Max Schierer GmbH in Cham schließt Metallbau-Sparte – 15 Stellen aktuell betroffen

Von Tanja Fenzl, Christoph Klöckner · 15. Oktober 2025 um 05:00

Vor acht Jahren gründete die Max Schierer GmbH die Sparte Metallbau unter dem Dach des Chamer Familienunternehmens – jetzt sind die Tage des noch jungen Tochterunternehmens gezählt. Die letzten Aufträge werden abgewickelt, danach die ganze Firma. Aktuell sind 15 Stellen betroffen.

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Dabei war man bei der Gründung der Sparte besonders zuversichtlich. Schierer wollte den Kunden alles aus einer Hand bieten. Das zumindest soll sich nicht ändern – den Kunden sollen auch künftig Tore, Türen und Fenster angeboten werden, nur eben nicht mehr aus eigener Produktion in Arnschwang und Waffenbrunn.

Martina Schierer: „Firmengruppe insgesamt ist gesund“

Im Interview mit dem Bayerwald-Echo erläutert Martina Schierer die Hintergründen für die Betriebsschließung und berichtet, dass das Gesamtunternehmen weiterhin gut dasteht.

Das Konzept hinter der Metallbau-Sparte lautete für Schierer: Alles aus einer Hand. Das klang plausibel. Fehlte es dann an Aufträgen oder was ist schief gelaufen?

Martina Schierer: Die Idee des Konzeptes „Alles aus einer Hand“ war und ist grundsätzlich richtig – sowohl für unsere Kunden als auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Wir wollten Synergien schaffen, Abläufe vereinfachen und die Qualität und Liefertreue durch eine eigene Fertigung sichern. In der Praxis hat sich das allerdings schwieriger dargestellt als ursprünglich angenommen. Insbesondere der Metallbau hatte in den letzten Jahren mit einer Vielzahl an Herausforderungen zu kämpfen: volatile Rohstoffpreise, ein enormer Wettbewerbsdruck, fehlende Aufträge, steigende Lohnkosten sowie Projektverschiebungen auf Kundenseite. Auch der Fachkräftemangel hat eine Rolle gespielt angenommen. Wir haben auch gelernt, dass wir unsere Kernkompetenz seit Jahrzehnten im Handel haben – nicht in der Produktion. Rückblickend müssen wir einräumen, dass nicht alle strategischen Entscheidungen in diesem Bereich die gewünschten Ergebnisse gebracht haben und dass wir die Komplexität und Dynamik eines produzieren Gewerbes unterschätzt haben. Auch ist der Wettbewerbsdruck im Metallbaubereich außerordentlich hoch. In der Summe haben diese Faktoren dazu geführt, dass wir den Metallbau trotz großer Anstrengungen nicht wirtschaftlich betreiben konnten.

Was hat diese Entscheidung konkret für Folgen?

Schierer: Wir haben uns schweren Herzens dazu entschlossen, den Bereich geordnet auslaufen zu lassen. Für viele langjährige Mitarbeiter ist das ein schmerzhafter Schritt, und wir danken ihnen ausdrücklich für ihren Einsatz. Die bestehenden Aufträge werden selbstverständlich noch mit vollem Einsatz und in gewohnter Qualität abgewickelt. Das wird noch einige Monate dauern.

Was passiert mit den betroffenen Mitarbeitern?

Schierer: Teilweise können wir Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Betrieben unserer Firmengruppe anbieten, die Bedarf an Beschäftigten haben. Wir führen hier derzeit sehr intensiv Gespräche und hoffen, zumindest für einige der Betroffenen gute Lösungen zu finden. Wir werden das leider nicht für alle anbieten können. Die Entscheidung, diesen Bereich geordnet auslaufen zu lassen, ist uns sehr schwergefallen – nicht nur, weil wir bei Max Schierer großen Wert auf Kontinuität und ein persönliches Miteinander legen, sondern auch, weil viele der betroffenen Kolleginnen und Kollegen uns über Jahre begleitet und viel zum Unternehmen beigetragen haben.

Ist damit auch ein Punkt erreicht, wo Firmengröße oder auch Standortausbau, etwa durch neue geplante Bürobauten in Cham, wieder in die Warteschleife kommen oder halten Sie daran fest?

