stadt im Südwesten Frankreichs, geht auf die Freundschaft von zwei Männern zurück. Der Amberger Hans Kowar war Ende des Zweiten Weltkriegs als deutscher Strafgefangener auf einem Bauernhof der Familie des französischen Priesters Henri Cellerier bei Périgueux. Beide wurden Freunde und sind die Väter des Freundschaftsvertrags zwischen Amberg und Périgueux, der 1965 unterzeichnet wurde.

600 Jahre Geschichte

Der Festakt im historischen Rathaussaal am Montagabend war der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Jubiläum. „Dieser Rathaussaal hat eine über 600 Jahre währende Geschichte. Eine Geschichte, die nicht immer von Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich geprägt war. Diese Freundschaft hat aber die dunkle Geschichte überwunden“, erklärte Cerny.

Emeric Lavitola, der Bürgermeister von Périgueux, erinnerte daran, dass die Partnerschaft aus einem Akt der Brüderlichkeit entstanden sei. „Die Partnerschaft hat Generationen überdauert. Wir müssen unseren jungen Menschen die Lust auf diese Partnerschaft weitergeben“, betonte er.

Mit einer französischen Filmnacht hatten sie im Januar 2025 begonnen, mit einem Besuch der Amberger Delegation in Périgueux mit OB Cerny im Mai und einem Gegenbesuch der Gäste aus Frankreich im Juli fand die Feier ihre Fortsetzung. Seit dem 18. Oktober gastiert nun die französische Delegation mit Bürgermeister Emeric Lavitola in Amberg. Am Sonntag veranstaltete die Amberger Chorgemeinschaft mit dem Ensemble Vocal Périgueux gemeinsam ein Festkonzert im Stadttheater.

Das Herz der Partnerschaft

Zum Festakt im historischen Rathaussaal hatte die Stadt alle geladen, die Anteil daran haben, dass diese Partnerschaft seit Jahrzehnten mit Leben erfüllt wird. Zum Beispiel den „Freundeskreis Périgueux e.V.“, der seit fast 20 Jahren die deutsch-französischen Kontakte nicht nur auf amtlicher Ebene unterstützt. Ob die Betreuung von Praktikanten, die französische Filmnacht oder die Organisation von Frankreich-Fahrten, der Verein hilft immer.

Das Herz der Partnerschaft ist natürlich der Schüleraustausch. Schon 1962, drei Jahre vor Gründung der Partnerschaft, trafen sich Schüler aus beiden Städten zum Jugendaustausch. Seit dem Schuljahr 1997/80 unterhält das Erasmus-Gymnasium mit der 9. Jahrgangsstufe eine Partnerschaft mit dem Collège Clos-Chassaing in Périgueux. „Insgesamt sind es über eintausend Schüler, die seit 1979 am Austausch mit Frankreich teilgenommen haben“, erklärt Bernadette Spörer, Französisch-Lehrerin am EG.

Austausch in der Adventszeit

Sie betreut im Wechsel mit den beiden Kolleginnen Konstanze Schliereth und Karin Bender den Frankreich-Austausch. Auf französischer Seite organisiert Andrée Paré den Austausch. „Wir kommen immer zur Adventszeit nach Amberg. Unsere Schüler bewundern dann immer den Amberger Weihnachtsmarkt“, berichtet die Deutschlehrerin.

Seit einigen Jahren ist ein zweites deutsch-französisches Schulprojekt in Amberg entstanden. Die Dritt- und Viertklässler der Albert-Schweitzer-Grundschule stehen mit gleichaltrigen Schülern in Périgueux in Kontakt. „Zunächst hatten sie Steckbriefe über sich geschrieben und verschickt, dann einen Film über ihre Schule mit französischen Untertiteln gedreht und schließlich ihre Stadt vorgestellt“, berichtet ganz stolz Marion Weigl, die Schulleiterin.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten am Montagabend bekam Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny von seinem französischen Amtskollegen Emeric Lavitola ein ganz besonderes Gastgeschenk: Lavitola heftete Cerny die Ehrennadel „Marianne“ ans Revers - eine Auszeichnung, die in Frankreich nur Bürgermeister erhalten.