Kehrtwende im Landkreis Regensburg: Drittes Gymnasium soll nach Obertraubling

Von Thomas Kreissl · 14. Oktober 2025 um 17:00

Es ist eine komplette Kehrtwende: Nun soll doch schon bald ein drittes Gymnasium im Landkreis Regensburg entstehen. Der Schulausschuss war sich am Montag weitgehend einig, dem Kreistag zu empfehlen, das Projekt in Angriff zu nehmen. Und auch der Standort scheint bereits klar zu sein: Das neue Gymnasium wird wohl neben der Realschule in Obertraubling gebaut.

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Fast zwei Jahre ist es her, dass der Kreistag den Bedarf für ein drittes Gymnasium im Landkreis anerkannt hat. In der Folge wurden drei mögliche Standorte im südlichen Landkreis untersucht. Zuletzt stand nur noch die Frage im Raum, ob die neue Schule in Alteglofsheim, Mintraching oder Obertraubling verwirklicht werden soll. Das letzte Wort hätte hier das Kultusministerium gehabt.

Projekt wurde auf Eis gelegt

Doch dann war kein Geld mehr da. Die Kreisumlage musste erhöht, die Ausgaben mussten reduziert und Investitionen in die landkreiseigenen Schulen mussten geschoben werden. Auch die Pläne für das dritte Landkreis-Gymnasium wurden vor eineinhalb Jahren aufs Eis gelegt.

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Eine Entscheidung, die so nicht mehr zu halten ist. Das hatte die CSU bereits in der Juli-Sitzung des Kreistags befürchtet. MdL Patrick Grossmann bezweifelte damals, dass die Maßnahmen ausreichen, die zumindest vorübergehend helfen sollten, der Platznot ohne weiteres Gymnasium Herr zu werden. Landrätin Tanja Schweiger sah in der damaligen Kreistagssitzung jedoch keinen Spielraum für den Bau eines dritten Gymnasiums.

Trotz Erweiterungsbau: Neutraubling ist ausgelastet

Das sieht sie mittlerweile anders und machte das auch am Montag gegenüber den Mitgliedern des Schulausschusses in der Mensa des Lappersdorfer Gymnasiums deutlich. Denn die aktuelle Entwicklung der Schülerzahlen hat enormen Druck erzeugt. Der Trend zeigt hier stetig nach oben und trifft in erster Linie das Gymnasium Neutraubling.

Obwohl dort in wenigen Monaten ein weiterer Erweiterungsbau fertiggestellt wird, hat die Schule dann schon wieder die Auslastungsgrenze gerissen. Denn mit Erweiterungsbau wäre das Gymnasium für 1456 Schüler ausgelegt. Schon jetzt werden aber 1550 Schüler unterrichtet. Die Schulentwicklungsprognose geht bis 2034 von einem Zuwachs von weiteren 800 Schülern in Neutraubling aus.

Stadt fordert finanzielle Beteiligung

Wo sollen diese künftigen Gymnasiasten unterrichtet werden? „Wir müssen die Kapazitäten an den Stellen schaffen, die finanziell zumutbar sind“, hatte Schweiger noch vor drei Monaten im Kreistag gesagt und auf die momentan laufende Erweiterung des Lappersdorfer Gymnasiums verwiesen. Zudem hoffte sie damals noch darauf, dass Gespräche mit der Stadt Regensburg Optionen für zusätzliche Kapazitäten bringen.

Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Denn auch die Stadt steht unter Druck, stößt an ihre finanziellen Grenzen und muss selbst viel Geld in ihre Schulen investieren. Die Folge: Die Stadt erweitert ihre Kapazitäten nur dann, wenn sich der Landkreis entsprechend an den Investitionskosten und am Unterhalt beteiligt. Der Landkreis müsste also viel Geld für eine solche Lösung in die Hand nehmen. Geld, dass nach Ansicht der Landrätin besser in eigene Projekte investiert werden sollte.

Bestehende Schulen dürfen nicht gefährdet werden

Schweiger schlug dem Ausschuss deshalb vor, schnellstmöglich den Bau des dritten Landkreis-Gymnasiums auf den Weg zu bringen. Als besten Standort hat die Landkreisverwaltung Obertraubling ausgemacht. Das liegt vor allem an der besonderen geografischen Situation. „Wir haben in Bayern wahrscheinlich den größten Anteil an Gastschülern“, sagt die Landrätin dazu. Denn jenseits fast aller Landkreisgrenzen gibt es weiterführende Schulen, deren Bestand durch Neubauten nicht gefährdet werden darf. Besonders im Fokus steht hier das Gymnasium in Mallersdorf, das von einer neuen Schule in Alteglofsheim betroffen sein könnte.

Das ist beim Standort Obertraubling nicht zu befürchten. Stattdessen könnte ein Gymnasium dort helfen, auch Druck von der Stadt zu nehmen, da es für Kinder aus Burgweinting und Harting gut erreichbar wäre. Zudem gehört der Baugrund in unmittelbarer Nachbarschaft zur Realschule bereits dem Landkreis, was nach Ansicht der Landrätin eine schnelle Realisierung des Projekts ermöglichen würde. Sie rechnet damit, dass das Gymnasium in fünf Jahren in Betrieb gehen könnte.

Freilich hat der Standort in Obertraubling auch Nachteile. Denn für das neue Gymnasium ist eine Zweifach-Turnhalle erforderlich, die der Landkreis selbst finanzieren muss, weil die Gemeinde Obertraubling selbst keine zusätzlichen Hallenkapazitäten benötigt. „Das ist der Malus von Obertraubling“, erklärte Schweiger.

Verkehr ist ein Problem

Die Mintrachinger Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank verwies zudem auf die schwierige Verkehrssituation am geplanten Standort bei der Realschule Obertraubling. „Da muss kräftig was geregelt werden“, forderte sie. Kreisrat Johann Jurgovsky konnte sich nicht damit anfreunden, dass der Landkreis südlich und östlich von Neutraubling beim Thema weiterführende Schulen ein weißer Fleck bleiben soll. „Das ist nicht gut“, monierte er.

Letztlich nahm der Ausschuss den Vorschlag der Landrätin zur Kenntnis, an den Kreistag eine Empfehlung für dessen Dezember-Sitzung weiterzugeben. Der Kreistag soll dann konkrete Planungen für ein drittes Landkreis-Gymnasium in Obertraubling in Auftrag geben.

Pojekt kostet mindestens 85 Millionen Euro

In einer ersten Kostenschätzung geht die Landkreisverwaltung davon aus, dass ein vierzügiges Gymnasium und eine Zweifachsporthalle mindestens 85 Millionen Euro kosten werden. Mit Blick auf die angespannte Finanzlage muss das Projekt aller Voraussicht nach komplett über Fördergelder und Darlehen finanziert werden. Kalkuliert wird mit einer staatlichen Förderung in Höhe von 35 Millionen Euro.

Nach der Rechnung der Verwaltung werden für den Bau Finanzmittel in den Jahren 2026 bis 2031 benötigt. Der Plan ist, jedes Jahr ein neues Darlehen dafür aufzunehmen, das jeweils bis 2052 zurückgezahlt werden soll. Nach Angaben von Landrätin Tanja Schweiger belastet das den Kreishaushalt jährlich mit gut drei Millionen Euro, was bis zu rund einem Prozentpunkt Kreisumlage entspreche.