Zwischen Wirtshaus und Restaurant: Die Cafébar Nebenan in Donaustauf probiert den Spagat

Einen Schweinebraten bekommt man im Nebenan in Donaustauf im Landkreis Regensburg nicht, dafür „Soulfood gegen den Herbstblues“. Kann so etwas auf dem Land funktionieren?
Walhalla, Burgberg und chinesischer Turm, dazu noch malerisch gelegen zwischen Vorwald und Donauebene: Die Markgemeinde Donaustauf mit ihren rund 4500 Einwohnern hat Besuchern einiges zu bieten. Seit Februar gibt es in der Maxstraße 14 auch noch die Cafébar Nebenan.
Inhaberin Sandra Kucznierz möchte Menschen in ihrem Lokal ein Wohlfühlambiente mit Stadtflair bieten – ohne dass man dafür ins zehn Kilometer flussaufwärts gelegene Regensburg fahren muss. Kann so ein Konzept zwischen Wirtshaus und Restaurant auf dem Land funktionieren?
Herzensprojekt verwirklicht
„Ja, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt die 50-Jährige nach dem ersten Dreivierteljahr. Das klingt nüchtern und doch hat sie ein Herzensprojekt verwirklicht. Der Traum vom eigenen Café begleitet sie schon lange. Als Gastronomin ist Kucznierz aber Quereinsteigerin.
Nach dem Abitur am Gymnasium Neutraubling hat sie Reisekauffrau gelernt, ein paar Semester Kunstgeschichte und Biologie studiert und schließlich mehr als zehn Jahre als Projektleiterin im Kundenservice bei einem großen Online-Händler gearbeitet. Nach der Geburt ihrer Tochter 2013 ist sie dort ausgestiegen und hat einen ersten Versuch als Gastronomin gewagt. Vor acht Jahren hat sie sich in Neutraubling mit einem Familiencafé selbstständig gemacht. Eltern sollten dort entspannt Kaffee trinken während die Kinder spielen – auch ein Konzept, das man eher in einer Großstadt verorten würde. „Ich wollte etwas machen, was es im Umland von Regensburg so nicht gibt.“ Vom Landkreis gab es dafür sogar einen Preis. Dennoch war nach zwei Jahren Schluss: „Die Sommermonate waren schwierig, weil das Café keine Außenfläche hatte.“
Zufall gab den Ausschlag
Kucznierz wechselte wieder in eine Festanstellung. „Ich habe aber immer die Augen in Richtung Café offen gehalten.“ Die Regensburger Innenstadt sei aber nicht infrage gekommen. „Dort sind die Kosten hoch und es gibt viel Konkurrenz.“ Das sei ihr zu riskant gewesen. Dass es am Ende Donaustauf geworden ist, ist einem Zufall zu verdanken.
Kucznierz hat das Haus ihrer Großeltern in Obertraubling, in dem sie mit ihrem Mann Christian und der gemeinsamen Tochter lebt, vor einigen Jahren renoviert. Der Schreiner, der ihr im neuen Anbau den Boden verlegt hat, war Donaustaufer und gab ihr den entscheidenden Tipp, dass das Lokal in der Maxstraße frei wird. „Dann waren wir inkognito da und es hat uns gefallen“, erzählt Sandra. Näheren Bezug zu Donaustauf habe sie bis dahin nicht gehabt: „Wir wussten nur, dass es ein schöner Ort ist.“ Ende Dezember vergangenen Jahres hat sie den Pachtvertrag unterschrieben. Eben jener Schreiner aus Donaustauf hat Küche und Tresen für sie umgebaut. „Ansonsten haben wir nur die Tische umgestellt, um mehr Platz zu haben.“
Wir wollen ein gemütlicher Treffpunkt sein.“Sandra Kucznierz, Inhaberin des Nebenan
80 Quadratmeter hat das Lokal insgesamt. Unverputzte Ziegelwände und viel Holz prägen den Gastraum. 36 Sitzplätze gibt es innen, draußen kann man im Sommer in einer schmalen Gasse an drei kleinen Tischen sitzen oder vorne an der Maxstraße vor dem Fenster stehen. Es gibt Kaffee, Frühstück, Weine, Snacks und ein paar einfache warme Gerichte wie Pasta und Quiche. „Nichts Hochgestochenes, aber es muss schmecken.“ Alles werde selbst gemacht. „Wir wollen ein gemütlicher Treffpunkt sein. Kein Wirtshaus, kein Restaurant, sondern etwas in der Mitte.“
Aus dem anfangs angedachten Frühstückslokal ist inzwischen ein Ganztagsbetrieb geworden. Auch Sandras Mann Christian ist seit Oktober mit eingestiegen und kümmert sich vor allem um die Weine. Auch er ist als gelernter Journalist und Berater nicht vom Fach. „Gastronomie hat aber auch viel mit Kommunikation zu tun und da kann ich mich einbringen.“ Früher sei er beruflich viel unterwegs gewesen, nun genieße er es, vor Ort zu sein. Zudem ist der 50-Jährige überzeugt: „Hier entsteht etwas, was gut ist und Spaß macht.“ Darüber hinaus spare es Kosten, das Lokal zu zweit zu betreiben. „Sandra macht das Tagesgeschäft, ich den Abend.“
Touristen und Einheimische
Bisher seien die Rückmeldungen gut, erzählt das Paar. Viele Gäste kämen immer wieder. Das Publikum sei gemischt – Einheimische, Ausflügler, Walhalla-Touristen, Radler oder auch Mädelsrunden. Noch sei man am Anfang, sagt Sandra. Fest stehe aber, dass es solche Lokale wie das Nebenan auf dem Land selten gebe. „Es war die richtige Idee“, ist sie überzeugt. Sechs weitere Mitarbeiter halten den Laden am Laufen. Wer so einen Schritt wage, müsse viel Zeit und Energie investieren, meint die Inhaberin. „Man muss ein Arbeitstier sein.“ Im Kopf habe sie eigentlich nie Pause. „Ich habe hohe Ansprüche an alles und jeden.“ Ihr Mann ergänzt: „Man muss viel leisten, um einen Gast zufrieden zu stellen.“
Dass ihr Weg in die Gastronomie führen würde, sei nicht von vornherein klar gewesen, sondern gewachsen, sagt Sandra. „Aber es passt.“
Das Lokal
• Adresse: Die Cafébar Nebenan (eigentlich „nebenan“ geschrieben) ist in der Maxstraße 14 in Donaustauf.
• Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag ist von 9 bis 22 Uhr auf, am Sonntag von 9 bis 17 Uhr. Es gibt immer wieder wechselnde Aktionen, derzeit zum Beispiel „Soulfood gegen den Herbst-Blues“. Weitere Infos im Internet unter: www.nebenan-donaustauf.de