Sind Moto-Cross-Fahrer zu laut? Berchinger beschweren sich über Lärm auf Rennstrecke

Anwohner aus Pollanten (Landkreis Neumarkt) hören die Biker, wenn sie auf ihrer Terrasse sitzen oder wenn Verstorbene auf dem Friedhof beerdigt werden. Der Motorsportclub Berching reagiert auf die Kritik und findet eine Lösung. Mit dem Kompromiss sind aber nicht alle einverstanden.
Bei Westwind ist es nach Angaben von Nikolaus Aurbach richtig laut. „Da denkt man, die fahren direkt an unserem Haus vorbei oder durch unseren Hof“, sagt der Mann aus Pollanten. Er und ein weiterer Dorfbewohner ärgern sich über den Lärm der Zweiräder auf der Moto-Cross-Strecke des MSC Berching. Der Chef des Motorsportclubs gesteht, dass die Biker Lärm verursachen. Er betont aber auch, wie viel der Verein leistet.
Das sagt der Vorsitzende des MSC Berching
Der Vorsitzende des MSC, Niclas Flemmerer, war es auch, der sich an unsere Zeitung gewandt hat, um auf den Verein selbst, aber auch auf die Lärmprobleme aufmerksam zu machen. Der 26-Jährige geht offen mit dem Thema um. Der Verein halte sich schließlich an die Genehmigung des Landratsamtes. Außerdem sei er nicht auf Krawall gebürstet, sondern wolle ein gutes Verhältnis zu den Bürgern, die in den Dörfern rund um den Rhein-Main-Donau-Ring leben.

Die Rennstrecke des MSC Berching befindet sich direkt am Main-Donau-Kanal, wenn man von der Reismühle aus in den Wald abbiegt. Doch je nachdem, wie stark und in welche Richtung der Wind weht, hören Anwohner die Biker, sagt Aurbach. Bei Westwind sei Pollanten betroffen, bei Ostwind Erasbach.
2024 genehmigte das Landratsamt Betrieb an drei Sonntagen
Früher hätte sich der Betrieb auf der Rennstrecke noch in Grenzen gehalten, sagt Aurbach. Aber mittlerweile habe sich die Situation verschärft. Unter anderem genehmigte das Landratsamt im April 2024 eine Erweiterung der Trainingszeiten auf drei nicht aufeinanderfolgende Sonntage pro Jahr. An diesen darf von 10 bis 19 Uhr auf der Strecke gefahren werden. Zuvor war sonntags kein Betrieb – abgesehen von einem Rennen im Jahr. „Das war ein einmaliges Ereignis, das in der Nachbarschaft auch weitgehend akzeptiert war“, sagt Aurbach.
Neben den drei Sonntagen im Jahr darf der MSC die Rennstrecke an fünf Tagen pro Woche aufsperren. Das Landratsamt hat folgende Öffnungszeiten genehmigt: dienstags bis freitags von 10 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 19 Uhr.

Der MSC hat aber schon vor Jahren seine Öffnungszeiten freiwillig zurückgeschraubt – aus Rücksicht auf die Anwohner, wie Flemmerer sagt. Mittwochs bis freitags wird nur bis 19 Uhr gefahren, samstags bis 17 Uhr – sofern es das Wetter zulässt und die Strecke befahrbar ist.
Es ist im Sommer wahnsinnig laut, wenn ich um halb vier auf der Terrasse meinen Kaffee trinke.Nikolaus Aurbach aus Pollanten
Dennoch sind Aurbach und sein Kollege aus Pollanten nicht zufrieden. Aurbach fordert, dass samstags um 15 Uhr Schluss sein sollte. „Es ist im Sommer wahnsinnig laut, wenn ich um halb vier auf der Terrasse meinen Kaffee trinke“, sagt Aurbach, der sich zudem wünscht, dass die Trainingstage reduziert werden: auf zwei, drei Öffnungstage pro Woche.
Bei einem Gespräch am Landratsamt haben die beiden Parteien versucht, einen Kompromiss zu finden. Der MSC hat sich zudem intern bei einer Versammlung Gedanken gemacht.
Motorsportclub Berching geht Kompromiss ein
Das Ergebnis: Jeden Tag ist ab sofort von 12 bis 13 Uhr auf der Rennstrecke Mittagspause. In dieser Zeit darf nicht gefahren werden. Zudem wird die Strecke bei Beerdigungen in Pollanten nicht geöffnet. Auf dem Friedhof hatte man früher die Biker gehört.

Außerdem versucht der MSC laut Flemmerer, Überschneidungen mit Veranstaltungen in Pollanten zu vermeiden und Trainingseinheiten auf einen Tag zu legen. Am Dienstag ist die Strecke zum Beispiel nur für Vereinsmitglieder geöffnet. Außerdem werde der Nachwuchs in Jugendstunden von Trainern sensibilisiert, DB-Killer im Auspuff einzubauen – um Lärm zu dämpfen.
Vorsitzender betont wichtige Vereinsarbeit
„Wir sind gesprächsbereit und tun das Mögliche, was wir umsetzen können“, sagt Flemmerer. Er sieht ein, dass die rund 60 aktiven Fahrer im 324 Mitglieder starken Verein Lärm machen. „Aber wir leisten auch wichtige Vereinsarbeit“, betont der Vorsitzende des MSC. Dort werden Werte vermittelt, welche die Kinder und Jugendlichen auch im Leben weiterbringen: zum Beispiel Rücksicht auf sich und andere im Straßenverkehr zu nehmen.
Der Betrieb bewegt sich im Rahmen der rechtsgültigen Genehmigung.Michael Gottschalk vom Landratsamt Neumarkt
Zudem verweist Flemmerer darauf, dass sich der Verein an die genehmigten Öffnungszeiten halte. Das bestätigt auch das Landratsamt: „Der Betrieb bewegt sich im Rahmen der rechtsgültigen Genehmigung.“
Zufrieden ist Anwohner Nikolaus Aurbach trotzdem nicht. „Wir haben ja Verständnis für den Sport, aber nicht in diesem Umfang.“ Er wünscht sich etwa, dass unter der Woche um 17 Uhr auf der Strecke Feierabend ist.
Moto-Cross-Strecke: Der Rhein-Main-Donau-Ring in Berching
• Anfänge: Das Grundstück am Kanal in Pollanten gehört zum Teil dem MSC Berching. Der Motorsportclub begann 1997, dort den Rhein-Main-Donau-Ring zu errichten.
• Start: Am 7. September 2001 wurde die Strecke offiziell eingeweiht. Zuvor hatte das Landratsamt im Juli 1999 eine Lärmmessung durchgeführt und das Go gegeben.
• Genehmigung: 1996 erteilte das Landratsamt eine Genehmigung, die bis heute rechtsgültig ist. Darin sind auch die Öffnungszeiten geregelt.
• Kritik: Nach Angaben des Landratsamtes hat es in der Vergangenheit ab und an Beschwerden über Lärm gegeben. „Aber das war jetzt schon lange nicht mehr der Fall“, sagt Michael Gottschalk vom Landratsamt. Die Behörde beobachte den Fall und könne bei Bedarf eine erneute Messung durchführen.