Fotograf Unverzart und Bildhauer Schrattenthaler öffnen ihre Ateliers in Kritzenast

Einen Einblick in ihre Arbeit und ihre Arbeitsstätten geben die beiden Künstler, der Fotograf Olaf Unverzart und der Bildhauer Michael Schrattenthaler. Sie laden am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr in ihre Ateliers und Werkstätten in Kritzenast 5 und 26 ein.
Damit geschieht in dem kleinen Dorf Kritzenast etwas, was in vielen Großstädten zum Jahresablauf gehört. An einem gemeinsamen Tag öffnen Künstler ihre Werkstätten und geben so einen durchaus intimen Einblick in ihr Werk und ihr aktuelles Schaffen.
Bei Olaf Unverzart und Michael Schrattenthaler ist die gemeinsame Ausstellung in Kritzenast kein Zufall. Ihre Häuser liegen nebeneinander und beide sind miteinander verwandt. Die Waldmünchner Architektin Yvonne Schrattenthaler ist die Frau von Michael Schrattenthaler und die Schwester von Olaf Unverzart.
Bei einem Besuch am Dienstagnachmittag für den Vorbericht zur Ausstellung ist Schrattenthaler schon sehr weit mit dem Aufbau seiner Ausstellung. Der Ausstellungsraum und seine Werkstatt sind in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen in Kritzenast, dem Elternhaus von Yvonne Schrattenthaler. Der 1971 geborene Michael Schrattenthaler stammt eigentlich aus Kufstein/Tirol. In Graz und später an der Akademie der Bildenden Künste in München erhielt er seine künstlerische Ausbildung.
Eine große Stahltrommel
Schrattenthaler hat sein Ausstehen im Obergeschoss des landwirtschaftlichen Gebäudes auf gebaut. Er zeigt viele Modelle von seinen Objekten. Ein Grund dafür: Da sie als Kunst am Bau entwickelt wurden, sind sie im Original unverrückbar und auch zu groß. Eines seiner größeren Objekte ist aber trotzdem zu sehen. Es ist die Installation „Lotto“ und interessiert den Reporter besonders, weil sie sich mit Zeitungen beschäftigt. Schrattenthaler zeigt das Modell. Eine kleine, drehbare Drahttrommel gefüllt mit Papierschnitzeln, die tatsächlich an die ikonografische Lottotrommel erinnert. Das Original werde dann mit Zeitungspapier befüllt und drehe sich. „Das hört sich an wie Meeresrauschen“, sagt Schrattenthaler und weist hinter sich. Da liegt ein etwa ein drei bis vier Meter langer Metallzylinder mit circa 1,50 Metern Durchmesser aus einem Stahlgeflecht. Das sei das Original. Er müsse es aber noch aufbauen, erzählt Schrattenthaler.
So arbeitet der Künstler viel mit Alltagsmaterialien und stellt sie in neue Zusammenhänge. Noch sichtbarer wird das bei einem bunten Rondell, das ebenfalls zur Ausstellung gehört. Es besteht aus vielen viereckigen Holzrahmen, die mit verschiedenfarbigen Stoffresten bespannt sind. Der runde übermannshohe Körper kann auch betreten werden.
Dann ist man von vielen bunten Quadraten umgeben. Aber warum heißt das Objekt „Crowd“? Ziemlich einfach, wenn man entdeckt, dass es sich dabei um T-Shirt-Stoff handelt, deren Stoff aus Altkleidern stammt. Jedes der bunten Quadrate steht also für einen Menschen, der das mal getragen hat. Solche Alltagsgegenstände in neue Zusammenhänge zu stellen und damit Assoziationen zu erzeugen, nennt Schrattenthaler „übersetzen“. Er entdecke solche Gegenstände und wolle damit „rumspielen“ und Ideen entwickeln, erklärt Schrattenthaller.
Selbstverständlich tauchen dann auch Gegenstände aus der Umgebung von Kritzenast auf. Zum Beispiel ein altes Aushangbrett aus Treffelstein. Anzeige über Anzeige sind auf dem alten grauen Holz festgetuckert. Das allein schon ist ein pittoresker Anblick. Ergänzt wird es von feinen Linien, die Schrattenthaller darüber gesetzt hat und die die alten Aushänge wie eine Erinnerung repräsentieren. Manchmal genügt aber auch das gefundene Stück selbst. Ein Ready-made. Wie der Blitzableiter aus dem Wald – krumm, verbogen, aber mit Schwung und verborgener Eleganz – und jetzt eine Lampenskulptur im Treppenaufgang.
Unverzarts Bilder und Bände

Die Ausstellung Olaf Unverzarts war zum Zeitpunkt des Besuchs noch nicht aufgebaut. Seine neueste Arbeit hatte der Fotograf erst kürzlich in Waldmünchen und in Roding ausgestellt. Dort hängen seine Fotografien auch noch. Deswegen wird er bei der Werkstattbesichtigung seine über ein Dutzend Fotobände und einige seiner großformatigen Alpenbilder präsentieren. Für ihn seien solche Werkstatt- und Atelierbesuche auch „Anlässe die Arbeitsräume und den Kopf zu ordnen“, sagt er am Telefon. Das oben gezeigte Foto aus seinen Privaträumen in Kristenast zeige seine Wand zur Inspiration, auf der Fotos und Skizzen sammle, die ihn interessieren. Nebendran sei ein Foto aus seiner Serie mit Bauten, in den französischen Skiorten während des Sommers zu sehen. Das zugehörige Fotobuch mit dem Titel „ETE“ erschien 2020.