Schierer: Wichtig ist uns zu betonen: Die Firmengruppe insgesamt ist gesund. Damit das so bleibt, mussten wir die schmerzliche Entscheidung zu der hochdefizitären Metallbausparte treffen. Das geplante Bauprojekt – insbesondere das neue StilHaus mit Bürogebäude in Cham – betrifft ausschließlich unser Kerngeschäft, also die Baustoffe, und steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem Metallbau.

Wie geht es dann mit dem Unternehmen insgesamt weiter? Wie ist der Zeitplan?

Schierer: Unsere strategische Ausrichtung im Baustoffhandel bleibt davon unberührt. Wir halten weiterhin an unseren Ausbauplänen fest. Die Realisierung hängt jedoch maßgeblich vom geplanten Hochwasserschutz ab. Solange hier noch keine finale Genehmigung vorliegt, verzögert sich der konkrete Baustart. Das hat aber nichts mit der aktuellen Entwicklung im Metallbau zu tun, sondern ist eine rein genehmigungsrechtliche Frage. Trotz der aktuellen Herausforderungen blicken wir zuversichtlich in die Zukunft und investieren weiter gezielt in unsere Standorte und in den Ausbau unseres Angebots.

Unsere strategische Ausrichtung im Baustoffhandel bleibt unberührt.Martina Schierer

Gibt es weitere Planungen, bestimmte Geschäftsbereiche einzuschränken oder sich von Ihnen zu verabschieden, um – wie Sie betonen – den Kernbereich Handel zu festigen?

Schierer: Nein, aktuell gibt es keine weiteren Planungen, Geschäftsbereiche einzuschränken oder abzugeben. Die Metallbausparte war seit Jahren das „Sorgenkind“ und daher mussten wir diesen Schritt nun gehen.

Wird es einen weiteren Abbau der Beschäftigungszahlen geben müssen, die bislang bei gut 350 lag?

Schierer: Nein, aktuell ist kein weiter Stellenabbau geplant. Wir liegen als Firmengruppe derzeit bei rund 350 Beschäftigten – und in einigen Bereichen suchen wir sogar aktiv neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zum Beispiel im Lager oder als Lkw-Fahrer. Der Personalabbau betrifft ausschließlich den Metallbau. Wir sind ansonsten sehr solide aufgestellt und investieren gezielt in unsere Infrastruktur und Standorte und setzen auf gesundes, nachhaltiges Wachstum. Das geht nur mit motivierten Menschen – deshalb freuen wir uns auch weiterhin über Bewerbungen.

Im Februar hatte Schierer-Geschäftsführer Josef Schmidberger bei uns festgestellt, dass die guten Zeiten vorbei sind. Das zeigte auch ein Umsatzrückgang. Ist Besserung in Sicht, zumal wieder mehr Baukredite vergeben werden?

Schierer: Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind derzeit für alle anspruchsvoll: kaum Wachstum, steigende Kosten, viele Unsicherheiten. Aber wir sehen das im größeren Zusammenhang. Wirtschaftliche Schwankungen hat es immer gegeben – das Bauwesen kennt Zyklen und wir sind als Familienunternehmen darauf eingestellt, mit solchen Phasen umzugehen. Die Firmengruppe hat die notwendige Stärke, auch aus wirtschaftlich schwächeren Phasen gut herauszugehen.

Wie sehen Sie demnach die Zukunft des Baumarktes?

Schierer: Wir erwarten zwar keine schnelle Rückkehr zu den Rekordjahren – aber wir glauben an eine schrittweise Erholung des Marktes. Der Bedarf an Wohnraum, Sanierung und Infrastruktur bleibt bestehen – und wird eher noch wachsen. Es muss gebaut werden. Unser Ziel ist es daher, den Kernbereich Baustoffhandel weiter zu stärken und gleichzeitig dort präsent zu sein, wo unsere Kunden uns brauchen – mit einem soliden Fundament und Weitblick.

Was wird aus der für den Metallbau angedachten Fläche in Cham-Süd?

Schierer: Die betreffende Fläche in Cham-Süd befindet sich im Familienbesitz. Konkrete neue Pläne gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Wir lassen alle Optionen offen.