Frauenpower und Finanzen: Vortrag und Podiumsdiskussion im Chamer Kino

Von Mittelbayerische Zeitung · 15. Oktober 2025 um 19:00

Im Kinosaal im Randsberger Hof erlebten cirka 120 Frauen am Dienstag einen Vormittag voller Frauenpower. Adriana Richter, frühere Juristin, seit 17 Jahren Finanzökonomin, die sich vor allem mit dem Thema Selbstbewusstsein bei den Finanzen der Frauen beschäftigt, hielt einen inspirierenden Impulsvortrag, dem sich eine kurze Podiumsdiskussion und Brunch in den Räumlichkeiten des Randsberger Hofs anschloss.

„Yes we can“, war in großen Buchstaben auf der Kinoleinwand zu lesen. „Sie haben heute schon mal alles richtig gemacht, weil sie sich Zeit für ihre Finanzen genommen haben - ein Thema, das man gerne mal im ganzen Trubel vergisst oder es nach hinten verschiebt“, so Adriana Richter einleitend. Die Referentin erzählte den Zuhörerinnen kurz die Lebensgeschichte ihrer eigenen Mutter, die einst als Aupair-Mädchen von Südamerika nach Deutschland kam und sich trotz Kindererziehung ein finanziell unabhängiges Leben aufgebaut hat.

Wie sie das trotz Trennung von ihrem Ehemann schaffte? „Sie hat in einen internationalen Aktienfonds investiert und sich den Grundstock gelegt, um sich eine eigene Wohnung kaufen zu können“, erläuterte die Referentin, die ihre Mutter als Beispiel nahm, dass es jede schaffen kann.

Altersarmut ist weiblich

Die traurige Wahrheit für viele Frauen sehe jedoch anders aus. „Altersarmut ist weiblich. Jede fünfte Frau in Deutschland ist von Altersarmut bedroht, wenn sie über 65 Jahre ist“, schilderte Richter dieses längst bekannte Phänomen. Es wurde schon vor Jahrzehnten in den Medien angekreidet. „Das bedeutet für uns, die Politik wird es nicht richten. Wir müssen es für uns selber anpacken“, schlussfolgerte die Finanzökonomin. Die Situation ergibt sich aus der typischen Erwerbsbiographie einer Frau in Deutschland. Der Ehemann oder Partner beginnt schon mit 18 Prozent mehr Gehalt im Durchschnitt.

Bei den Kindsgeburten bleibt die Frau zuhause, während die Ehemänner Gehaltserhöhungen erhalten. Wenn die Kinder endlich aus dem gröbsten heraus sind, werden oft die Eltern pflegebedürftig, und wieder kümmert sich die Frau um sie. „Es baut sich eine Riesenlücke auf, die man Lebenserwerbseinkommenslücke nennt und die sich durchschnittlich auf 1 020 000 Euro beziffert. Finanziell ist das der Wahnsinn“, brachte die Rednerin zum Ausdruck. Das ist der Grund, warum Frauen oft in Altersarmut enden, auch weil sie mit ihrem Mann nicht darüber sprechen, diese Lücke gemeinsam zu schließen. Es sei einfach wichtig, die Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. 30 Prozent der Männer investieren regelmäßig am Kapitalmarkt, aber nur 18 Prozent der Frauen. Gerade sie sollten das wenige Geld eigentlich renditeträchtig anlegen.

Den Frauen wird nachgesagt, dass sie kein Finanzwissen haben. Adriana Richter zitierte aus Studien, dass diese Annahme nicht stimmt. „Es geht nicht um das objektive Wissen, sondern darum, dass sich Frauen das nicht zutrauen, also um Selbstbewusstsein“, führte sie aus und fuhr fort: „Wissen allein reicht nicht, man muss auch daran glauben, dass man kompetent ist.“ 66 Prozent der Frauen weltweit behaupten von sich, sie haben ein schlechtes oder extrem schlechtes Selbstbewusstsein.

Das weibliche Geschlecht sei durch die Medien, die Erziehung, usw, geprägt, besser nicht an der Börse zu investieren. Adriana Richter brachte hierzu das sogenannte „Imposter“(Hochstapler)-Syndrom zur Sprache, das sei ein psychologisches Phänomen. „Irgendwann werden sie mich ertappen, dass ich es doch nicht draufhabe“, befürchten etliche Zeitgenössinnen. Besonders Leistungsträgerinnen ordnen häufig ihren Erfolg und ihre Karriere nicht ihrem eigenen Talent, ihren Fähigkeiten und Fleiß zu, sondern exogenen Faktoren“, weiß Richter. Da kommen Sätze wie „ich habe nur Glück gehabt“. Der Perfektionismus ist eine weitere typische Ausprägung des „Imposters“. Die Crux sei, dass Perfektionismus der Killer für das Glücksgefühl ist.

Adriana Richter wollte ihren Geschlechtsgenossinnen Mut machen, als Investorinnen zu agieren. Es sind sich alle Auswertungen einig: Frauen sind die erfolgreicheren Anlegerinnen. Sie gab den Zuhörerinnen Tipps, die man sofort umsetzen kann. „Reden Sie über Geld und überwinden sie die Hemmschwelle. Sucht euch eine Geldfreundin und legt die Zahlen auf den Tisch“, riet sie. Es herrsche in Deutschland ein finanzieller Analphabetismus. Dabei gäbe es tolle Medien, um sich selbst zu informieren. „Machen Sie sich schlau! Wissen ist Macht! Fangen Sie gleich heute an. Es hilft nicht, es auf die lange Bank zu schieben“, animierte die Fachfrau.

Praktische Tipps

Susanne Schaffner von den Vereinigten Sparkassen im Landkreis Cham leitete darauf noch eine Podiumsdiskussion. Gesprächspartnerinnen waren Manuela Bonardi, Direktionsbeauftragte bei der Versicherungskammer Bayern, Natalie Späth, Abteilungsleiterin für Gewerbekunden bei der Sparkasse, und Max Heigl Kreisvorstand der Vdk, als einziger Mann im Kinosaal. In den Fokus rückte das Drei-Konto-Modell, das eine klare Trennung der Finanzen bringt. Max Heigl gab zu verstehen, dass mittlerweile die Mittelstufe mit etwas mehr Rente etwas ansteige, weil viele Mütter nach der Kindererziehung wieder in die Arbeit zurückkehren. „Wir sind auf einem besseren Weg, aber es reicht noch lange nicht aus“, sagte der Vertreter des Sozialverbandes. In höheren Einkommensklassen sei es einfacher, sich eine private Altersvorsorge aufzubauen. Wo Männer erfolgreich sind, stehen starke Frauen im Hintergrund, so Natalie Späth von der Abteilung für Gewerbekunden bei der Sparkasse. Frauen haben bei einer Firmengründung ein riesiges Konzept und schauen präventiver nach vorne, sprach sie aus Erfahrung. Manuela Bonardi animierte dazu, die staatlichen Förderungen und die betriebliche Altersversorgung zu nutzen sowie auch auf den Kapitalmarkt zu gehen.