Einsam auf 1000 Quadratmetern: Was wird aus den Einfamilienhäusern in und um Regensburg?

Von Heike Haala · 20. Oktober 2025 um 17:00

220 neue Wohngebäude wurden laut statistischem Jahrbuch der Stadt 2022 in Regensburg fertiggestellt. 87 davon waren Einfamilienhäuser. Dem gegenüber stehen 73 Baumaßnahmen an bestehenden Wohngebäuden. Dieser Blick in die Tabelle zeigt, wie relevant der Traum von einem neuen Einfamilienhaus für viele ist. Wer aber so ein Gebäude hochzieht, muss sich später auch der Frage stellen, was daraus werden soll. Der widmen sich die Baukulturtage im Kulturraum M26.

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Für die mittlerweile vierte Ausgabe dieser Veranstaltungsreihe zeichnen sich Stephanie Reiterer von der Initiative Bauwärts, Sabina Sommerer vom Architekturkreis und Ulla Basqué von den Architects for Future verantwortlich. Die acht Veranstaltungstage zwischen 31. Oktober und 14. November laufen unter dem Titel „Wohnen neu denken! Vom Wandel bestehender Einfamilienhausgebiete“.

Diverses Bild soll wachsen

Während Vorträgen, einer Zukunftswerkstatt, Podiumsdiskussionen, einem Filmabend, einem Planspiel oder einer Fortbildung für Lehrer sollen dem Bild von einem Häuschen im Grünen neue Aspekte hinzugefügt werden. Denn die drei Frauen sind davon überzeugt, dass in vielen Gebäuden aus den 1950er- bis 1980er Jahren noch viel Potenzial steckt. Als Gebiete, in denen in Regensburg Einfamilienhäuser zu finden sind, zählen sie etwa den Stadtwesten, den Weinweg, die Konradsiedlung, Sallern, Königswiesen Süd oder Großprüfening auf.

Das Einfamilienhaus sei als Wohnform für Kleinfamilien für einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren ideal, erklärt Sommerer. Im Alter zwischen 40 und 60 Jahren müssten sich Menschen dann aber überlegen, wie sie im Alter wohnen sollen, denn mit 70 oder 80 sei es dann schwierig. Zudem gebe es viele Menschen auf der Suche nach Wohnungen und das Einfamilienhaus biete bei diesem Problem Raum für individuelle Lösungen.

Freuen sich schon auf die Baukulturtage: Sabina Sommerer vom Architekturkreis (v. l.), Ulla Basqué von den Architects for Future und Stephanie Reiterer von der Initiative Bauwärts - Foto: Haala

„Es geht nicht um einen Mangel an Wohnraum, sondern um einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum“, verdeutlicht Sommerer. 82 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland seien Einfamilienhäuser. Dieser Anteil decke sich mit dem Bestand in Regensburg. „In 60 Prozent davon leben aber lediglich ein bis zwei Personen“, sagt sie. Basqué sieht mehrere Probleme: Sie spricht riesige Grundstücke von bis zu 1000 Quadratmetern an, die zur Last werden könnten, notwendige Sanierungen und auch Einsamkeit im Alter.

Lösungsansätze dafür sollen während der Baukulturtage gefunden werden. Die Veranstaltungen richten sich an alle, die sich dafür interessieren. Deswegen hoffen die drei Frauen, mit der Ausstellung „Wohnen neu denken“, viele Passanten in den Kulturraum M26 zu locken, damit diese sich mit der Frage nach möglichen Zukunftsplänen für das Einfamilienhaus auseinandersetzen. Wer vor so einem Projekt steht, bekommt Informationen oder Anlaufstellen genannt, kündigen die Veranstalter an.

Wiesent als Vorzeigeort

Reiterer, Basqué und Sommerer fordern eine Art Anlaufstelle für die Stadt, den Landkreis oder die gesamte Region, die Habende und Suchende zusammenbringt sowie als Ansprechpartner fungiert – etwa bei Fragen der Finanzierung.

Als Gemeinde, die sich bereits auf den Weg gemacht hat, Lösungen für derlei Probleme zu finden, nennt Sommerer etwa Wiesent. „Dort sollen keine neuen Gebiete mehr erschlossen werden, sondern bestehende weiterentwickelt“, erklärt sie. Zudem zollt sie Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher Respekt dafür, weil sie sich allen Widerständen zum Trotz dafür entschieden habe, kein neues Rathaus zu bauen, sondern im Bestand zu sanieren. „Aber jetzt sind alle begeistert“, sagt Sommerer. Auch diese Geschichte soll eine Rolle bei den Baukulturtagen spielen.

Das Programm

• Eröffnung: Am 31. Oktober beginnt um 19 Uhr die Ausstellung „Wohnen neu denken“.

• Wohnraum: Am 5. November geht es von 15 bis 18 Uhr um neues Leben in Einfamilienhaus-Gebieten. Die Anmeldung zu einer Zukunftswerkstatt für Kommunen ist möglich unter laura.duran@ifeu.de. Ab 19 Uhr geht es um die Forschung des Instituts für Energie- und Umweltforschung und die Wohnraumagentur Göttingen. Es folgt eine Podiumsdiskussion über die Notwendigkeit einer Wohnraumagentur für die Region.

• Umbau: Am 6. November ist um 19 Uhr ein Vortrag über die europäische Bürgerinitiative für Sanierung. Zu sehen ist der Film „Wohn(t)räume“.

• Normen: Am 8. November starten um 16 Uhr ein Workshop und ein Planspiel zu Gender-sensiblen Wohnformen, Anmeldung unter kontakt@m26kultur.de. Um 19 Uhr ist der Vortrag „Perspektivwechsel: Patriarchale Strukturen in der Architektur“.

• Kommunen: Am 10. November geht es ab 19 Uhr um Nachverdichtung, das Modelprojekt „Leerstand jetzt Wohnen“ und die Umwandlung eines Rathauses in ein Wohnhaus. Weiter ist eine Podiumsdiskussion geplant.

• Lehrer: Die Fortbildung „Wohnen neu denken“ dauert am 11. November von 10 bis 16 Uhr.

• Gemeinschaft: Am 12. November gibt es ab 16 Uhr einen Workshop für Interessierte an gemeinschaftlichen Wohnprojekten und ab 19 Uhr einen Netzwerkabend mit dem verein „Gemeinschaftlich Wohnen Regensburg“.

• Raum: Am 13. November gibt es von 16.30 bis 18.30 Uhr einen Workshop mit Planspiel für Eigentümer von Einfamilienhäusern, um 19 den Vortrag „Einfamilienhäuser für Alle!“ und ab 20 Uhr ein Abschlussfest.